Studenten der TU Wien �ben ganzheitliches Planen am Beispiel Brixen. Eine Herausforde-rung nicht nur f�r die Studierenden aber auch f�r die Stadtregierung, die einige Anregungen und Erkenntnisse aus der nun vorliegenden Studie entnehmen kann. Aber sind die Vor-schl�ge weitgehend und differenziert genug?
Vor genau einem Jahr begann das Institut f�r St�dtebau, Landschaftsarchitektur und Entwer-fen unter der Leitung von Univ.Ass. Dipl.-Ing. Peter Risto zusammen mit dem Institut f�r �rtli-che Raumplanung gef�hrt von Vertr.Ass. Dipl.-Ing. Dr.techn. Helene Linzer mit insgesamt 9 Studenten der Abschlusssemester eine Lehrveranstaltung, die sich die Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzeptes f�r Brixen zur Aufgabe machte. Noch von Altb�rgermeister Seebacher unterst�tzt, besuchten die Studenten Brixen, machten Bestandsaufnahmen und lie�en sich von der Stadtverwaltung und Gemeinder�ten �ber die Probleme Brixens informie-ren. Jetzt stellten sie am 3. Oktober 2005 in der Cusanus Akademie Brixen ihre Arbeitser-gebnisse vor. Die Pr�sentation fand vor zahlreichen interessierten Brixner B�rgern statt, an ihrer Spitze B�rgermeister P�rgstaller, 2. B�rgermeister Stablum und einige Gemeinder�te.
Die Studenten begannen mit der Erkl�rung eines von ihnen entwickelten Leitbildes f�r Bri-xen, das die Stadt in erster Linie als Tourismusdestination darstellt. Es folgten Erl�uterun-gen, die in die vier Kapitel Siedlungs- Tourismus- Verkehrs- und Freiraumkonzept aufgeteilt waren. Das Siedlungskonzept basiert auf einem steigenden Wohnbaulandbedarf, der aus der st�ndig wachsenden Bev�lkerungszahl resultiert, schl�gt eine innenr�umliche Verdich-tung auf Sanierungsfl�chen (z.B. ehem. Milit�rgel�nde) vor und weist erhebliche Neubauzo-nen entlang der �stlichen Hangkante von K�stlarn bis Milland vor. Das Tourismuskonzept kritisiert den vierfachen, nicht koordinierten Internetauftritt Brixens, der f�r interessierte Be-sucher mehr als verwirrend ist, bef�rwortet den Bau eines Tourismuszentrums an der Nord-einfahrt zur Altstadt ebenso wie ein Besucherzentrum im Gewerbegebiet und schl�gt ein Wanderwegekonzept mit Naturlehrpfad am Eisack vor. Das Verkehrskonzept befasst sich ausschlie�lich mit dem Stra�enverkehr, der Ortsumfahrung mit angeschlossenen Parkpl�t-zen f�r die Altstadt, die noch umfassender vom Fahrverkehr befreit werden sollte und weist ein in sich geschlossenes sicheres Radwegnetz aus. Das Freiraumkonzept pl�diert f�r In-nerst�dtische Gr�nraumverbindungen die auf den Flu� orientiert sind, fordert weitere Gr�n-anlagen in der Stadt � insbesondere unter Einbeziehung der Obstanlagen der Hofburg und setzt sich f�r eine Durchgr�nung der als besonders wenig attraktiv empfundenen Gewerbe-gebiete ein.
In der anschlie�enden lang und lebhaft gef�hrten Diskussionsrunde gab es die Frage, ob die Studenten nicht etwas aggressiver, frecher und innovativer, vielleicht sogar vision�r, die Probleme Brixens h�tten angehen sollen. Viele der Feststellungen sind bekannte Aufgaben, f�r die teilweise in den Schubladen der Verwaltung Pl�ne vorliegen (z.B. das Radwegekon-zept). Einigen erschien das Eingehen auf dr�ngende Probleme zu wenig differenziert und mit zu wenig Tiefenwirkung, insbesondere das Leitbild der Stadt betreffend. Tourismusdestinati-on allein zu sein sei bei dem riesigen globalen Angebot nicht mehr ausreichend. Es sollte vielmehr untersucht werden, welche Art des qualifizierten St�dtetourismus � z.B. der Kultur, der Kongresse und der speziellen Veranstaltungen � Brixen eine gefragte Sonderstellung verschaffen w�rde, u.U. vernetzt mit den anderen St�dten und Gemeinden des Eisacktales. In der Diskussion um das Leitbild sei auch zu kl�ren ob das unkritisch hingenommene weite-re Wachstum Brixens nicht doch in Frage gestellt werden m�sse um den nat�rlichen und infrastrukturellen Raum der Stadt nicht zu sprengen. Angezweifelt wurde auch ob eine undif-ferenzierte Durchgr�nung Brixens die richtige Antwort auf die komplexen Fragen der Urbani-t�t, der Gestaltung und des Verkehrs ist: der Wert der Stadtr�ume in der Altstadt w�rde etwa nicht durch fehlendes Gr�n gemindert sondern u.a. durch den immer noch vorhandenen Fahrverkehr. Um die Identit�t der Altstadt und deren Baukultur in neue Baugebiete in unserer Zeit fortzuf�hren bed�rfe es vielmehr - statt nur Gr� - vorausschauender konsequenter st�d-tebaulicher Planung und hochqualifizierter Architektur. Beim Verkehrskonzept wurde ein Ein-gehen auf den Schienenverkehr als Entlastung der Strasse und Aussagen zur Situation des Bahnhofes vermisst und ein Naturlehrpfad als ein gestriges Auslaufmodell empfunden.
Trotz dieser Einw�nde, die B�rgermeister P�rgstaller in seinem Schlusswort nochmals zu-sammenfasste, betonte er - wie viele der �brigen Redner auch - den Wert des Stadtent-wicklungs- und Freiraumkonzeptes der Studenten f�r die weiterf�hrende Diskussion des Brixner Leitbildes und der k�nftigen politischen Entscheidungen im Stadtrat. Zum besseren Verst�ndnis dieser Thematik hat der Abend der B�rgerinformation sicherlich beigetragen und man kann sich nur w�nschen, dass an weiteren Veranstaltungen dieser Art �hnlich zahlreich und interessiert teilgenommen wird � hier werden mit den B�rgern zusammen die Grundla-gen f�r Stadtpolitik geschaffen.
Andreas Gottlieb Hempel
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