Auch in Brixen beginnt man an ein Konzept f�r Stadtmarketing zu denken, das die Stadt als Marke oder besser: als Begriff positionieren soll. Es kann aber nicht nur darum gehen, die eigene Stadt �ber ein Image zu vermarkten sondern vielmehr darum, ein nachhaltiges Leit-bild daf�r zu entwerfen, wie sich die Stadt zuk�nftig entwickeln soll und welche politischen Entscheidungen daf�r zu treffen sind. An dieser Stelle soll grunds�tzlich einmal �ber das komplexe Thema von Leitbildern zur Stadtentwicklung berichtet werden und aus welchen Bedingungen heraus ein Leitbild f�r Brixen entstehen k�nnte.
Die St�dte � nicht nur die Metropolen! � befinden sich heute im internationalen Wettbewerb als Standort, als Destination, als Umfeld f�r besondere Lebensqualit�t, um Investitionen, Innovationen, G�ste oder F�hrungskr�fte und begehrte Unternehmen anzuziehen. Ange-strebt wird, eine Stadt zu einem Begriff werden zu lassen, zu einer Marke, die f�r ein be-stimmtes Angebot wie Kultur, Tourismus, Ausbildung oder �hnliches steht. Dies mag f�r ei-nen �konomischen Erfolg ausreichen, wird aber den �bergreifenden Aspekten und Bed�rf-nissen aller Stadtbewohner, ihrer Geschichte und Identit�t kaum gerecht. Der Ansatz zu Leitbildern einer ganzheitlichen Entwicklung muss umfassender sein. Dazu einige �berle-gungen zur �Idee Stadt�.
Zun�chst einmal ist die Stadt sichtbarer Ausdruck davon, dass sich die individuellen F�hig-keiten der Menschen erst im Miteinander, im Austausch, in der Zusammenarbeit verwirkli-chen und zu kultureller H�he entfalten. In der Stadt hat sich die Arbeitsteilung entwickelt und in der Stadt fanden die Menschen Mu�e und Schutz f�r Kunst und Wissenschaft. Die Stadt ist immer noch das beste Abbild der Vergesellschaftung der Menschen und ist ein Spiegel-bild ihrer Bewohner. Damit ist die Stadt einerseits ein aktives Leitbild und Vorbild f�r die Menschen, die von ihr angezogen werden, andererseits aber wird der Stadt ein passives Leitbild von denen gegeben, die planend, gestaltend und politisch auf sie Einfluss nehmen.
Worauf basieren Leitbilder?
Wer nun genaueres �ber das Leitbild einer Stadt wissen m�chte, muss sich zun�chst drei Fragen stellen:
- Welches Abbild ihrer Bewohner vermittelt eine Stadt?
- Welche Wirkung hat dieses Abbild auf diejenigen die ihm als Leitbild folgen?
- Welchen Einfluss nehmen diejenigen, die das Leitbild formen wollen?
Zur Beantwortung dieser Fragen wird eine Definition des komplexen st�dtebaulichen Leitbil-des �ber seine Einzelteile erforderlich. Es sind dies im Wesentlichen:
Die Inhalte � Stadtbild, Infrastruktur, wirtschaftliche, �kologische, kulturelle und soziale Fak-toren
Die Verbindlichkeiten � Geschichte, Bestand, Charakter, Atmosph�re, Natur, Grenzen der Ausdehnung
Der Gestaltungsanspruch � das Leitbild kann lokale, regionale oder generelle Bedeutung haben und Ausdruck der Tradition und des Zeitgeistes sein
Die Politik � ein Leitbild hat Bedeutung f�r die politischen Entscheidungsr�ume wenn es als Handlungsprogramm verstanden wird
Die Entscheidungstr�ger � ein Leitbild kann nicht nur von einer Institution beschlossen wer-den sondern muss von einem Netzwerk der �ffentlichkeit getragen werden
Die Entwicklung � Ver�nderungen �ber ein Leitbild bilden sich in einem Prozess heraus, der langfristig angelegt ist.
In Europa � S�dtirol und Brixen liegen gleichsam im geographischen Mittelpunkt � sind im-mer Idealbilder f�r die St�dte, f�r die europ�ische Stadt, entwickelt worden, auch wenn sie nicht immer v�llig realisiert wurden. Als Beispiele seien Begriffe wie Bischofsstadt, Resi-denzstadt, Hauptstadt, Verwaltungsstadt Industriestadt, Universit�tsstadt, Kurstadt, Fest-spielstadt usw. genannt. Hintergrund der Idealbilder war das Bewusstsein, dass ohne Leitbil-der das sonst entstehende Chaos nicht gemanagt werden k�nne. Managen kommt von ma-nus = die Hand, die ordnend eingreift, gef�hrt von Ordnungsvorstellungen, Leitbildern. Wer das aus vielerlei Gr�nden entstandene Chaos in den Megalopolen der Entwicklungsl�nder betrachtet, wird den europ�ischen Gegenentwurf mit Leitbildern sch�tzen. Chaos entsteht nicht nur in diesen Megacities sondern auch bei uns im Kleinen, wenn die Leitbilder fehlen. Ein Blick hier auf die Zersiedelung z.B. des Gr�dnertals oder die Gewerberandgebiete in Brixen gen�gt. Wir m�ssen aber unterscheiden zwischen sch�pferischem und zerst�reri-schem Chaos. Schon in der biblischen Sch�pfungsgeschichte hat das Ungeordnete, das Chaos, das Wort als Gesetz und Ordnung provoziert. Im Gegensatz zum zerst�rerischen Chaos verlangt das sch�pferische Chaos Ordnung nicht als statisches, prohibitives Prinzip sondern als dynamisches Prinzip mit Perspektiven.
Leitbilder sind keine Gesetze sondern Ziele
Im politischen Raum wird der Begriff Leitbild schnell mit Verboten und Ordnungsma�nahmen gleichgesetzt. Ein typisches Beispiel ist die kurzsichtige Ablehnung des Ensembleschutzes zum Erhalt unseres baukulturellen Erbes durch die Brixner Fraktionen um jeglicher Bauwut freien Lauf zu lassen. Geordnete Leitbilder scheinen demnach Reizworte zu sein, vor allem wenn sie f�r eine zukunftsf�hige und nachhaltige Stadt- und Bauplanung entwickelt werden. Eine kategorische Ordnung durch Leitbilder muss deshalb zugunsten eines offenen und dy-namischen Gef�ges von Leitbildern aufgegeben werden um unserer demokratischen und vielf�ltigen Gesellschaft zu entsprechen. In diesem Gef�ge von Leitbildern gibt es einige, die f�r die Stadt grunds�tzliche Bedeutung haben:
Soziale Leitbilder - sie betreffen die Gesellschaft, die Familie, das soziale Gef�ge, die Ar-beits- und Wohnverh�ltnisse. Es sind politisch bestimmte Leitbilder.
Funktionale Leitbilder � sie betreffen die Infrastrukturen der Stadt mit den Einrichtungen des Verkehrs und der Ver- und Entsorgung. Es sind technisch bestimmte Leitbilder.
�sthetische Leitbilder � sie betreffen das Stadtbild, den Erscheinungscharakter, die Architek-tur und Bautradition. Es sind baukulturelle Leitbilder.
Wirtschaftliche Leitbilder � sie betreffen die Wirtschaft, den Tourismus, den Handel und das Gewerbe einer Stadt. Es sind �konomische Leitbilder.
Leitbilder f�r die Umwelt � sie betreffen den Umgang mit der Natur in und um die Stadt und das Verhalten der Bewohner zum Schutz der Natur. Es sind �kologische Leitbilder.
Kulturelle Leitbilder � sie betreffen die Aus- und Fortbildung sowie das kulturelle Angebot und Niveau einer Stadt. Es sind kulturelle Leitbilder.
Man k�nnte noch mehrere solcher Leitbildgruppen aufstellen. Aber die Addition solcher Be-reichsleitbilder ergeben noch kein ganzheitliches Leitbild f�r die Stadt. Dieses muss in einem qualitativen Sprung einen Mehrwert aus den sektoralen Leitbildern ergeben und eine dauer-hafte Perspektive der st�dtischen Entwicklung bieten. Die schlechten Erfahrungen mit ideo-logischen Leitbildern (unter dem Faschismus und Kommunismus), technischen Leitbildern (z.B. autogerechte Stadt usw.), �sthetischen Leitbildern (z.B. Gartenstadt usw.) und wohn-baupolitischen Leitbildern (z.B. F�rderung des Eigenheimbaus - mit der Zersiedelung der Landschaft) haben wegen ihres Mangels an ganzheitlicher Betrachtungsweise dazu gef�hrt, dass man lange Zeit meinte, ganz ohne Leitbilder auskommen zu k�nnen. Das ist nat�rlich ein Irrtum. Leitbilder sind allen dynamischen Entwicklungen zu eigen � und um diese handelt es sich permanent in der Stadtentwicklung � nur dass man sie bisweilen nicht offen definiert hat. Dies war z.B. in den letzen beiden Jahrzehnten der Fall, als man glaubte, Stadtentwick-lung ganz den angeblich freien Kr�ften des Marktes zu �berlassen. Im gleichen Zeitraum besch�ftigte uns jedoch schon das Leitbild der nachhaltigen, ressourcenschonenden und umweltvertr�glichen Stadtentwicklung. Betrachtet man den Zustand unseres Planeten, dann scheint das Leitbild der nachhaltigen Stadtentwicklung das vordringlichste zu sein, wenn-gleich eine globale Umsetzung unerreichbar erscheint. Angesichts dieser Entwicklung und der dr�ngenden Umweltprobleme erscheint die hier zitierte, lange geltende Definition eines Leitbildes zur Stadtentwicklung geradezu r�hrend:
�Unter Leitbild wird eine in ihren Grundz�gen widerspruchsfreie, wenngleich sehr allgemeine Modellvorstellung r�umlicher Organisations- und Gestaltungsformen verstanden, von der erwartet werden kann, dass sie die Anspr�che des Stadtbewohners an seine Lebensumwelt weitgehend zu erf�llen vermag�
(Konrad-Adenauer-Stiftung, 1985)
Vom Menschenbild zum Leitbild
Wo m�ssen wir also ansetzen, um zu einem ganzheitlichen Leitbild der Stadtentwicklung zu kommen? So einfach es klingt: am Menschenbild und dessen humanen Wertevorstellungen. Denn: nicht irgendwelche Schicksalswendungen bestimmen den Zustand der St�dte sondern Entscheidungen von Menschen. Insofern sei zur Bestimmung konkreter Leitbilder ein weite-rer Ausflug in die theoretischen Grundlagen gestattet, bevor wir uns mit entsprechendem Verst�ndnis f�r die konkrete Situation unserer Stadt Brixen widmen. Das Menschenbild wird durch drei Sph�ren gekennzeichnet:
- die physisch-materielle Ebene
- die psychisch-seelische Ebene
- die spirituell-geistige Ebene
Alle drei Ebenen durchdringen sich dynamisch ohne Stillstand. Alles ist in st�ndiger Wand-lung, gelenkt durch die Entscheidungen des freien Willens � eine v�llige Entsprechung zur Stadtentwicklung. Die Stadt muss als Organismus erkannt werden, der materiellen, psychi-schen und geistigen Entwicklungen unterliegt. Diese spielen sich auf wirtschaftlich-technischer, politisch-sozialer und wissenschaftlich-kultureller Ebene ab. Aus dieser Voraus-setzung ergibt sich, dass ein ganzheitliches Leitbild nicht nur materielle Dimensionen haben muss, die man sehen und anfassen kann sondern auch atmosph�risch-emotionale Bereiche, die man f�hlen und erleben kann und geistig-k�nstlerische Ebenen, auf denen wissenschaft-liche und kulturelle Leistungen entstehen k�nnen.
Auf die materielle Dimension der Stadt trifft das Bonmot von Karl Kraus zu: �Von der Stadt in der ich lebe, erwarte ich Stra�enbeleuchtung, Wassersp�lung und Haust�rschl�ssel. Gem�t-lich bin ich selber!� In ihr sollten sich also die Voraussetzungen f�r gesundes Wohnen, menschliche Arbeitsbedingungen und funktionierende Infrastruktur materialisieren. Diese Wertvorstellungen werden �ber Vorschriften, Planung und Investitionen in die Wirklichkeit �bertragen. Dabei werden Entscheidungen, die als zeit- und ortsgerecht empfunden werden umgesetzt, z.B. Nachverdichtung, Durchgr�nung, Verkehrsberuhigung, Denkmal- und En-sembleschutz, umweltvertr�gliche Stadtentwicklung usw.
Die seelische Dimension der Stadt zeigt sie uns als Ort des emotionalen Empfindens, des Heimatgef�hls, Verbundenheit und der Identit�t. Sie macht einen wesentlichen Teil der An-ziehungskraft einer Stadt aus. Dabei spielen Antipathien oder Sympathien f�r die Bewohner eine gro�e Rolle (der arrogante R�mer, der schnoddrige Berliner, der hektische Pariser, den bed�chtig-freundlichen Brixner usw.) Aus der Stadt als Ort seelischer Konditionierung kann der Einzelne Kraft gewinnen oder auch verzweifeln, bis zum Umzug in eine andere Stadt, die ihm �n�her� liegt.
Die geistige Dimension der Stadt geht auf das mittelalterliche Wort �Stadtluft macht frei� zu-r�ck, die Stadt als Ort der Entfaltung geistiger Leistungen und freier Gedanken. Die Anre-gungen, die eine Stadt zur Kreativit�t beitr�gt, ist nicht von ihrer Gr��e abh�ngig. Es gibt geistige Geographien und den bisweilen zeitgebundenen genius loci von St�dten (Rom f�r Kirche und Architektur, Wien f�r Musik, Weimar f�r klassische deutsche Literatur, Brixen f�r hohe Lebensqualit�t usw.). Neuerdings bem�hen sich viele St�dte ausdr�cklich um ein sol-ches geistiges Leitbild oder corporate identity, wie das auf Neudeutsch hei�t.
Das individuelle Leitbild einer Stadt
So wie es neben dem allgemeing�ltigen Menschenbild die Charakteristik des Individuums gibt, so besteht neben dem generellen Leitbild f�r eine Stadt auch die spezifische Besonder-heit, die es zu entwickeln oder zu bewahren gilt. Dieses individuelle Leitbild einer Stadt f�hrt zu einer �Stadtpers�nlichkeit�, die von ihren Bewohnern getragen wird und die gerade des-wegen von Fremden gerne aufgesucht wird. Es entwickelt sich aus einer ortsbezogenen Po-litik f�r Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Umwelt, die auf allen drei Ebenen in die Umset-zung eines individuellen Leitbildes einbezogen werden m�ssen:
materiell in Stadtstruktur, St�dtebau und Architektur
psychisch in Wohlbefinden, Charakteristik und Zugeh�rigkeitsgef�hl
geistig in Kunst, Kultur und Wissenschaften
F�r das so gefundene individuelle Leitbild der jeweiligen Stadt gilt es Steuerungsinstrumente f�r die drei genannten Ebenen zu entwickeln, die allerdings auf einem breiten Bewusstsein der Bev�lkerung beruhen m�ssen und nur im Konsens auf breiter politischer Basis umge-setzt werden k�nnen.
Soviel zu den allgemein-theoretischen Voraussetzungen f�r die Entwicklung von Leitbildern.
Der besondere Fall Brixen
Auch Brixen sollte sich um ein individuelles Leitbild bem�hen um zu einer Weiterentwicklung unserer Stadt zu kommen, die ihre besonderen Qualit�ten und ihre vorhandene Charakteris-tik herausstellt. Wir haben deshalb mit drei Pers�nlichkeiten �ber dieses Thema gesprochen: mit Hans Heiss, Landtagsabgeordneter der Gr�nen, mit Klaus Vontavon, Vorsitzender des Vereins �heimatbrixen� und nat�rlich mit dem neu gew�hlten B�rgermeister unserer Stadt, Albert P�rgstaller. Ihre Aussagen waren in vielen Punkten �bereinstimmend und wir weisen im folgenden Text auf ihre sinngem��en Aussagen hin. Es ist ein positives Zeichen, dass unterschiedliche politische Einstellungen die Gemeinsamkeiten aufweisen, welche f�r die notwendige Vernetzung und die Synergien bei der Entwicklung eines Leitbildes f�r Brixen erforderlich sind.
�ber mehr als Stadtmarketing nachdenken
Bereits in der Juni-Ausgabe des �Brixner� haben wir �ber die Gr�ndung einer Stadtmarke-tinggesellschaft der St�dte Meran, Bozen und Brixen (MEBOBRI) berichtet, die im Rahmen eines EU-Projektes an einer gemeinsamen Positionierung der drei S�dtiroler St�dte arbeiten soll. Nun hat Brixen inzwischen eine neue Stadtregierung erhalten, die mit frischem Schwung und unverbrauchten Ideen angetreten ist. Da ist es jetzt an der Zeit, nochmals �ber das Stadtmarketing Brixens auf der Grundlage eines individuellen ganzheitlichen Leitbildes - wie oben grunds�tzlich dargelegt � nachzudenken.
Die Vorteile von Brixen mit seiner g�nstigen Lage mitten in Europa, gut erreichbar an der wichtigsten Nord-S�d-Verbindung �ber die Alpen, seinem hervorragenden Klima, seiner herrlichen nat�rlichen Umgebung, seiner historischen Bausubstanz, der kulturellen Tradition als ehemalige Bischofsstadt und seiner idealen Gr��e als Kleinstadt mit besonders hoher Lebensqualit�t sowie ausgeglichener Wirtschaftsstruktur aus florierendem Handel und Ge-werbe bis hin zu international wirkenden Firmen, Tourismus und Landwirtschaft, insbesonde-re mit hochqualifiziertem Weinbau, brauchen wir hier nicht weiter herauszustreichen. Keine Frage, Brixen ist als Stadt S�dtirols weithin bekannt � wen man auch fragt, fast jeder wei�, wo Brixen liegt oder war schon einmal dort und nickt: sch�nes St�dtchen, ja.
Fragt man aber weiter, welches die besondere Charakteristik von Brixen sei, kommt au�er historischer Altstadt und Domplatz nicht mehr viel. �Die wirklichen Vorteile und Chancen von Brixen wirken diffus, nicht wirklich ausgepr�gt f�r eine m�gliche Entscheidung, Brixen sofort als Ferienziel, Veranstaltungsort, Ausbildungsplatz, Produktionsstandort oder Kongress-standort auszuw�hlen� (Hans Heiss). Hier gilt es anzusetzen, �um Brixen sozusagen zu einer �Marke�, zu einem �Logo� werden zu lassen, das im Kopf entsteht, wenn der Name f�llt� (Al-bert P�rgstaller).
Leitbild f�r 20 Jahre
Der B�rgermeister hat bereits seine F�hler nach kompetenten Stadtmarketingmanagern in Deutschland ausgestreckt und plant, eine �berparteiliche Arbeitsgruppe aus Fachleuten, Beratern von au�erhalb und B�rgern einzusetzen, die ein einvernehmlich erarbeitetes Leit-bild f�r das politische Handeln mindestens der n�chsten 20 Jahre entwirft. Er hat Recht � ein Leitbild ist eine langfristig zu entwickelnde und durchzuhaltende Perspektive, die nicht von Wahl zu Wahl wieder grundlegend ver�ndert werden darf.
�Dazu sind sorgf�ltige Vorarbeiten erforderlich, bei denen Chancen, Schw�chen und Risiken f�r Einheimische, G�ste und Investoren analysiert werden m�ssen. Die Qualit�ten als Wohnort, Urlaubsziel und Investitionsstandort m�ssen sichtbar gemacht und vernetzt wer-den. Kernarbeitsgruppen unter der Beratung und Moderation von externen Fachleuten sollen Wertvorstellungen f�r die politische Umsetzung formulieren. Dazu ist eine enge Zusammen-arbeit mit der Stadtverwaltung und vor allem mit der �ffentlichkeit geplant. Die Bev�lkerung soll z.B. durch fachliche Informationsveranstaltungen einbezogen und zur Mitarbeit motiviert werden� (Albert P�rgstaller)
�berparteilichkeit und breiter �ffentlicher Konsens sind erforderlich. Das Ziel ist, Brixen zu einem Begriff werden zu lassen, der nicht auf einer F�lle von m�glicherweise widerspr�chli-chen Schwerpunkten, sondern auf der wesentlichen St�rke und Charakteristik der Stadt auf-gebaut werden sollte.
�Nun leidet auch Brixen an einer f�r S�dtirol typischen �Talschaftsmentalit�t� einer Abgren-zungsgesellschaft� (Klaus Vontavon). Viele gute Ideen und Initiativen laufen h�ufig neben-einander her und werden � bei allem guten Willen, etwas im Besonderen zu erreichen � nicht miteinander vernetzt oder aus einer ganzheitlichen Sicht in Synergien verwandelt. �So schei-nen Gesch�ftsleute, Tourismus und Landwirtschaft nebeneinander ihre jeweiligen Interessen zu verfolgen, ohne eine gemeinsame Initiative f�r ein Leitbild, eine gemeinsame Werbelinie oder ein Kommunikationssystem zu ergreifen. Gelegentlich geraten sie sich sogar in die Haare� (Hans Heiss und Klaus Vontavon).
�Leitbild der Konsequenz�
Es fehlt gewisserma�en an einem �Leitbild der Konsequenz� (Hans Heiss), um die vielen guten Einzelans�tze konsequent durchzuf�hren. Nur ein Beispiel sei herausgegriffen: Die historische Altstadt als Fu�g�ngerbereich auszubilden war eine hervorragende Entschei-dung, aber sie wird zum �rger und Erstaunen vieler B�rger und G�ste nicht konsequent durchgef�hrt und kann deshalb ihre Qualit�ten f�r den ungest�rten Aufenthalt auf den Pl�t-zen und in den Gassen der Altstadt nicht entfalten, obwohl es keinerlei M�he bereitet, in we-nigen Minuten von einem Ende der Altstadt zum anderen gem�tlich zu promenieren. Hier wird der Vorteil der kurzen fu�l�ufigen Wege gegen�ber den angeblichen Interessen der guten Erreichbarkeit der Gesch�fte mit dem Fahrzeug nicht durchgehalten � mit dem Effekt der st�ndigen gegenseitigen St�rung.
Welches w�re nun das �bergreifende individuelle Leitbild f�r Brixen, unter dem die weiteren Schwerpunkte der k�nftigen Entwicklung folgerichtig eingeordnet und vernetzt werden m�ss-ten? �Aus der Geschichte der geistigen Ausstrahlung f�rstbisch�flicher Kultur, aus der Tradi-tion der Baukultur, aus den vorhandenen umfassenden Einrichtungen zur Ausbildung auf hohem Niveau und den schon gebauten M�glichkeiten als Treffpunkt bietet sich das Leitbild der �Kulturstadt� f�r Brixen geradezu an� (Albert P�rgstaller, Hans Heiss und Klaus Vonta-von) � einer Kulturstadt, in der qualifizierter und gut organisierter Kongresstourismus, univer-sit�re Ausbildung, niveauvolle k�nstlerische Programme und Veranstaltungen zum Begriff im Alpenraum und dar�ber hinaus in Europa werden kann und damit ein entsprechend kultivier-tes Publikum anzieht.
�Kulturstadt Brixen�
Dem Leitbild der �Kulturstadt Brixen� k�nnen bei der weiteren Entwicklung der Stadt die not-wendigen weiteren Schwerpunkte untergeordnet werden. Einige davon sollen hier bereits genannt werden: �Bessere Integration der neuen Universit�t und ihrer Studenten zu einer besonderen studentischen Szene, die das Leben der Stadt mehr bereichert als bisher� (Hans Heiss), �Integration der Sprachgruppen � nicht nur der deutsch-italienischen, sondern auch anderer Zuwanderergruppen � zu einem ethnischen Leitbild der Zusammenarbeit und sozia-len Integration im europ�ischen Sinn� (Klaus Vontavon), �Vernetzung der Partikularinteres-sen von Tourismus, Landwirtschaft und Gewerbe� (Albert P�rgstaller), �Entwicklung des Stadtbildes im Sinne einer �Kulturstadt� auf hohem gestalterischen Niveau mit Verdichtung statt Zersiedelung und strengen Gestaltungsrichtlinien in den Ensembles� (Hans Heiss), �kul-turelle Aufwertung des Domplatzes mit Auslagerung der Finanzpolizei, stattdessen Einrich-tung eines Stadtmuseums, m�glichst Beibehaltung des B�chereistandortes und anderer �f-fentlicher Einrichtungen� (Klaus Vontavon), Ausweitung der Fu�g�ngerbereiche auf die gan-ze Altstadt, Parken nur am Altstadtrand, bessere Anbindung des neuen Wohnviertels Ross-lauf an die historische Altstadt� (Klaus Vontavon und Hans Heiss), Vernetzung des individu-ellen und �ffentlichen Verkehrs und so weiter.
Entscheidend wird dabei auch die Frage sein, ob Brixen die F�hrungsrolle in einem Vier-St�dte-Konzept (Sterzing, Brixen, Bruneck und Klausen) �bernehmen kann. Dabei k�nnte die Zusammenarbeit von diesen liebenswerten Kleinst�dten ein besonderes Niveau im Ei-sack- und Pustertal erreichen. �Sicherlich w�re die Position einer �Kulturstadt Brixen� hier besser auszubauen als in der Konkurrenz mit Meran und Bozen� (Hans Heiss).
Politische Aufgabe
Zur Vernetzung der bisher immer einzeln betrachteten Probleme w�re auch eine Leit- oder Clearingstelle unter zentraler organisatorischer Leitung denkbar, dessen Direktor mit be-triebswirtschaftlicher Kenntnis und kommunikativem Umgang den notwendigen Konsens aller Beteiligten erarbeitet. Auch ein kultureller Kurator k�nnte an dieser Stelle angesiedelt sein, um das notwendige Niveau langfristiger kultureller Ereignisse der �Kulturstadt Brixen� zu entwickeln und durchzuhalten.
Gl�cklicherweise verf�gt Brixen �ber eine engagierte B�rgerschaft, deren Mitarbeit bei ent-sprechender Information und Einbeziehung in die Umsetzung des Leitbildes ein noch nicht gen�gend gew�rdigtes Kapital darstellt. Da l�sst sich etwas daraus machen, um Brixen als �Kulturstadt� mitten in Europa zu einem bedeutenden Begriff werden zu lassen. Eine sch�ne Aufgabe f�r den neuen Stadtrat, der den Gedanken eines Leitbildes f�r Brixen mit der F�lle der genannten Faktoren zun�chst in einer eigenen Klausur diskutieren sollte, denn die For-mulierung eines Leitbildes ist eine politische Aufgabe.
Schlussbemerkung
Wir haben diesen Bericht mit seinem ausf�hrlichen theoretischen Teil zum Thema Leitbild in besonderer Absicht in diesem Heft zu einem Zeitpunkt ver�ffentlicht, an dem sich der Stadt-rat unter der F�hrung des neuen B�rgermeisters � seit 100 Tagen im Amt! � der Leitbilddis-kussion f�r Brixen annimmt. Diese Initiative ist bemerkenswert. Es handelt sich aber um eine sehr komplexe Aufgabe, deren Randbedingungen f�r eine erfolgreiche Durchf�hrung hier zum besseren Verst�ndnis in der �ffentlichkeit dargestellt werden sollte. Nur mit informierter Diskussion und Sachkenntnis wird sich der erforderliche Konsens f�r ein individuelles Leitbild Brixens herstellen lassen. Dar�ber hinaus m�chten wir den Verantwortliche die Einbezie-hung kompetenter Berater und deren Erfahrungen in anderen St�dten und Gemeinden emp-fehlen.
Andreas Gottlieb Hempel
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