Der Architekt im Netzwerk-Zeitalter:
Renaissancefigur oder Seilt�nzer?
Einleitung
Der Titel legt die Frage nahe: Absturz als Seilt�nzer ins Netz? Freiberufliche Architekten ar-beiten jedenfalls ohne Netz � schon in der Renaissance, abh�ngig von der F�rstengunst. Vorab gesagt � der Architekt ist weder Renaissancefigur noch Seilt�nzer. Eher schon macht er als Traumt�nzer schlechte Figur. Zu den Varianten kommen wir noch.
Zun�chst aber ein paar Worte zur Situation der deutschen Architekten:
Seit fast zehn Jahren stagniert die Zahl der freischaffenden Architekten in Deutschland bei ca. 40 000 obwohl j�hrlich ca. 5 000 Studienabg�nger zu den bereits fast 110 000 bei den Kammern registrierten Architekten und den insgesamt gesch�tzten 160 000 Personen sto-�en, die in diesem Beruf arbeiten.
In Deutschland werden drei Viertel des Branchenumsatzes von einem Drittel der freischaf-fenden Architekten erbracht. Die �brigen zwei Drittel der Kollegen weisen einen Nettojahres-umsatz von unter 250 000.- DM auf. Ihre Ateliers � ich sage bewu�t nicht B�ros, da sich die meisten als Bauk�nstler verstehen! � bestehen zu �ber 80 % aus nicht mehr als 3 Mitarbei-tern, eine davon ist �blicherweise die noch mitarbeitende Ehefrau zwischen Telefon, Schreibcomputer und Kindererziehung. Im Gegensatz zum kleinen Staate D�nemark, der 50% seiner Planungsleistungen exportiert, verkaufen nur 1% der deutschen Architekten ihr Know-How �ber die Grenzen. Das spricht B�nde �ber das Verst�ndnis des Netzwerk-Zeitalters oder der Anforderungen der Globalisierung mit den sich �ffnenden M�rkten.
Lassen Sie uns einen kurzen � feuilletonistischen - Blick auf den �blichen Tagesablauf eines kleinen B�ros werfen um das Verst�ndnis f�r die erforderliche Weiterentwick-lung der Kompetenzbereiche zu wecken:
Der Architekt betritt entgegen landl�ufiger Vorstellung fr�hmorgens sein B�ro. Sein Stoppel-bart ist echt, er hat bis zwei Uhr nachts an seinem derzeit laufenden Wettbewerb geschrubbt und rasieren war so fr�h noch nicht drin. Der Blick seiner ger�teten Augen f�llt jetzt auf die offenbar gehetzt hingekrakelte Notiz seiner Sekret�rin: Der Wind habe in der vergangenen Nacht die Plane vom Dachstuhl des Hauses M. gerissen und es regnet hinein. Bauherr M. tobt bereits durch den Anrufbeantworter.
Auf seinem Schreibtisch findet er �ber den von ihm gestern noch sorgf�ltig sortierten Ab-rechnungsunterlagen quer ausgebreitet Tekturvorschlagsskizzen zum gerade abgewiesenen Bauantrag der X-Bank. Gleichzeitig klingelt das Telefon: �bergangslos br�llt ihm der H�rer ins Ohr, wie er denn dazu k�me, jetzt schon in dieser absurden H�he eine Abschlagszahlung f�r den seit sechs Wochen fertiggestellten Entwurf f�r das Spekulationsprojekt Immoplus zu verlangen � es sei doch ausgemacht, da� erst gezahlt w�rde, wenn weiterverkauft sei.
W�hrend er auf der anderen Leitung dem Projektsteuerer ausf�hrlich erkl�ren mu�, da� die-ser die in siebzehnfacher Ausfertigung angeforderten Aufma�pl�ne der Fertigungshalle der SIFF-Products schon l�ngst per Boten erhalten haben mu�, schlendert die blonde neue Auszubildende l�ssig ins Zimmer und fragt, wo sie denn die Essensmarken einl�sen k�nne. Dabei stolpert sie �ber das noch nicht ordentlich verlegte Computerkabel, was den Totalver-lust der noch nicht abgespeicherten Abrechnungsdaten zur Folge hat.
Wie zum Hohn knistern die frisch ausgeplotteten farbigen Vorentwurfsperspektiven der kommunalen Grundschule im Luftzug des ge�ffneten Fensters, als ihm sein eben etwas ver-sp�tet angehetzter Projektleiter mitteilt, da� in der gestrigen Stadtratssitzung das �ber einen Wettbewerb gegen 735 Mitbewerber europaweit hart erk�mpfte Projekt auf Antrag der Mehr-heitspartei Christlich Pensionierter Erzieher zugunsten eines Neubaus f�r ein Senioren-Fun-Center endg�ltig eingestellt wurde.
Anschlie�end f�llt eine Projektbesprechung zum Umbau des Landratsamtes den Rest des Tages. Dabei sitzt der freischaffende Architekt alleine mindestens einem Dutzend beamteter Planer gegen�ber. Jede Sparte hat mindestens drei �berwiegend schl�frig-desinteressierte Vertreter entsandt. Die Entscheidung f�llt schwer, ob die Waschbecken der Toiletten nur mit Kaltwasseranschl�ssen versehen werden sollen. Der Referatsleiter - ein Baudirektor glei-chen Semester unseres Architekten - bem�ht sich wortreich um Kollegialit�t. Lieber h�tte er, der seine Frustration als Architekt in seiner �ppig bemessenen Freizeit gelegentlich durch Wettbewerbsbeteiligungen bek�mpft, die Entwurfsvorschl�ge seines Gegen�ber grundle-gend aus seiner Sicht verbessert. Gegen f�nf Uhr kommt leichte Unruhe auf und die Sitzung kann stechuhrgenau geschlossen werden.
Gegen sechs zur�ck im Atelier kann der eigentliche Arbeitstag unseres Architekten begin-nen: Erst die viertelj�hrliche Mehrwertsteuererkl�rung � danach aber wieder an den Wettbe-werb. Dazwischen der �berraschende Anruf des Gesch�ftsf�hrers der Treu-Schau-Wem-Bau: Ob er denn bereit sei, auf eigenes Risiko und honorarfrei � w�rtlich f�gte er noch hinzu: �Wir sitzen doch alle im selben Boot!� - einen Bebauungsplan f�r eine Luxus-Wohnanlage mit 18-Loch-Golf-Court auf der Insel R�gen im Landschaftsschutzgebiet zu entwickeln. Im Ge-nehmigungsfall sei ihm der Planungsauftrag f�r 125 Wohneinheiten mit den Leistungsphasen 2 bis 4 nach HOAI bei Honorarzone III unten so gut wie sicher.
Der Architekt schluckte. Besser er n�hme sich selbst dieser heiklen Aufgabe an, als sie ir-gend einem Kollegen � wom�glich auch noch einem Ossi!- ohne Sinn f�r regionales Bauen zu �berlassen. Er versprach, sich gleich am Wochenende mit ersten Entw�rfen zu besch�fti-gen und strich im Geiste den seinen Kindern hochheilig versprochenen Fahrradausflug. An-schlie�end widmete er sich seinem Wettbewerb. Es wurde wieder sp�t.
Neben diesem nervenverschlei�endem Architektenalltag, der nur demjenigen �bertrieben erscheinen mag, dem nicht - wie zeitweilig auch mir selbst - dieser oder �hnlicher Irrsinn zum Alltag fernab einer w�nschenswerten Normalit�t geworden ist.
F�r die deutschen und die europ�ischen Architekten � im Zeitalter der globalen Markt-�ffnung aber auch f�r die Architekten in aller Welt � w�rden folgende Bedingungen der Berufsaus�bung als Normalit�t gelten:
- In aussichtsreichem Wettbewerb � ohne Diskriminierung oder Behinderung auch interna-tional - akquirieren zu k�nnen um mit langfristigem Auftragsbestand finanziell abgesichert zu planen.
- Eine hohe Kreditlinie oder gar eine Kapitaldecke f�r Aquisition und Investition zu erwirt-schaften.
- Langj�hrig t�tige und gut eingearbeitete Mitarbeiter mit ihrem Know-how halten zu k�n-nen.
- Fachlich kompetente junge Kollegen ohne erforderliche Nachausbildung von den Hoch-schulen �bernehmen zu k�nnen.
- Ausk�mmliches Honorar und damit Zeit f�r qualit�tvolle und gr�ndliche Planung zu ha-ben.
- Zeit f�r tiefgehende Fortbildung aber auch f�r rekreatives Nachdenken zu erm�glichen.
- Sich den Berufsaufgaben entsprechend politisch und berufspolitisch f�r die �res publica� einsetzen zu k�nnen.
- Am geistigen Wettbewerb im echten Leistungsvergleich statt im Gl�cksspiel der Massen teilzunehmen.
- Planung kompetent, unabh�ngig und nicht in Konkurrenz mit Bauausf�hrenden, Gene-ralunternehmern und Beh�rden durchf�hren zu k�nnen.
- Zu wissen und zu erfahren, da� Planungs- und Baukultur einen hohen Stellenwert im Selbstverst�ndnis von Politik und �ffentlichkeit einnimmt.
Diese Liste k�nnte fortgesetzt werden � sie ist weit von der Realit�t entfernt. Aber in ihr ste-cken bereits die zus�tzlichen Kompetenzbereiche, die sich die Architekten erarbeiten m�s-sen. Eine lautlose Revolution der Bedingungen des Berufsstandes ist seit bereits l�ngerer Zeit im Gange. Bedingungen, f�r die sich die Architekten oft erst noch Kompetenz erwerben m�ssen.
F�nf Bereiche davon m�chte ich schildern:
1. Revolution der Planungsmethoden
Heute ist es mit den elektronischen Medien m�glich, die Besprechungsergebnisse des Vor-abends �ber Nacht durch eine indische Partnerfirma � bei denen ist durch die Zeitverschie-bung w�hrend wir schlafen Tag! � ausarbeiten zu lassen und am n�chsten Morgen dem un-ter Druck galoppierender Zinsen stehenden Gro�investor und Bauherrn perfekt ausgedruckt zum Abnicken vorzulegen.
Eine glitzernde Welt der Perfektion kann besichtigt werden, bevor sie �berhaupt entsteht. Der Mensch, als m�glicherweise einziger St�rfaktor, erscheint auf allen Schaubildern mo-disch-frisch, neutral-sexy und nicht �ber drei�ig. Solange ist es �brigens her seit den Zeiten des klecksenden Graphos und der unverbindlicher 6B-Bleistiftskizzen, die weniger �ber den Bau und mehr �ber die zeichnerische Handschrift des Chefs etwas aussagten.
Die sachlich-sterilen Computergraphiken jedoch, mit ihren k�hlen Farben, strahlen etwas Definitives und Korrektes aus. Kein Hauch von etwa unzuverl�ssiger k�nstlerischer Phanta-sie. Darstellungen und Pl�ne, die absolut justitiabel erscheinen und in ihrer Perfektion Rechtssicherheit vermitteln wollen.
Das ist auch der erw�nschte Effekt, denn der Perfektion der Planung stehen bisweilen gera-dezu vorsintflutliche Zust�nde auf den Baustellen gegen�ber. Zwischen Planungs- und Aus-f�hrungsmethoden scheint sich ein un�berwindlicher Abgrund aufgetan zu haben.
Da die Rechtsprechung bei Bausch�den in der Regel auf angeblich fehlerhafte Planung zu-r�ckgreift, versuchen sich die Planer mit perfekter Planung, endlosen Besprechungsprotokol-len und Tausenden von Aktennotizen abzusichern. Jeder Planer wei� genau, da� Pl�ne auf den Baustellen nicht entfaltet und Schriftst�cke nicht gelesen werden. Aber diese vielfach sinnlose Papierflut dient der eigenen Absicherung. Das Ziel, ein fehlerfreies Werk zu erstel-len, in dem die Planung ein Teil des Weges dorthin ist, reduziert sich darauf eine fehlerfreie Planung abzuliefern � danach die Sintflut.
Die Revolution der Planungsmethoden hat l�ngst stattgefunden -
eine Revolution der Baumethoden jedoch scheint nicht in Sicht.
Hier soll nicht die solide Arbeit vieler Baufirmen und Handwerksbetriebe �bersehen werden. Auch nicht die zukunftsorientierten Systeme einiger weitsichtiger Produktenhersteller der innovativen Bauindustrie - vor allem in der Geb�udetechnik und im Fassadenbau. Aber w�h-rend wir einen �berflu� an mehr oder weniger qualifizierten akademisch ausgebildeten Pla-nern haben, fehlt ein breiter handwerklich qualifizierter Mittelstand im Baugewerbe. In Bayern gibt es z.B. derzeit mehr Architekturstudenten als Lehrlinge im Maurerhandwerk.
Ein Ergebnis v�llig verfehlter, die Handarbeit diffamierender Ausbildungspolitik.
2. Auf dem Gebiet der Ausbildung, das doch die Kompetenzen erweitern sollte, ist kei-ne Revolution in Sicht. Aber gerade dort sind grundlegende Ver�nderungen n�tig.
Eine akademische Laufbahn sollte nur noch einer sorgf�ltig ausgew�hlten Elite offenstehen. Auf dem Bau und in der Bauindustrie fehlen uns vielfach die erstklassigen Mitarbeiter, die durch falschen Ehrgeiz zu zweitklassigen und allzuoft arbeitslosen Soziologen, Politologen, Psychologen und Architekten werden.
Die Qualit�tsmisere am Bau resultiert aus dem Mangel an hochqualifizierten Fachkr�ften, dem ein durchschnittlich mittelm��ig qualifiziertes aber riesiges Heer an Planern gegen�ber-steht. Zwischen beiden im Schnitt unterqualifizierten Berufsgruppen fehlt zudem noch der Erfahrungsaustausch und der Wille sowie die M�glichkeit zur Teamarbeit.
Im �brigen sollte niemand zum Architekturstudium zugelassen werden, der nicht eine be-standene Gesellenpr�fung in einem Bauhandwerk vorweisen kann.
Es geht allerdings darum falsche Berufsbilder zu korrigieren. Arbeit am Bau, in der Bauin-dustrie ist keine stupide Maloche aus Ziegelsteinschleppen und Betonmischen. Die Bauin-dustrie eines Hochtechnologiestandortes wie der Bundesrepublik kann in Zeiten grenz�ber-schreitender Arbeit, Firmenkonzentration im Zeichen der Globalisierung und Know-how Transfers nur konkurrenzf�hig bleiben, wenn ein radikales Umdenken in der Methodik und im Zusammenwirken der Gewerke erfolgt.
3. Zur Ver�nderung der Baumethoden
Wie schon erw�hnt gibt es auch in der innovativ arbeitenden Bauindustrie High-Tech-Systeme von hoher Qualit�t. Was meist fehlt, ist die Kompatibilit�t dieser Bausystheme un-tereinander, damit ihre kompetente Verkn�pfung durch den Architekten zu einem gesamten in Methode und Ablauf stimmigen Organismus des Geb�udes m�glich wird. Den Planern steht dabei noch die Verpflichtung zur produktneutralen Ausschreibung im Wege. Eine intel-ligente Verkn�pfung m�glicher kompatibler Bausysteme � so sie denn auf dem Markt ange-boten w�rden! � ist f�r die verschiedenen Bauteile so schon vom Ansatz her nicht m�glich.
Auch die ausschlie�liche Betrachtung der reinen Investitionskosten bei der Kostenberech-nung eines Bauwerkes vermittelt ein falsches Bild. Die Nutzungsdauer mit den dazugeh�ri-gen Betriebskosten, die Kosten f�r den R�ckbau des Geb�udes und schlie�lich die umwelt- und ressourcenrelevanten Globalkosten f�r die Verwendung bestimmter Materialien w�rden ein ganz anderes Bild von den individuell und gesamtgesellschaftlich zu ber�cksichtigenden Kosten ergeben.
Unter diesen Gesichtspunkten m��ten in sich geschlossene aber auch untereinander kom-patible Bausysteme entwickelt und von daf�r kompetent ausgebildeten Architekten verwen-det werden k�nnen um die aus ihnen konstruierten Geb�ude nicht nur als geldwertm��ig abzuschreibende sondern als wirklich nachhaltige Investitionen zu planen.
Bauen ist keineswegs eine Privatangelegenheit sondern pr�gt den �ffentlichen Raum, das �ffentliche Bewu�tsein und die �ffentliche Meinung. Gemeinhin wird nur dem �sthetischen Erscheinungsbild dieser Einflu� zugebilligt.
Mit der heutigen Erkenntnis der Unwirtlichkeit unserer St�dte, des Verlustes an freier Land-schaft, der Verschwendung von Energie und Ressourcen sind Baumethoden, die sich aus-schlie�lich �ber die reinen Baukosten definieren, gesamtgesellschaftlich nicht mehr zu ver-antworten. Architektur ist mehr als die Summe der gebauten Teile � sie schafft einen Mehr-wert, der sich in der Gestaltung, der Sch�nheit, dem Wohlbefinden und der Lebensqualit�t ausdr�ckt.
Neue Baumethoden, kompatible Konstruktionssysteme und industrialisiertes Bauen auf ho-hem fertigungstechnischen Niveau m�ssen neben den vorher beklagten Ausbildungsstand der Arbeitskr�fte auf den Baustellen auch diese ver�nderte Kostenbetrachtung einbeziehen.
Faktoren wie die Kreislaufwirtschaft der Materialien, die Wiederverwendbarkeit nach dem Abbau auch in anderer Form, die einfache und kosteng�nstige Reparaturm�glichkeit und die Verringerung des Verbrauchs an Prim�renergie und die Vermeidung Emissionen, vor allem von CO2, m�ssen die heutigen Baumethoden ebenso revolutionieren, wie die k�nftig unab-dingbare Kompatibilit�t intelligent aufeinander abgestimmter Bausysteme. Hier mu� auch die Bauforschung in Zukunft eine umfassendere Rolle spielen und entsprechend kompetent ausgebildete Architekten einbeziehen.
4. Ver�nderte Investitionsbedingungen und Verlust des Bauherren
Da ist zum einen der Bauherr, der f�r sich selbst baut und an einer langen wirtschaftlichen Lebensdauer seines Geb�udes interessiert ist. Wenn er zudem in �ffentlich bedeutender Position ist oder sich seinem Ansehen (im wahrsten Sinne dieses Wortes!) verpflichtet f�hlt, bem�ht er sich �berdies um Gestaltqualit�t. Architektur ist das Ergebnis.
Aber der Architekt hat immer seltener noch einen pers�nlich verantwortlichen Bauherrn vor sich. Gremien mit wechselnder Besetzung und nicht mehr personenbezogener Verantwor-tung haben den Bauherren abgel�st. Bautr�ger unterschiedlichster Art bauen f�r ihnen noch unbekannte Nutzer.
Aber auch dem Bautr�ger ist die Gestaltqualit�t als Verkaufsargument nicht ganz unwichtig. Sie darf aber nicht teuer zu Buche schlagen und mu� zusammen mit den �brigen Konstruk-tionen und Materialien zumindest die Gew�hrleistungsfristen �berstehen und in dieser Zeit auch f�r die findigsten Rechtsanw�lte der K�ufer unangreifbar sein. Danach die Sintflut und das Geld der K�ufer.
So widersinnig das klingt: Das Geld der K�ufer ist ein Problem. Ein weltweites Problem. Ar-beitspl�tze fehlen allerorten � aber an Kapital ist kein Mangel. In Zeiten der Globalisierung suchen weltweit riesige virtuelle Kapitalstr�me nach Realisierung, nach Anlage in Immobi-lien.
Dabei findet eine Revolution der Investitionsbedingungen f�r Bauherren statt.
Das anzulegende Kapital hat den Bauherren dritter Hand geschaffen: Die gro�en Geldinstitu-te sind der Bauherr ersten Grades, obwohl sie nur im Bereich der Finanzierung auftreten. Mit diesem Geld treten gro�e Baufirmen, Investmentfonds und Investoren mit Fremdmitteln als Bauherren zweiten Grades auf. Der Bauherr dritten Grades, derjenige, der das wirkliche Geld durch seine berufliche T�tigkeit verdient, ist der K�ufer oder besser der Anleger, der nur in seltenen F�llen die zur Geldanlage erworbene Immobilie selbst nutzt.
Der K�ufer zahlt die Zeche gewisserma�en zweimal: Er kauft, um sein virtuell auf dem Konto befindliches Geld zu realisieren, es zu Verzinsen � wenn auch schlecht auf dem Immobi-lienmarkt, aber vermeintlich sicher, da sichtbar und wiederverk�uflich � und zahlt zum zwei-tenmal f�r Instandhaltung wegen minderwertiger Qualit�t. Die Verzinsung wird zur Verlust-zuweisung, was weiteres Geldverdienen voraussetzt. Ein Kreislauf, der weder dem Bauher-ren dritten Grades noch der Architektur und der gebauten Umwelt Vorteile bringt.
Wer einmal Shanghai mit den gro�enteils leerstehenden Investitionsimmobilien gesehen hat, wei� wovon die Rede ist, wenn ein st�dtebauliches Endzeitszenario geprobt wird. Spekulati-ve Gro�objekte minderer Qualit�t haben in �konomisch, �kologisch, sozial und kulturell un-vertr�glicher Art und Weise die Stadt eingenommen und zum gro�en Teil zerst�rt.
Die internationale Kapitalverwertung mit den global players der Bauindustrie sind die eigent-lichen Akteure � aber Bauherren? - die erwarteten K�ufer sind die �Verbraucher� �aber Bau-herren? - und die Architekten? - am Rande ziemlich unwichtige Dekorateure inmitten einer Revolution ihrer Berufsbedingungen.
5. Die Globalisierung der Dienstleistungsm�rkte f�hrt zu tiefgreifenden Ver�nderungen der Berufsbedingungen.
Die Architektent�tigkeit wurde in der Vergangenheit traditionellerweise lokal oder regional ausge�bt. Das erkl�rt auch die Berufsstandsstruktur in Deutschland mit der gro�en Zahl von pers�nlich gef�hrten kleinen B�ros. Ausnahmen waren nat�rlich die Gro�b�ros, die Gewin-ner von gro�en Wettbewerben oder die Kollegen mit den gro�en Namen, denen spektakul�-re Auftr�ge national und international angeboten wurden.
Auftr�ge entstanden meist aus einem ebenfalls an die Person gebundenen Beziehungsge-flecht in der Kommune oder Region. Erwartet wurde vom Architekten die pers�nliche Pr�-senz f�r den Bauherrn, im Einsatz f�r seine Projekte bei den Beh�rden und bei der Betreu-ung der Baustellen. Unerwartet auftretende Schwierigkeiten � geradezu ein Kennzeichen des Berufsalltags im Architekturb�ro � konnten so rasch bearbeitet und die notwendigen Entscheidungen umgehend verantwortlich mit einem ebenfalls meist pers�nlich handelnden Bauherr getroffen werden.
Auch wenn die meisten der Architekturb�ros noch so arbeiten m�gen und diese Pr�senz von den Auftraggebern erwartet und gesch�tzt wird, haben sich vor allem die Bedingungen der Auftragsvergabe grundlegend ver�ndert.
�ffentliche Auftr�ge ab einer bestimmten Gr��enordnung m�ssen europaweit in bestimmter Methodik ausgeschrieben werden. Dabei m�ssen weitere Signatarstaaten der GATS-Vertr�ge und L�nder der EFTA, des europ�ischen Handelsraums einbezogen werden. Vor-aussetzung f�r eine reibungslose Ausf�hrung dieser Auftr�ge ist die europaweit geltende gegenseitige Anerkennung der Berufszulassungen, die Niederlassungsfreiheit und das Ver-bot jeglicher Diskriminierung von Architekten der einbezogenen L�nder.
Aber auch �ber die EU hinaus haben sich die M�glichkeiten grenz�berschreitender Arbeit f�r die Architekten erheblich verst�rkt. Dies ist vor allem auf die vorher schon erw�hnten Anfor-derungen des Kapitalmarktes und die immer mehr international t�tigen gro�en Baufirmen � die global players � zur�ckzuf�hren.
Wer die Wirtschaftspolitik der Europ�ischen Kommission verfolgt, dem wird nicht entgangen sein, da� diese auf den Abbau aller Wettbewerbshemmnisse - also auch auf die Deregulie-rung z.B. berufst�ndischer Sonderrechte � und auf den Schutz der Verbraucher gerichtet ist.
In diesen beiden Zielen liegt die gesamte Problematik der Revolution der Berufsbedingungen f�r Architekten und Planer nicht nur in der Europ�ischen Union sondern im Rahmen der Glo-balisierung, d.h. den weltweit freien Austausch von Waren, Produkten und Dienstleistungen.
Architekten sind Dienstleiter, denen einerseits der freie und faire Wettbewerbsbedingungen europaweit und im Rahmen der GATS-Verhandlungen weltweit erm�glicht werden sollen - vor deren m�glicherweise mangelhaften Leistungen andererseits aber auch der Verbraucher gesch�tzt werden soll.
Das bedeutet, da� zum einen staatliche Regulierungen, wie zum Beispiel die Geb�hrenord-nung f�r Architekten und Ingenieure HOAI nicht zu halten sein werden und da� andererseits das besondere Angebot freiberuflicher Leistungen, der geistige Wettbewerb, im Gegensatz zu fertigen Produkten in angemessener Weise so gesch�tzt werden mu�, da� eine hohe Qualit�t dieser Leistungen, die nicht ausschlie�lich auf wirtschaftlich-materiellem Wettbe-werb beruhen d�rfen, f�r den Verbraucher, den Kunden, den Bauherrn sichergestellt wird.
Wie stellen sich die Architekten auf diese Ver�nderungen ihrer Berufsbedingungen ein?
Nach der vorletzten GATS-Runde hat die internationale Architektenschaft � vertreten durch die Union Internationale des Architectes UIA � eine entsprechende Anregung der Welthan-delsorganisation WTO aufgenommen und begonnen, ein Abkommen, den Accord of Interna-tional Professional Standards for Architects� �ber international g�ltige Berufsgrunds�tze aus-zuarbeiten.
Der �Accord� ist das Ergebnis von Verhandlungen der Architektenvertreter aus �ber 110 Na-tionen �ber gemeinsam anerkannte Grundlagen der Berufsaus�bung von der Ausbildung von Architekten, deren Berufszulassung, deren Qualifikation, ihren Leistungen und Verhalten bis hin zu den Arbeitsbedingungen und Kooperationen in einem fremden Land. Der �Accord� wurde inzwischen der Welthandelsorganisation WTO vorgelegt und geht in die n�chste GATS-Runde ein.
Internationale Wettbewerbe au�erhalb der EU, f�r welche die Europ�ische Dienstleistung-sordung gilt, werden �ber die UIA /UNESCO Richtlinien ausgelobt.
Die Architekturschulen sollen k�nftig �ber die UIA UNESCO Charta validiert und akreditiert werden k�nnen.
Nachdem sich die UIA �ber viele Jahrzehnte �ber alle Grenzen und Ideologien f�r die Bau-kultur eingesetzt hat, sieht sie derzeit ihre Aufgabe vor allem darin, w�hrend der Globalisie-rung den Architekten berufspolitisch geregelte Arbeitsbedingungen zu verschaffen und dem �Verbraucher�, alias Bauherrn, gleichm��ig qualifizierte Voraussetzungen des Berufsstandes nachzuweisen.
Es ist einleuchtend, da� es dabei k�nftig keine nationalen berufsst�ndischen Reservate mehr geben kann, da� die Konkurrenz gr��er, international und qualifiziert sein wird � da� aber die Chancen grenzenlos Auftr�ge zu erhalten und auszuf�hren so gro� werden wie noch nie zuvor.
10 Fragen, denen sich die Architektenschaft stellen mu�
Die Architektenschaft � national und international - mu� angesichts dieser Revolution der Berufsbedingungen �berpr�fen, ob ihre bisherige Form der Berufsaus�bung daf�r geeignet ist unter den neuen Bedingungen zu bestehen:
- Ist die derzeitige Ausbildung noch dazu geeignet, den Architekten zu einem anerkannten Spezialisten f�r das Ganze werden zu lassen?
- Sind die Architekten mit ihrer heutigen Kompetenz und ihren B�rostrukturen noch in der Lage ganzheitliche Architektenleistungen von der Finanzierungsberatung, �ber Entwurfs- und Wirtschaftlichkeitsvarianten, mit qualifizierter Werk �und Detailplanung einschlie�lich Bau�berwachung bis hin zum Facility Management und der Geb�udeverwaltung zu �-bernehmen?
- K�nnen es Architekten k�nftig verantworten weiter Auftr�ge zu �bernehmen, bei denen sie nur Teilleistungen bearbeiten?
- Wie sollen es die Architekten mit der Trennung von Planung und Ausf�hrung halten?
- Kann sich der Architekt eine Kapitaldecke jenseits seiner Projekthonorare f�r aufwendige internationale Bewerbungsverfahren beschaffen?
- Werden die Architekten ohne staatlich garantierte Geb�hrenordnung in der Lage sein, ihren Bauherren transparente Honorarberechnungen in Verbindung mit nachvollziehba-ren Leistungen akzeptabel anzubieten?
- Werden es sich die Architekten k�nftig leisten k�nnen in Kohortenst�rke, an offenen, nicht honorierten und anonymen Wettbewerben als Regelverfahren teilzunehmen?
- Eine Frage gilt weltweit: Kann es sich der Berufsstand k�nftig leisten, da� es m�glicher-weise nicht zu viele aber bestimmt zu viele inkompetente Architekten gibt?
- Wird es gelingen, den Wert der Baukunst f�r den �ffentlichen Raum, das kulturelle Selbstverst�ndnis, den sozialen Zusammenhalt und den Schutz der gebauten und nat�r-lichen Umwelt im �ffentlichen Bewu�tsein so zu verankern, da� sie k�nftig die entspre-chende politische F�rderung und Unterst�tzung erh�lt?
- K�nnen im politischen Raum M�glichkeiten entwickelt werden, die besonderen Bedin-gungen des geistigen Wettbewerbs gegen�ber dem reinen Preiswettbewerb im Bauen so herauszustellen, da� �ber die Vergabe von Bauleistungen nach architektonischer und nicht allein nach �konomischer Qualit�t entschieden wird?
Bei der Beantwortung dieser Fragen mu� es allgemein anerkannter politischer Grundsatz werden, da� Planen und Bauen nicht nur vom Denken in Mengenger�sten abh�ngig sein kann, sondern da� Qualifikation und Qualit�t statt vordergr�ndig wirtschaftlich erscheinender Quantit�t die Voraussetzung f�r Stadtplanung und Architektur in einer immer enger werden-den und vernetzten Welt von heute und morgen sein m�ssen.
Die Revolution fri�t ihre Kinder � wer bleibt �brig?
Welche Arten der Berufsaus�bung werden mit der Revolution der Berufsbedingungen f�r Architekten und Planer voraussichtlich �brig bleiben? Sicherlich wird es f�r alle jetzigen For-men der Berufsaus�bung �berlebensnischen geben � sie sind aber keine �berlebensgaran-tie, schon gar nicht zukunftstr�chtige Felder der Berufsaus�bung
Die nachfolgenden Modelle sollen zehn der zuk�nftigen T�tigkeitsfelder f�r Architekten und Planer unter den vorher geschilderten Ver�nderungen skizzieren:
1. Der Regionalarchitekt
Das ist der eher freundliche Ausdruck f�r den Planer, der seine Nische als �Unser Mann der alles kann� im kommunalen und regionalen Umkreis als Drei-Mann-B�ro gefunden oder ver-teidigt hat. Auf medizinischer Seite w�re er der Landarzt, der auch noch Hausbesuche macht. Unverzichtbar f�r viele Aufgaben, die es aber nicht mehr im bisherigen Umfang ge-ben wird, so da� auf den Gro�teil der 80% deutscher Kleinb�ros verzichtet werden mu�. Der Regionalarchitekt wird entweder nicht genug Auftr�ge haben oder sie nicht schaffen.
2. Der Spezialist f�r An- und Umbau
Schon heute bestehen �ber die H�lfte der Bauf�lle aus Erweiterungen, Umnutzungen, Um-bauten, Renovierungen oder Erhaltungsma�nahmen. Allein im Rahmen der neuen Energie-einsparverordnung EnEV werden 24 Millionen Wohnungen in Deutschland w�rmetechnisch zu Sanierungsf�llen. F�r Bauherren mit Renovierungsauftr�gen ist es schwierig unter den bisher auf Neubauten fixierten Architekten qualifizierte Partner zu finden.
F�r diese Aufgaben m�ssen Architekten neue Leistungsformen anbieten. Grundvorausset-zung ist die st�ndige pers�nliche Pr�senz f�r Beratung, Entscheidung und auf der Baustelle. Der Anteil der Planungsarbeit wird gegen�ber der Bau�berwachung sinken. Gro�e Zukunft wird die dauernde Zusammenarbeit mit gleichbleibenden bew�hrten Ausf�hrungsfirmen und einem festen Handwerkerstamm als Bauteam haben.
Die finanziellen und organisatorischen F�higkeiten vorausgesetzt wird der Architekt dabei als General�bernehmer hervorragende Chancen haben.
3. Der Facility Manager
Die Klagen der Hausverwaltungen keine kompetenten Architekten f�r den st�ndigen Bauun-terhalt zu finden sind nicht mehr zu �berh�ren. Dabei sind die Existenzm�glichkeiten f�r Pla-nungsb�ros auf diesem j�hrlich milliardenschweren Markt mit steigender Tendenz hervorra-gend und besonders f�r Kleinb�ros in der Umorientierung auf neue T�tigkeitsfelder geeignet.
Der Leistungsbereich des Bauunterhalts ist vor allem technologisch, wirtschaftlich und auch wissenschaftlich im Sinne des Facility Managements ausbaubar: Berechnungen �ber bau-physikalisches, funktionelles und wirtschaftliches Verhalten zur Lebensdauer eines Geb�u-des m�ssen aus der Bauunterhaltspraxis k�nftig verst�rkt in die Neu- und Umbauplanung einflie�en und werden diese entscheidend beeinflussen (Stichwort: Energiepass). Dazu ge-h�rt auch ein wissenschaftlich gef�hrtes Datenmanagement.
4. Der Koordinator
Obwohl sich der Architekt als der Spezialist f�rs Ganze versteht und dabei selber nicht alles erforderliche Spezialwissen anbieten kann, ist er doch h�ufig nicht zur notwendigen fach-�bergreifenden Koordination und zur F�hrung eines entsprechenden Teams bef�higt. Part-nerschaften vor allem junger Architekten gehen nur in seltenen F�llen lange gut, da sie meist nicht arbeitsteilig geschlossen werden sondern sich die Beteiligten konkurrierend auf den gleichen Feldern tummeln.
Gerade von den Kleinb�ros m�ssen aber - wenn sie erfolgreich und zukunftsorientiert �ber-leben wollen � akquisitions- und auftragsbezogen Kooperationsmodelle entwickelt und an-geboten werden, die sie zu gr��erer Flexibilit�t bef�higen. Wer sagt denn, da� nur gro�e Firmen in den Zeiten der Globalisierung eine Chance haben? Im Gegenteil, gerade die fall-weise gut einge�bte Kooperation kann bei weniger b�rokratischem Verwaltungsaufwand zu mehr projektbezogener kreativer Effizienz f�hren ohne da� in Zeiten der Flaute ein kostspie-liger Apparat vorgehalten werden mu�.
5. Der Forscher und Systementwickler
Zukunftsorientierte T�tigkeit f�r Architekten, die nicht selber bauen. Da� Bauforschung in einem High-tech - und exportorientiertem Land wie der Bundesrepublik ein ausgesprochenes Stiefkind ist grenzt geradezu an Selbstmord im Bauwesen. Mittel der Industrie, der Bundes-regierung� und der Europ�ischen Union warten auf intelligenten Abruf f�r innovative System- und Produktentwicklungen. Staatliche oder Hochschulinstitutionen erweisen sich als unf�hig oder zu schwerf�llig, die Industrie tritt eher als Sponsor denn mit eigenen Entwicklungsabtei-lungen auf.
Hier tut sich ein enwicklungsf�higes und �u�erst wichtiges Arbeitsfeld f�r kreative Architek-ten auf, die am konstruktivem und ingeni�sem Denken f�r Systeml�sungen, Funktionsabl�u-fen und Materialf�gungen interessiert sind.
6. Der Wettbewerbsarchitekt
Entwurfsbesessene, immer sehr junge Architekten, die nicht selber bauen wollen. W�rden sie sich n�mlich mit ihren spektakul�ren aber h�ufig unbaubaren Entw�rfen in der Durchf�h-rung herumschlagen m�ssen, w�rde ihr Schwung erlahmen oder sie sind aus dem Alter raus. Ausnahme: der Stararchitekt.
Auch in Zukunft werden junge hochbegabte Entwurfsarchitekten sich in Wettbewerben mit unbezahlter risikoreicher Arbeit verschlei�en. Warum sollten sie dies nicht in daf�r speziali-sierten B�ros in Kooperation mit den durchf�hrungserprobten Gro�firmen tun, die einen Teil ihres Aquisitionsbudgets f�r sie ausgeben und von den Ergebnissen profitieren?
7. Der Generalplaner
Jeder Bauherr oder Auftraggeber m�chte eigentlich nur einen Ansprechpartner. Er hat einen tiefsitzenden Horror davor, in Haftungsabw�gungen zu Planungsfehlern zwischen Architekt und Statiker zu geraten oder Koordinierungsaufgaben zwischen Vermessungsingenieur und Bodengutachter wahrzunehmen. Der Abschlu� von Vertr�gen mit drei Architekturb�ros (Hochbau, Inneneinrichtung, Landschaftsgestalter) und siebzehn weiteren Ingenieurb�ros verursacht ihm weitere Anwalts- und Verwaltungskosten, deren Sinn er nicht erkennen mag.
Der kompetente und managementbewu�te Architekt als Spezialist f�rs Ganze nimmt ihm k�nftig diese Arbeit ab, ist der einzig Verantwortliche f�r die Planung und sorgt f�r die Kon-trolle und �berwachung der Ausf�hrung im traditionellen Dreieck Bauherr / Planer / Unter-nehmer.
Hier liegt die Zukunft darin, eine Bauaufgabe in allen Leistungsphasen und dar�ber hinaus ganzheitlich zu bearbeiten und zu verantworten. Als Generalplaner hat der Architekt die gro-�e Chance, bereits verlorengegangene Kompetenz zur�ckzugewinnen.
8. Das Gro�b�ro
Nicht mehr an die pers�nliche Verantwortung eines freiberuflichen Architekten gebunden, als GmbH, AG oder anderer juristischer Person hat das Gro�b�ro wom�glich mehrere Nieder-lassungen. Die Pers�nlichkeit des Architekten als B�roinhaber wird durch ein Corporate I-dentity, die Duftmarke des Hauses ersetzt. Hervorragende Gebrauchsarchitektur f�r eine gleichbleibende und zufriedene Gro�kundschaft ist das Ziel.
Diese B�roform wird neben den nach Bedarf einzufliegenden Stararchitekten in Kooperation mit einem lokalen Kollegen als einzige f�r die Strategie dauerhafter internationaler Arbeit geeignet sein. Die enge Zusammenarbeit mit Banken und global players der Bauindustrie sorgt f�r die notwendige Unterst�tzung kapitalintensiver Aquisition und Planungsvorl�ufe, ohne die ein Gro�b�ro nicht gehalten werden kann.
9. Das Consultingb�ro
Auch diese B�ros �bernehmen keine Bauaufgaben. Ihre Vertrauensw�rdigkeit besteht eben gerade darin, nicht an der Aquisition eines m�glichen Auftrages interessiert zu sein sondern den Kunden darin zu beraten, ob er �berhaupt bauen soll, oder leasen, outsourcen, umbau-en, kooperieren. Das Consultingb�ro weist auf Planungsverfahren hin, bereitet sie vor, ver-mittelt geeignete Planer und ber�t in den Bauherrenfunktionen aber auch �ber die Qualit�t von Architektur.
Der Inhaber eines Consultingb�ros mu� �ber eine breite und solide Kenntnis aller Faktoren im Baubereich verf�gen. Er ist kein Makler!
10. Der Architekt als Unternehmer
Diese Form der Berufsaus�bung hat alte Tradition in den Bauh�tten und der T�tigkeit der fr�heren Baumeister. Alles in der Hand eines Unternehmers, der sein Produkt auf dem Markt anbietet. Sein Erfolg h�ngt vom Preis und der Qualit�t ab, alles Risiko liegt bei ihm. Der Ar-chitekt als Bautr�ger ist nicht neu und setzt neben den unternehmerischen F�higkeiten Kapi-tal oder wenigstens eine entsprechende Kreditlinie voraus.
�brigens arbeitete der bedeutendste amerikanische Architekt, Frank Lloyd Wright, gelegent-lich auch als Unternehmer. Daf�r hatte er nie Architektur studiert.
Und au�er Konkurrenz:
Der Architekt als K�nstler
Wird heute gerne als Stararchitekt bezeichnet. Ihn wird es � siehe Frank Lloyd Wright � im-mer au�erhalb der normalen Berufsbedingungen geben. Er jettet zu seinen Baustellen auf allen Kontinenten. Manchmal f�llt er tragischerweise vom Ger�st, (Beispiel Carlo Scarpa in Japan) meistens aber realisiert er als eine Art unbestrittener Heilsbringer Projekte, an denen vor ihm alle einheimischen Matadore gescheitert sind (Beispiel Richard Meier in Ulm) , da Widerspruch oder gar Kritik politisch nicht korrekt und sowieso zwecklos ist.
Der Stararchitekt bem�ht sich allen Klischees �ber die Zunft zu entsprechen und sorgt daf�r, da� der Berufstand in den Charts ganz oben ist (z.Zt. an zweiter Stelle nach den Journalis-ten). F�r ihn gibt es keinen Studiengang. Den braucht er eigentlich auch nicht, da er sowieso selber unterrichtet und sich jede Menge studierter Architekten in seinem Atelier arbeiten wol-len. Auch umsonst.
Der Stararchitekt geh�rt zu den H�chstbegabten, den Marketing- und Publicitywundern, den Markenzeichen, Trendsettern und Interviewpartnern. Auch wenn es noch einige unentdeckte K�nstlerarchitekten gibt, so brauchen wir uns doch um ihn keine Zukunftssorgen machen � allenfalls um seine Bauherren. Aber: mehr als ein gutes Dutzend davon wird es gleichzeitig nie geben.
... eigentlich m�sste es noch dringend eine weitere Planerzukunft geben
Der politisch orientierte Stadtplaner.
Also derjenige, der im Auftrag der Stadt- und Gemeindeparlamente die Perspektiven der Stadtentwicklung pr�gt und im politischen Raum vertritt.
Fr�her war dies der Stadtbaurat. Aber in den vergangenen Jahren sind die Stadtbaur�te im-mer mehr von der politischen B�hne verdr�ngt worden. Die Verwaltungsroutine hat man ih-nen gelassen, die M�glichkeiten f�r Visionen im �ffentlichen Raum genommen. Je mehr die �ffentlichen Angelegenheiten, die res publica, privatisiert wird, je �fter die uns alle betreffen-den st�dtebaulichen Entwicklungen den Wirtschaftlichkeitsberechnungen privater Investoren �berlassen werden, desto pessimistischer m�ssen die Aussagen �ber die Zukunft einer de-mokratischen Stadtplanung und der f�r sie t�tigen Personen werden.
Dennoch: eine Zukunft f�r die Stadtplanung als �ffentliche Angelegenheit!
Sie ist die Voraussetzung f�r Baukunst, Stadtbaukunst und Architektur.
Schlu�bemerkung
Eigentlich k�nnten uns die Berufsbedingungen der Architekten und der Planer gleichg�ltig sein -�solange noch Stadtbaukunst und Architektur entsteht, die diese Bezeichnung verdient.
Jahrhundertelang sind aus einfachen Handwerkern bedeutende Architekten geworden (Pal-ladio war Steinmetz, Borromini Maurer und Michelangelo Maler, Dichter und Bildhauer), jahr-hundertelang gab es keine Architektenlisten und die Bezeichnung Architekt durfte auch ohne Abstrafung durch die Architektenkammern wegen fehlender Studienabschl�sse und Prakti-kumszeiten gef�hrt werden ohne da� all die Scheu�lichkeiten heutiger Vorst�dte, die Zerst�-rung der Innenst�dte und die Zubetonierung ganzer K�stenstreifen entstanden sind.
Aber die �konomischen, �kologischen sozialen und vor allem die kulturellen Bedingungen des Bauens haben sich grundlegend ver�ndert. Das Hauptproblem der heutigen Menschheit ist die gro�e Zahl bei gleichem Umfang des Globus. Wenn die Globalisierung nicht mit einer Umweltkatastrophe enden soll, wenn die n�chste und �bern�chste Generation nicht nur ein-fach �berleben sondern auch noch etwas zu lachen haben soll, dann m�ssen wir mit den uns heute zur Verf�gung stehenden einzigartigen Planungsmethoden etwas daf�r tun.
Wir sollten es diejenigen tun lassen, die mit diesen Methoden umzugehen gelernt haben und sich trotzdem die Freiheit ihres Gewissens und ihrer Verantwortung so bewahrt haben, da� sie manches nicht nur nicht tun, sondern auch nach Kr�ften zu verhindern wissen.
Die Architekten sollten dazugeh�ren.
Alpbach, 17. August 2002
Alpbacher Architekturgespr�che 020802.doc