Dolomiten Baukultur Oktober 2007
Landschaft braucht eigentlich keine Planung solange sie eine unber�hrte Naturlandschaft ist. Sobald jedoch der Mensch mit Landwirtschaft, dem Bau von H�fen, D�rfern und St�dten eingreift, wird aus der Naturlandschaft eine Kulturlandschaft � bestenfalls. Die muss aber sorgf�ltig geplant werden.
Den Beruf des Landschaftsplaners gibt es eigentlich erst seitdem unsere Landschaften verplant, zersiedelt und zerst�rt werden. Vorher waren es Baumeister und G�rtner, welche Parks und G�rten anlegten, auch solche, welche weit in die Landschaft ausgriffen wie die englischen G�rten, die franz�sischen Parks und die italienischen Villen. Heute brauchen wir Landschaftsplaner um die Sch�den abzumildern und �ein-zugr�nen� die wir mit unserem hemmungslosen Landschaftsverbrauch f�r Gewer-be�parks�, Verkehrsbauwerke, vorst�dtische und l�ndliche Siedlungen anrichten. Von �Kulturlandschaften� sind wir dabei inzwischen weit entfernt und schon froh, wenn die schlimmsten baulichen Ausw�chse hinter meterhohen, stahlmattenbewehrten und mit Rollrasen �berzogenen Erdw�llen verschwinden wie derzeit im Eisacktal bei Mauls oder entlang der Autobahnausfahrt S�d bei Brixen. Dass die Landschaft durch diese Kunstbauten sch�ner w�rde kann niemand behaupten, aber vielleicht schl�ft es sich wenigstens ruhiger dahinter. Und das Gewissen derer wird beruhigt, die das zun�chst verursachen was diese �gr�nen Feigenbl�tter� erst erforderlich macht.
Wie es aber ganz ohne Gr�n aussieht, das k�nnen wir allerorten in vorst�dtischen Bereichen und an den Ortsr�ndern beobachten. Zum Beispiel wieder in Brixen, der �ltesten Stadt Tirols mit einer herrlichen Altstadt, die so gut gehalten ist, dass B�ume nur am Rand der ehemaligen Stadtmauern und in den ehemals f�rstbisch�flichen G�rten sich in das Stadtbild gut einf�gen. Sonst ist es besser, die sch�nen Fassaden der B�rgerh�user f�r sich wirken zu lassen. Die d�rftigen japanischen Kirschb�ume und Pflanzbecken auf dem Domplatz beweisen vielmehr, dass falsch gew�hltes Gr�n solche starken st�dtischen Raumwirkungen auch abwerten kann. Ganz anders sieht es dagegen bei den in den letzten Jahrzehnten entstandenen Ortseing�ngen der e-hemaligen Bischofsstadt aus. Anscheinend planlos haben sich im Norden und S�den Brixens Gewerbegebiete ausgebreitet zwischen deren heterogenen Architekturen � soweit der Begriff Architektur f�r die meisten dieser Nutzcontainer �berhaupt ange-bracht ist! � sich asphaltierte Abstellfl�chen ausdehnen, �de und ohne �st�rendes� Gr�n. Wer die sch�ne Altstadt noch nicht kennt wird sich beeilen diese Gewerbesteppen so rasch wie m�glich hinter sich zu lassen.
Was k�nnte Landschaftsplanung hier bewirken um solche Stadteing�nge, die es so nicht nur in Brixen gibt, einladender zu gestalten? Zun�chst einmal Gr�nordnungs-pl�ne welche die Masterpl�ne f�r solche Gewerbegebiete zwingend erg�nzen m�ss-ten. Erst mit einer sorgf�ltig geplanten Durchgr�nung k�nnte der Begriff �Gewerbe-park� mit echtem Sinn erf�llt werden. Was dann aber die Einfahrtstra�en durch sol-che Ansammlungen unterschiedlichster Gewerbebauten betrifft � in Brixen reicht die Spannweite von der Autowaschstra�e �ber haushoch gestapelte Kunststoffk�sten f�r die Apfelernte bis zum freistehenden Milchgro�beh�lter aus Edelstahl � w�rde meist eine Abpflanzung mit schnellw�chsigen Pappeln gen�gen um das Tohuwabohu gn�-dig abzudecken. Dicht gereiht bildet sich ein nat�rlicher Blickschutz mit Pappeln, B�ume, die in die H�he wachsen und mit ihren Kronen nicht st�rend in den Stra�en-raum hinein ragen.
Im �brigen gibt es noch sogenannte �Dachlandschaften�, also die Aufsicht auf die mehr oder weniger dichtgedr�ngten D�cher einer Stadt. In S�dtirol sieht man ja von den Bergen alles von oben und eine klug gegliederte Gr�nstruktur w�rde auch das Ortsbild aus der H�he gesehen wesentlich versch�nern welches sich so organisch mit dem l�ndlichen Umland mit dessen Baumreihen, Alleen, Hainen und Feldern ver-binden k�nnte. Ein Wunschtraum? Nein, Kulturlandschaft!
Andreas Gottlieb Hempel
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