Mittwoch, 29.08.2007 | Sind stille St�dte wirklich tote St�dte?

Bereits vor zwei Jahren berichtete der �Brixner� �ber die Bem�hungen von Stadtrat Hel�muth Kerer im Rahmen eines EU-Interreg-Projektes S�dtiroler St�dte zu abgestimmten Konzepten und einem gemeinsamen Auftreten im sogenannten Stadtmarketing zu bewe�gen. Mit der Tagung �Attraktionspunkt Innenstadt� traten die St�dte Bozen, Meran und Bri�xen erstmals zusammmen damit an die �ffentlichkeit � ein bemerkenswerter Auftakt zu weiteren Gemeinsamkeiten.

In der kleinen Region S�dtirol muss in vielen F�llen das Denken in Talschaften �berwun�den werden um Doppelarbeit zu vermeiden und Synergien zu erreichen. Dies gilt bei aller Unterschiedlichkeit der D�rfer, St�dte und Landschaften vor allem beim Auftreten nach Aussen, im Tourismus - aber auch f�r die Einheimischen. �Stadtmarketing� hei�t das heute auf Neudeutsch, wenn St�dte und Regionen � Besucher, Arbeitskr�fte, Gewerbe und Gastronomie anziehen wollen um eine zukunftsf�hige Entwicklung zu gew�hrleisten.

Am 27. Juli 2007 fand im Forum Brixen eine Veranstaltung zum Marketing der St�dte Bo�zen, Meran und Brixen statt. Sie wurde unter der wissenschaftlichen Leitung der Europ�i�schen Akademie EURAC, Bozen zusammen mit dem Verband der Kaufleute und Dienst�leister als Teil eines gemeinsamen Stadtmarketingprojektes vorbereitet. Vor allem sollte die Zusammenarbeit zwischen Handel, Gastronomie und den St�dten gef�rdert werden, denn gerade von dieser h�ngt im besonderen der Wohlstand, das Stadtbild und die At�traktion der St�dte in einer Tourismusregion wie S�dtirol entscheidend ab. Grundlagen des Stadtmarketings, erste Ergebnisse des Projektes und Erfahrungen aus den Nachbarregio�nen sollten in Brixen vorgestellt werden. Die Organisation und Moderation des Tages hatte der Leiter des EURAC-Institutes f�r Regionalentwicklung und Standortmanagement, Prof.Dr. Harald Pechlaner �bernommen.

Harald Pechlaner hatte sich viel vorgenommen:
insgesamt 27 Redner waren aufgefordert zum Thema �Attraktionspunkt Innenstadt� mit dem etwas pomp�sen Untertitel �multioptionale Erlebniswelten im Wandel� beizutragen. Um die �bersicht f�r die zahlreichen Zuh�rer zu gew�hrleisten wurde der Ablauf in vier Kapitel unterteilt. Jeweils zwei Grundsatzreferate mit drei anschlie�enden kurzen Kom�mentaren behandelten die drei Bereiche �Kernkompetenzen als Grundlage der Wettbe�werbsf�higkeit von Innenst�dten�, �Themenmanagement und Inszenierung f�r Innenst�d�te� und �Attraktionspunkt Innenstadt�. Auf den letzten Abschnitt �Vom Produkt zum Ange�bot: besondere Herausforderungen f�r die St�dte� folgte den beiden Referaten eine Podi�umsdiskussion mit Einbeziehung des Publikums.

Den Anfang bildeten drei kurze Eingangsreferate der drei B�rgermeister von Bozen, Me�ran und Brixen, die auf Fragen zur Geschichte, dem Zustand und der Perspektive ihrer St�dte Antworten gaben. B�rgermeister Albert P�rgstaller sah die Vorz�ge seiner Stadt in den historischen, lebendigen und landschaftlichen Qualit�ten und zeichnete die Per�spektive einer musterg�ltig umweltfreundlichen Stadt. Luigi Spagnolli hob die Formen des interethnischen Zusammenlebens in Bozen mit der beeindruckenden Lage heraus und sah die Zukunft seiner Stadt als regionales Modell mitten in Europa. G�nther Januth unter�strich den den Charakter Merans als Kur- und Gartenstadt, die sich k�nftig durch die kultu�rellen Einrichtungen verj�ngen werde und weiter einen internationalen Anziehungspunkt bilden soll.

Dieter Steger, Direktor des Verbandes der Kaufleute und Dienstleister hob den Vorteil der eindeutigen und unterschiedlichen Charaktere der drei St�dte hervor. Unverwechselbarkeit sei eine Marketingst�rke, die m�glichst noch st�rker ausgepr�gt werden solle um das brei�te Angebot der Region S�dtirol herauszustellen. Dennoch sei die Zeit der Einzelk�mpfer vorbei, die Gemeinden und Verb�nde m�ssten k�nftig gemeinsame Konzepte f�r ein ganzheitliches Marketing entwerfen. Dies k�nne aber nur zusammmen mit den B�rgern auf demokratische Weise gelingen. Leitbilder und Strategien m�ssten zur Identifikation der Menschen mit ihrer Stadt entwickelt werden um glaubw�rdig und lebendig zu sein. Ins�besondere m�ssten Entscheidungen zur leichten Erreichbarkeit der Innenst�dte mit Park�m�glichkeiten getroffen werden.

Nach diesem Beginn der unmittelbar Beteiligten folgte ein �berblick �ber die demografi�sche Entwicklung und dem Leben in der Stadt der Zukunft durch Dr. Ulrich Reinhardt von der Stiftung f�r Zukunftsfragen in Hamburg. Inzwischen ist weithin bekannt, dass die Be�v�lkerungsentwicklung besorgniserregend ist, vor allem in der �beralterung unserer Ge�sellschaft, in der das Durchschnittsalter innerhalb eines Jahrhunderts von 40� auf 76 Jahre bei M�nnern und von 42 auf 82 Jahre bei Frauen gestiegen ist. Die Altersschere, die vor einem Jahrzehnt noch gleichviel �ber 60j�hrige wie unter 20j�hrige aufwies hat sich auf 30:20 ge�ffnet und die Kinderzahl ist auf 1,36 Kinder/Frau gesunken. Die Folgen werden u.a. ein geringeres Wirtschaftswachstum und geringerer Konsum und damit weniger Inno�vation, Wohlstand und Lebensqualit�t sein � einmal abgesehen von der Polarisierung der Gesellschaft in �ltere �Sparer mit Geld� und eine jugendliche �Erlebnisgeneration�, die �ber ihre Verh�ltnisse lebt und in der das untere Preissegment und die Spitzenprodukte boomen w�hrend die solide mittlere Preisklasse auf der Strecke bleibt. Das hat erhebliche Auswirkungen auf Dienstleistungen und Tourismus. Die Sonnenseite des Lebens wird in den St�dten dabei vor allem in Fu�g�ngerzonen mit vielen Einkaufsm�glichkeiten bei kurzen Wegen, Stra�encaf�s und Unterhaltung gesehen.

Harald Pechlaner f�hrte mit einem Grundsatzreferat in die folgenden vier Kapitel ein. Er sprach �ber den Weg von den Kernkompetenzen der St�dte bis zum differenzierten Ange�bot spezifischer Standortqualit�ten. Im Rahmen des INTERREG IIIA-Programmes �ster�reich-Italien sei das Projekt �Stadtmarketing und Lernende Region � Zukunftsperspektiven f�r die St�dte Bozen, Meran und Brixen� genehmigt worden um die Kooperation zwischen Handel, Gastronomie und touristischen Anbietern und der unterschiedlichen Positionierung der drei St�dte im Verbund zu f�rdern und damit die Wettbewerbsf�higkeit zu st�rken. Der Wettbewerb zwischen den St�dten geht um Investitionen der Wirtschaft, die Infrastruktu�ren, touristische Attraktionen, Besucher und nicht zuletzt um kreative und innovative Men�schen, die als Fachkr�fte angezogen werden sollen. Aus der Sicht der Besucher bilden Landschaft und Klima, Erreichbarkeit, Qualit�t des Angebotes, Attraktivit�t des Einzelhan�dels und die besondere Atmosph�re die Anziehungskraft des Standortes. Pechlaner analy�sierte dabei die Faktoren der Kernkompetenzen in den drei St�dten. Bei Brixen liegen sie eindeutig bei Kirche, Bildung und Kongressen, w�hrend die gr��ten Hemmnisse f�r die Kooperation in den unterschiedlichen Interessen, den unregelm��igen Kontakten, dem gro�en Einfluss Weniger und in der Konkurrenzsituation der St�dte gesehen werden � also eine eindeutige Notwendigkeit zur� Kooperation im Stadtmarketing.

�Welche Attraktionen braucht die Stadt� fragte danach Prof.Dr. Mike Peters von der Uni Innsbruck, Institut f�r Strategisches Management, Marketing und Tourismus. Vor allem sollten sich Eigen- und Fremdimage decken um ein dauerhaftes Bild der Stadt f�r Einhei�mische und G�ste zu bieten. Die Kriterien f�r die Einheimischen, bei denen Abwechslung, Sauberkeit und Offenheit an oberster Stelle neben Gr�n, �ffentlichem Verkehr, Ausbil�dungsm�glichkeiten und Wohnungsangebot st�nden seien die Basiskriterien auf denen die Attraktionen f�r die Besucher aufbauen. Die Kernkompetenzen m�ssen dabei f�r den Kunden wertvoll und m�glichst einmalig oder schwer imitierbar sein. Das setze aber die Kenntnis der Marktentwicklung und der Identit�t voraus und erfordere hohe Professionali�t�t in der Verkn�pfung von Tradition und Moderne.

Vor diesem Hintergrund erz�hlte der Gesch�ftsf�hrer der Regensburger Stadtmarketing von der Erfolgen der Brixner Partnerstadt, wo in der Altstadt aus r�ckl�ufigen Konsumaus�gaben, Leerst�nden, �Kippen� der urbanen Vielfalt und schwieriger Ertragssituation des Einzelhandels der Trend in den letzten Jahren umgekehrt werden konnte. Dies gelang durch einen �Pakt f�r die Altstadt� mit einem Netzwerk der Akteure von den �mtern der Stadtverwaltung, dem Hotelier- und Gastst�ttenverband, lokalen Medien, Werbegemein�schaften des Einzelhandels, der Stadtmarketing Regensburg u.v.a. unter einem �Kurator� - das Ganze als Chefsache des Oberb�rgermeister. Zahlreiche Ma�nahmen, gemeinsam in st�ndigen Treffen entwickelt, haben das Profil der Altstadt gesch�rft und verbessert nach�dem im Leitbild Regensburg die Altstadt als multifunktionaler urbaner Lebensraum f�r etwa 12.000 Menschen definiert wurde. Dazu wurden �Umgangsregeln� der Beteiligten festge�legt, die von gr��ter Transparenz der Entscheidungen und partnerschaftlicher Gespr�chs�kultur bis zur gemeinsamen Entwicklung von Projekten reicht.

Erg�nzt wurde die Schilderung dieser beispielgebenden Entwicklung durch den Kulturrefe�renten Klemens Unger. Unter dem Titel �Kultur und Tourismus� zeigte er anhand der at�traktiven Veranstaltungen der letzten Jahre in der Regensburger Innenstadt, dass eine Altstadt kein gro�es Einkaufszentrum werden muss um Besucher anzuziehen. Die Re�gensburger Altstadt ist durch ihre Bauten und Monumente, ihre immer noch vorhandenen gut gemischten st�dtischen Funktionen und durch ihr nat�rliches, historisch gewachsenes und lebendiges urbanes Flair jeder k�nstlich entworfenen Einkaufswelt mit Konsumzwang auf der gr�nen Wiese haushoch in ihrer Anziehungskraft �berlegen. Dies setzt allerdings voraus, dass sie im Einvernehmen mit den Bewohnern, dem Handel, der Gastronomie und den kulturellen Einrichtungen klug �bespielt� wird, wobei speziell in Regensburg � entspre�chend der Partnerstadt Brixen � auch die Kirche eine besondere Rolle mitspielen muss. Dazu geh�rt der Aufbau von kulturtouristischen Buchungs- und Informationssystemen ebenso wie eine klare inhaltliche Setzung von Schwerpunkten, die den Charakter der je�weiligen Stadt unterstreicht. In Erinnerung blieb ein Kernsatz seiner Ausf�hrungen f�r das Marketing: �Erlebnisinszenierung ist die Kunst, auf den Bauch zu zielen und die Briefta�sche zu treffen� sowie die 4 E's der Erlebnisgesellschaft: Ereignis-Emotionen-Erkenntnis-Erfahrung.

Diese Referate wurden aus der Sicht von Erfahrungen in Meran von Heidi Siebenf�rcher, der Stadtr�tin f�r Wirtschaft und Frauenfragen von Helmuth Kerer f�r die Initiative Brixen und Hansi Felder, dem Abteilungsdirektor f�r Handwerk, Industrie und Handel kommen�tiert. Helmuth Kerer betonte im Hinblick auf die Regensburger Erfahrungen die Besonder�heit der Altstadt Brixens mit ihren vielf�ltigen st�dtischen Funktionen als Attraktion f�r Ein�heimische und G�ste, die es jedoch noch besser aufeinander abzustimmen g�lte. Hansi Felder riet vor allem dazu, die �ffnungszeiten der L�den im Hinblick auf die Einkaufszen�tren aufeinander� abzustimmen und sah besonders die lange Mittagspause als einen schweren Marketingfehler gegen�ber den G�sten an, die in dieser Zeit einen v�llig ver�schlafene Innenstadt vorf�nden.

�Was wollen die G�ste?� fragte dann Prof. Dr. Christian Laesser von der Universit�t St. Gallen und kam nach Statistiken und Analysen �ber den Markt der St�dtereisenden und deren Motiven und der Erkenntnis, dass die Hauptnachfrage in den Alpen nach Natur und Kultur besteht zu dem Schluss, das es �den St�dtetouristen� nicht g�be, sehr wohl aber zwei Gruppen, die �Sightseer� - �berwiegend die �lteren - welche sich f�r Museen, Kir�chen und andere Sehensw�rdigkeiten interessierten und meist nur einmal eine Destination besuchen sowie die �Relaxer� - �berwiegend die J�ngeren - die lieber im Caf� sitzen, Wellnessangebote nutzen und einkaufen wollen und leichter zu Stammg�sten werden. Aus diesen Motivationsprofilen sollten sich die St�dte unterschiedlich positionieren und die G�ste ansprechen.

Nach weiteren Kurzkommentaren von Dr. Peter Brunner, Stadtrat f�r Wirtschaft, Brixen, Dr. Thomas Rizzolli, Obmann f�r Bozen des Verbandes der Kaufleute und Dienstleister und Rainer Sch�lzhorn, Pr�sident der Kurverwaltung Meran mit gro�er �bereinstimmung zur notwendigen Koordinierung des gemeinsamen Marketings der drei S�dte Bozen, Me�ran, Brixen bei grunds�tzlicher Profilierung der Verschiedenheiten in einem so kleinen Ziel�gebiet wie S�dtirol trat Mag. Andreas Reiter, Zukunftsb�ro Wien, mit der provokativen The�se auf �Eine stille Stadt ist eine tote Stadt�. Seine Thesen halten den Kampf um Aufmerk�samkeit, die Stadt-Marke, die Inszenierung der (Stadt-) Mitte, die Innenstadt als B�hne, die Inszenierung lokaler Kern-Werte, die Erlebnisdichte, den Konsumenten und die insze�nierte Gemeinschaft f�r die Aufgaben der Zukunft. Dieser Kampf wird nach seiner Meinung mit Begriffen wie �Service-Design, Urban Branding, Convenience-Community-Flow, Moon�light-Shopping, Digital-Lifestyle-Codes, Mood-Management� u.a so gef�hrt werden m�s�sen, dass auf �einer Achse des Guten die Festivalisierung der Stadt mit der Renaissance der innerst�dtischen Kauflandschaft f�r die Konsumenten als Tr�ffelschweine der Exzel�lenz bei gro�er Erlebnisdichte� ebenso gelingt wie der �Wettbewerb der Werte mit Events zur Resozialisierung der Singels �ber Wasch-Bars, �Sexy Supermarkets�, Zeit-M�rkte in denen der Mann ruhig gestellt wird� w�hrend die Frau Geld ausgibt. Das alles im Rahmen eines �Image-Designs� das von �Landmarks, Urban Story telling und Lifestyle-Inszenierun�gen� gepr�gt wird.

Das erforderliche Gegengewicht der Alltagsrealit�t im Stadtmarketing der Gegenwart bot Mag. Sabine Istenich, Stv. Leiterin des Stadtmarketing Lienz. F�r sie ist Stadtmarketing keine werbliche Ma�nahme f�r kurzfristige Mehrbesuche des Hauptplatzes sondern ein komplexes Konzept f�r ein Leitbild der Stadt und eine Chance zur ganzheitlichen Stadtent�wicklung. Gleichzeitig begreift sie Stadtmarketing als Ma�anzug f�r jede Stadt mit ihren Besonderheiten und individuellen Strukturen. Allgemeing�ltig k�nnen aber die Instrumente sein, die zu einem erfolgreichen Stadtmarketing f�hren und die Sabine Istenich am Bei�spiel ihrer Stadt Lienz vorstellte. Ein Leitungsgremium mit einer bei der Stadt angesiedel�ten Gesch�ftsstelle befasst sich mit Situationsanalyse, Zieldefinition, Strategieentwicklung, Ma�nahmenplanung, Umsetzung und Kontrolle. Dabei wird Stadtmarketing als ein kooperativer Prozess im Netzwerk der Interessen aller Beteiligten verstanden und abge�stimmt. Man scheut sich auch nicht, die Erfahrungen von Nachbarn ohne zu imitieren mit Innovation aufzunehmen.� Aus allen Elementen wie Public Private Partnership, Europ�i�sche St�dtecharta, b�rgerschaftlichem Engagement hat das Leitungsgremium mit der Lo�kalpolitik, der Verwaltung, der Wirtschaft und der B�rgerschaft ein kooperatives Modell f�r die �Obere Altstadt Lienz� entwickelt, das jetzt zum sch�nsten Einkaufszentrum der Region �ohne k�nstliches Dach� gez�hlt wird. Aus Stagnation, Abzug,� Verdr�ngungswettbewerb und fehlendem Selbstverst�ndnis wurde der Standort Innenstadt wieder gest�rkt, die Ko�operation professionalisiert und die Frequenzen erh�ht. Von gemeinsamen �ffnungszeiten und Belieferung der Betriebe �ber Stellplatzmanagement bis zum Gesamterscheinungs�bild der Altstadt wurde der Entwicklungsprozess erfolgreich und zukunftsf�hig gesteuert.

Das �leuchtende Beispiel in der Nachbarschaft� wurde von Dr. Thomas Aichner, Ge�sch�ftsf�hrer der MGM, Meran, von Hans Astner, dem Obmann in Brixen des Verbandes f�r Kaufleute und Dienstleister und Manfred Schweigkofler, Intendant am Theater Bozen kurz kommentiert. �bereinstimmend waren alle der Meinung, dass Innenstadt mehr ist als Konsum sondern die Verflechtung vieler Faktoren wie Wohnen, Dienstleistungen, Kultur, deren ausgewogene Mischung zusammen mit dem charakteristischen und historischen Erscheinungsbild der jeweiligen Stadtmitte die unverwechselbare Attraktion ausmacht.

Den Abschluss der Vortr�ge bildeten die Beitr�ge von Ing. Francesco Quartuccio, von Si�mon-Kucher&Partner, Mailand zur �Preis- und Produktpositionierung als Wettbewerbsfak�tor bei Dienstleistungen� und von Silvia Conte, Uni Venedig, zu �TouristCards in Italien�. Beide Themen bilden sicherlich beim Stadtmarketing wichtige Instrumente zur Preisgestal�tung und zu Verg�nstigungen, welche die Entscheidung f�r die Wahl eines touristischen Zieles erleichtern k�nnen. In Rahmen dieser Tagung waren sie vielleicht schon etwas zu speziell gew�hlt und sollten in einem sp�teren Schritt des Stadtmarketings der drei St�dte Bozen, Meran und Brixen auf ihre Anwendung im besonderen Fall untersucht werden.

Die anschlie�ende Podiumsdiskussion �ber die Herausforderungen an die drei St�dte im Rahmen des Stadtmarketings litt zu sp�ter Stunde nach einem konzentrierten Tag bereits unter abbr�ckelnder Beteiligung. Man h�tte sie sich dennoch l�nger ausf�hrlicher ge�w�nscht, denn sie war unter der Moderation von Harald Pechlaner mit Elmar Pichler-Rolle, Vizeb�rgermeister Bozen, Peter Haas, City-Manager Ingolstadt, Urban Perkmann, Han�delskammer Bozen und Helmuth Kerer gut besetzt. Nach einleitenden Statements der Po�diumsteilnehmer kam noch eine Diskussion mit den Teilnehmern zustande. Dabei wurde angeregt, dass ein Stadtmarketing nicht nur die Innenst�dte sondern das gesamte Stadt�gef�ge umfassen m�sse und dass neben Bozen, Meran und Brixen die St�dte Bruneck und Sterzing in das INTERREG-Konzept eingef�gt werden sollten. Den Hoteliers als Part�ner des Stadtmarketings wurde empfohlen ihre Gastbetreuungskonzepte wie Wellness, � Pension, Sportanlagen usw. mit den Angeboten der St�dte abzustimmen, was zu Synergi�en mit den vorhandenen �ffentlichen Freizeitstrukturen� f�hren w�rde und andererseits den G�sten mehr Bewegungsfreiheit au�erhalb des Hotelservice bieten k�nnte � gerade ein �berangebot an Versorgung in den gr��eren Hotelanlagen nimmt den kleineren ga�stronomischen Betrieben (Gastst�tten, Buschensch�nken, H�tten usw.) die G�ste, die bis�weilen bis hoch ins Gebirge von ihren Hotels aus versorgt werden. Und schlie�lich sei S�dtirol au�erhalb der k�nstlichen Strukturen mit Natur, Geschichte und Menschen bereits Wellness genug, so dass es mancher modischer Angebote nicht bed�rfe.

Andreas Gottlieb Hempel

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(Im Kasten:)
Kommentar

Zun�chst: Das INTERREG-Projekt zum gemeinsamen Stadtmarketing ist nicht nur eine hervorragende sondern auch eine dringend notwendige Initiative um die S�dtiroler St�dte im immer h�rter werdenden internationalen Wettbewerb um G�ste, Investitionen, Infra�strukturen und vor allem um die besten K�pfe f�r die Innovationen der Zukunft. Man kann nur hoffen, dass der einmal eingeschlagene Weg zu den erforderlichen Kooperationen f�hrt und interne Konkurrenz beseitigt. Dazu ben�tigt man jedoch in jeder der beteiligten St�dte auch eine entsprechende administrative Infrastruktur, denn ein ganzheitliches Stadtmarketing l�sst sich nicht so mal nebenbei erledigen. Diese Verwaltungsstruktur, die am besten Chefsache der B�rgermeister sein sollte, muss sich von all den aufgebl�hten Begriffen (�Mood-Management, Urban Branding� usw.) aus dem Anglo-Rotwelsch fernhal�ten sondern sich unter einem �Kurator� als Leiter des Lenkungsgremiums an die Arbeit machen die folgende Bereiche umfassen sollte:

-�Zustandsanalyse (bestehende positive und negative Faktoren, Kernkompetenzen u.a.)
-�Zielfelder (Professionalisierung der Zusammenarbeit zur Standortst�rkung u.a.)
-�Politischer Auftrag (Leitbild, Langzeitperspekiven, Kooperation �ffentlich-Privat u.a.)
-�Themenfelder (Gemeinsame �ffnungszeiten / Belieferung, Stadtbild, Vernetzung u.a)
-�Methodik aussen (Bewusstseinsbildung, Arbeitsgruppen, Beratung m. Fachleuten u.a.)
-�Methodik innen (Konsens bilden, Kooperationsvertr�ge, Kontinuierliche Betreuung u.a.)
-�Kontrolle (Prozessdokumentation und -steuerung, �ffentlichkeitsberichte u.a.)

Alles das bedeutet gut organisierte intensive Arbeit, die alle Beteiligten zusammenf�hren soll und die nicht nur mit Schlagworten von Werbefuzzis zu bew�ltigen ist.

Dabei ist zu beachten, dass eine historische Innenstadt vielf�ltige Funktionen und Werte hat und behalten sollte � nicht nur die eines Einkaufszentrums! - welche die besondere At�traktion darstellen. Erst dieser Vorzug erm�glicht vielf�ltige Erlebnisse vom Handel �ber die Gastronomie zur Kultur. Markt- und Kulturfunktionen m�ssen dabei in Einklang ge�bracht werden denn st�dtischer Lebensraum ohne Kultur ver�det. Und: das Ganze, das Besondere, die Atmosph�re einer Stadt ist mehr als die Summe ihrer Teile. Da haben wir in S�dtirol ja wirklich allerhand zu bieten und sollten darauf achten, dass die Attraktionen der Vielfalt unserer Kulturlandschaften, Baudenkm�ler, Stadtraumqualit�t usw. nicht nur vermarktet sondern verbessert statt verbaut werden. Unter dem Gesichtspunkt unserer be�reits vorhandenen teilweise einmaligen Besonderheiten ist die Frage, ob S�dtirol und sei�ne St�dte in zwanghaften Aktionismus mit tausenderlei aufgesetzten Events geraten soll oder ob eine Verlangsamung des Erlebnis- und Spassbetriebes nicht auch den Vorteil der Beschaulichkeit und Sinnhaftigkeit, des Ausrastens und Nachempfindens bieten kann. In�sofern sei die Frage gestattet ob eine stille Stadt (oder Statt ) wirklich eine tote Stadt sein muss.

Andreas Gottlieb Hempel

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Prof. Dipl.-Ing. Architekt & Publizist
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