Um es vorweg zu nehmen: es war durch den fast ununterbrochenen Regen aus tief-h�ngenden Wolken im wahrsten Sinne des Wortes eine Spritztour! Das konnte die sechs Sommelier(-kandidaten) unter Leitung des wie immer quirligen und gut gelaun-ten Paolo Tezzele aber nicht aus der Ruhe bringen. Alle waren froh, am ber�chtigten Wochenende von Mari� Empf�ngnis dem Christkindlmarkt-Trubel in S�dtirol zu ent-kommen und jeweils antizyklisch zu den Verkehrsstr�men auf der anderen Seite der Autobahn zum Ziel zu kommen. Aber auch in den Marken waren an diesen Feierta-gen die empfohlenen Trattorien von Slowfood �berf�llt, so dass die hungrige Gruppe direkt von der Autobahn in das n�chstbeste Restaurant in dem h�bschen K�sten-st�dtchen Fano einfielen. Hinter den mittelalterlichen Stadtmauern wurden - wie so oft in Italien � die G�ste von der Qualit�t eines kleinen Familienbetriebes �berrascht und verkosteten bei k�stlichen Fischvorspeisen den frischen Bianchello di Metauro, der aus der Biancame-Traube, einer Spielart des Trebbiano Abruzzese, im gesamten Hinterland von Pesaro und Urbino angebaut wird. Zum Abschluss offerierte Paolo noch eine Flasche des feinen, sehr charaktervollen Rotweins Lacrima di Morro d�Alba, der aus der Rebe Lacrima Nera gekeltert wird. Danach ging es unter der F�h-rung von .....und ...., zweier marchesischen Sommeliers, zur Verkostung von Wein und �l �ber schmale Str��chen ins H�gelland von Cartoceto, wo in der Fraktion Ri-palta das Weingut von Roberto Lucarelli besucht wurde. Dort wird mit Blick �ber das Tal des Metauro in etwa 250 m Meeresh�he auf einem Terroir von Tuff und Lehm neben den Biancame- und Sangiovesereben die Olivensorte Raggiola angebaut. Es wurden zwei Sorten Bianchello di Metauro verkostet: �La Ripe� und �Rocho�, der eine ohne Mazeration im Stahltank ausgebaut, der andere ebenso aber mit einem Teil im Barrique und Ausreifung bis zur Abf�llung �sur lie�. Beide �berzeugten in lebhaften Strohgelb mit gr�nlichen Reflexen durch frische Fruchtaromen, Mineralit�t und Aus-geglichenheit sowie zartes Brotaroma infolge des Ausbaus auf der Hefe und sind ausgezeichnete Begleiter der adriatischen Fischk�che. Den Abschluss bildete der Rotwein �La Ripe� aus 90% Sangiovesetrauben und Baccarossa, ein rubinroter Wein, intensiv in der Nase mit roten Fruchtnoten und Ankl�ngen an Muskatnuss, im Mund warm und mit sch�n in die Frische eingebundenen Tanninen � perfekt zu �tutto pasto� der Landesk�che in den Marken. Das angebotene ungefilterte Oliven�l aus Raggiola, Rosciola, Leccino, Frantoio und Moraiolo erwies sich als fruchtig, leicht grasig, mit pikantem, zartbitterem Mandelgeschmack und feiner S��e � erstklassig!
Der Abend wurde in fr�hlicher Gesellschaft, exquisiter K�che und ausgew�hlten Wei-nen zusammen mit dem B�rgermeister von Fermignano und dem Pr�sidenten der Sommeliervereinigung Marken, ....., im Restaurant �Serra Alta� verbracht. Das �Serra Alta� ist auch Hotel mit angeschlossenen Ferienapartments in prachtvoller Lage hoch �ber Fermignano und herrlichem Blick hin�ber nach Urbino und zum verschneiten Monte Nerone. Ein einmaliger Ort - auch zum Ferien machen! Alle genossen die ru-hige wenn auch weinschwere Nacht.
Der n�chste Morgen galt dem Tr�ffelzentrum Italiens, Acqualagna. Im auch Sonntags ge�ffneten Laden Acqualagna Tartufi deckten sich alle mit Tr�ffelprodukten ein, als ob diese bald nicht mehr zu haben seien. Danach dann Besuch des Weingutes San-ta Barbara des Stefano Antonucci. Der Ort B�rbara liegt 220 m hoch auf einem Berg-r�cken zwischen den Fl�ssen Misa und Nevola, etwa 25 km von Senig�llia an der Adria entfernt. Vom Gambero Rosso 2007 f�r seinen Rosso Piceno �Il Maschio da Monte 200� mit drei roten und f�r den Verdicchio Castelli di Jesi �Stefano Antonucci Riserva 2004� mit zwei roten Gl�sern ausgezeichnet waren die G�ste gespannt, die-se Weine nun selber zu verkosten. Die sch�nen Keller mit den franz�sischen Barri-quef�ssern sind in den gemauerten Gew�lben des ehemaligen St. Barbara Klosters untergebracht. Dort befindet sich auch der �u�erst geschmackvoll eingerichtete Ver-kostungsraum.
Zun�chst wurde der Verdicchio Castelli di Jesi DOC �Le Vaglie 2006� gereicht, ein absolut trockener und mineralischer Wei�wein, acht Monate gereift, der neben einem feinw�rzigem Aromaspektrum vor allem das typische Terroir pr�sentierte und lange mit seinem Pfirsich und Zitrusgeschmack in Erinnerung blieb. Man w�nschte sich Austern und Krustentiere dazu. Eine Steigerung bot der durch intensive Finesse �-berzeugende Verdicchio Castelli di Jesi DOC �Stefano Antonucci�, goldgelb leuch-tend und von lang anhaltender saftig-mineralischer Dauerhaftigkeit im Abgang ge-pr�gt. Ideal zu der dazu angebotenen weich-milden Salami und dem kr�ftigen Cacci-otto di Urbino. Ein Wein f�r alle feinen Speisen, au�er Wild.
Danach folgten die Roten. Zun�chst der trockene Rotwein DOC �Il Maschio del Mon-te 2004� 100% Montepulciano und 18 Monate im Barrique gereift. Die 14% Volumen Alkohol waren perfekt mit den Tanninen verbunden und man sah sich schon mit die-sem rubinrot gl�nzenden Wein vor einem saftigen Wildgericht sitzen. Aber auch W�rze, Frucht und Mineralit�t trugen zusammen mit einem bet�renden Veilchenge-ruch zur perfekten Harmonie dieses trinkreifen und immer noch entwicklungsf�higen Spitzenweines bei.
Zum Schluss wurde der �Star� des Hauses eingeschenkt. Das Ergebnis von Experi-menten mit den Traubensorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah ergab einen nach internationalen Ma�st�ben perfekten Wein von intensiv-dunklem Rubinrot der alle Komponenten von der Nase bis zum Abgang tadellos verband � aber eben mit �internationalem� Charakter. Keine Spur mehr vom Boden der Marken. Alle Anwe-senden waren sich einig, dass trotz der �berragenden Qualit�t der �Pathos� genann-ten Cuv�e die St�rke und die Zukunft der Spitzenweine in den Marken auf ihrem Charakter aus den typischen Traubensorten und dem Terroir liegen sollten. Auf die-sem Feld k�nnten sich die Marken eine unvergleichliche Spitzenposition erarbeiten und � mit aller Hochachtung! � sie haben sie schon erreicht. Nur hat sich das noch nicht �berall herumgesprochen. Gottseidank � denn so stimmt das Preis-Leistungs-Verh�ltnis ganz ausgezeichnet.
Auf der einer Unterwassertour gleichenden R�ckfahrt wurde noch lange von der ho-hen Qualit�t der verkosteten Weine geschw�rmt und Paolo Tezzele f�r die Organisa-tion dieser prall ausgef�llten Kurzreise gedankt.
Andreas Gottlieb Hempel
Die Adressen:
Ristorante �La Vecchia Fano�
Via Vecchia 8
61032 Fano (PU)
Tel. 0721 803493
Azienda Agricola Roberto Lucarelli
Via Piana 20
Localit� Ripalta
Cartoceto (PU)
Tel. 0721 893019, >www.laripe.com
Ristorante Albergho �Serra Alta�
Via Serra Alta 28
61033 Fermignano (PU)
Tel. 0722 332525, >www.serraalta.it
Aqualagna Tartufi s.r.l.
Via C. Colombo 2�
61041 Acqualagna (PU)
Tel. 0721 797031, >www.acqualagnatartufi.it
Azienda Santa Barbara
Borgo Mazzin 35
60010 Barbara (AN)
Tel. 071 9674249, >www.vinisantabarbara.it