Brixner 02/2008 2 Ein Pilotprojekt der S�dtiroler Landesregierung und der italienischen Eisenbahnge-sellschaft sieht vor, dass ab 2008 rund acht Kilometer Schallschutzw�nde f�r zw�lf Millionen Euro entlang der Bahnlinie Brenner � Salurn gebaut werden sollen. Ist die-se zun�chst erfreulich scheinende Ma�nahme wirklich sinnvoll?
Zu ihrer letzten Ratssitzung im J�nner 2008 hatte die Bezirksgemeinschaft Eisacktal den Direktor des Landesamtes f�r Luft und L�rm der Landesagentur f�r Umwelt, Dr.-Ing. Georg Pichler, zu einem Vortrag zum Thema �L�rmschutzma�nahmen im Ei-sacktal� eingeladen. Grund f�r diese Einladung waren die Klagen und Sorgen, die von den Anwohnern der Bahnlinie durch das Eisacktal an die Bezirksgemeinschaft herangetragen wurden. Der L�rm der Bahn wird nicht nur emotionell empfunden - auch Messungen beweisen einen unzumutbar hohen L�rmpegel entlang des Bahnk�rpers.
W�hrend etwa 50 Dezibel (dB) bei einer Unterhaltung gemessen werden so sind die rund 90 dB des L�rms, den ein vorbeifahrender G�terzug verursacht bereits gesundheitsgef�hrdend. Wer l�nger solchen Ger�uschen ausgesetzt ist, dem droht L�rmschwerh�rigkeit, die nicht heilbar ist. Ebenso erh�ht dieser L�rm die Anf�lligkeit f�r Herzinfarkte in besonderem Ma�e. Georg Pichler berichtete nach diesen und anderen Grundlagen zur Auswirkung von Schall, dass die Italienische Eisenbahngesellschaft RFI zusammen mit dem Land S�dtirol ein Schallschutzpilotprojekt an der Brennerbahnstrecke in diesem Jahr durchf�hren wird. Insgesamt etwa acht Kilometer L�rmschutzw�nde sollen an kritischen Punkten gebaut werden. Im Eisacktal sind f�r Klausen 380 Meter vorgesehen, f�r Brixen 180 Meter, f�r Franzensfeste 300 Meter und f�r Sterzing 600 Meter. Anhand von Messungen hat sich jedoch herausgestellt, dass Schallschutzw�nde nur wenig zur Senkung des L�rms beitragen k�nnen. F�r das Erdgeschoss eines direkt angrenzenden Geb�udes reduziert sich der L�rm um ca. 12 dB � hier ist die Schallschutzwand am wirkungsvollsten � im 1. Obergeschoss betr�gt die Reduzierung nur noch die H�lfte und sobald die L�rmquelle, n�mlich die R�der des Zuges, beispielsweise vom Hang aus zu sehen ist, findet keine L�rmreduzierung mehr statt. Gerade im bergigen Gel�nde wie im Eisacktal bringen also Schallschutzw�nde entlang der Geleise denjenigen, die am Hang oben wohnen keine Verbesserungen � im Gegenteil, der Schall breitet sich parabelf�rmig aus und ist in etwa drei�ig Meter H�he �ber der Schallquelle am Hang am st�rksten zu h�ren. Zudem wird in unseren T�lern der Schall von den H�ngen auch noch reflektiert � Zugl�rm bei Brixen ist oben in den Siedlungen um Tils und St. Andr� zu h�ren.
Das Ergebnis der Ausf�hrungen von Georg Pichler war f�r die Bezirksr�te ganz eindeutig: Schallschutz muss an der L�rmquelle, also an den Waggons der Bahn erfolgen. Vor allem bei den G�terz�gen bedient sich die italienische Staatsbahn alter Wagen, die teilweise noch aus den 1930er Jahren stammen. Aber auch bei den Personenz�gen der FS ist die L�rmentwicklung wesentlicher h�her als bei modernen Z�gen wie z.B in Deutschland und �sterreich, die auch durch das Eisacktal fahren. Wer einmal auf das Ger�usch der modernen Waggons der Vinschgerbahn geachtet hat, der wird festgestellt haben, dass diese hochmodernen Z�ge Schweizer Bauart fast ger�uschlos vorbeirollen � das ist auch der Fall bei allen modernen U- und S-Bahnen, z.B. in M�nchen oder anderen Gro�st�dten. Grund f�r den enormen L�rm, den die italienischen G�terz�ge verursachen ist das Bremssystem: Backenbremsen wirken auf die Laufseite der R�der und bewirken dadurch eine Unwucht in der Abnutzung des Materials von dem dann das bekannte ratternde Ger�usch ausgeht. Von diesen unregelm��ig abgefahrenen metallenen R�dern werden auch die Schienen betroffen, die dann � ebenfalls unregelm��ig abgefahren � auch bei neuem Rollmaterial erh�hten L�rm verursachen. Deutlich L�rmsteigernd wirken auch die Geleise, die auf Beton- statt auf Holzschwellen verlegt worden sind.
Die Rechnung f�r den Nutzen der geplanten Investitionen f�r Schallschutzw�nde war schnell gemacht: der Umbau eines G�terzugwaggons auf moderne Scheibenbremstechnik kostet rund 4.000 Euro. W�rden die 12 Millionen Euro der Kosten f�r die Schallschutzw�nde f�r diese Umr�stung benutzt, dann w�rden immerhin 3000 G�terwaggons wesentlich weniger L�rm verursachen. Kurzum, die Schallschutzw�nde dienen im wesentlichen der Beruhigung der vom L�rm betroffenen Bev�lkerung � ohne gro�en Effekt, wie man dann messen wird. Immerhin werden zumindest die heimischen Baufirmen gut verdienen. Aus diesen Erkenntnissen stellte der Bezirksrat einm�tig Antr�ge dass verst�rkt auf die italieni-schen Staatsbahnen Druck ausge�bt werden m�sse.
Nicht nur was den L�rm betrifft: Man muss sich ja als Reisender sch�men, wenn man in M�nchen oder Innsbruck in einen der immer ungepflegter erscheinenden Z�ge der FS einsteigt! Die Toiletten ergie�en sich � inzwischen einzig in Europa � immer noch auf den Gleisk�rper, die Speisewagen auf der Brennerstrecke sind abgeschafft worden, Sauberkeit und Sitzkomfort sind im Vergleich mit �BB und DB miserabel. Auch die niedrigeren Fahrpreise in Italien k�nnen nicht �ber die st�ndigen Versp�tungen, die meist fehlenden Ausk�nfte dar�ber und den kl�glichen Zustand der Bahnh�fe hinwegtr�sten. So kam alles zur Sprache, was den B�rger, der zun�chst bereit ist, das umweltschonende und preiswerte �ffentliche Schienenverkehrsmittel zu nutzen schlie�lich wieder ins Auto treibt.
Ob und welcher Druck der Bezirksgemeinschaft Eisacktal die Betonk�pfe in der mil-liardenhoch verschuldeten FS dazu bringen kann an dieser erb�rmlichen Situation etwas zu ver�ndern, sei dahingestellt. Wir w�nschen jedenfalls guten Erfolg dazu!
Andreas Gottlieb Hempel
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