Dienstag, 10.06.2008 | Leserbrief

Zum Beitrag �Fast am Ziel?� Brixner, Januar 2008
An welchem Ziel? Fragt sich der Leser. Am �Objekt der Begierde� wie Sie so treffend schreiben? Wer die sch�ne weite Kojawiese in Obermellaun mit dem �Vorbild Adler Thermae� in der Toskana vergleicht, dem wird schnell klar, dass hier nichts �sanft in die Landschaft� integriert wird, wie Willy Vontavon jubelt, sondern ein �hnlich gro�er Kasten den Ma�stab der Streusiedlungen im Mittelgebirge von St. Andr� zerst�ren wird. Wir sprechen uns wieder, wenn diese Architektur f�r die Sch�nen und Reichen einmal gebaut sein wird und wir sie gemeinsam von der anderen Talseite anschauen k�nnen. Ich bin gespannt, ob Sie dann Ihr positives Eintreten f�r die geplante Verbauung einer bisher �unber�hrten� Landschaft nicht bereuen werden � wenn sie ehrlich sind und nicht nur denen das Wort reden, die unsere sch�ne Landschaft f�r ihre pers�nlichen Gesch�fte zerst�ren wollen und Sie f�r Ihren servilen Beistand mit Inseraten belohnen. Auch der B�rgermeister der Selbst-Versorger-Partei SVP gibt schon heute zu, dass die Koja Wiesen ihr Aussehen ma�geblich ver�ndern werden: �Dass es ein Opfer ist, brauchen wir nicht zu bestreiten.� O-Ton P�rgstaller.
Und f�r wen muss die immer mehr ramponierte S�dtiroler Landschaft dieses Opfer bringen? F�r Hoteliers, die den Hals nicht voll bekommen k�nnen. F�r Liftbetreiber, die ihr Gesch�ft machen wollen oder schlecht wirtschaften. F�r Bauern die ihre Wiesen verscherbeln. Das geplante Hotel f�r die 5 Sterne Schicki-Mickis wird eine abgeschlossene �Wellness�-Insel werden, von denen weder die Plose-Lift-Gesellschaft noch die B�rger von Mellaun und St. Andr� etwas haben werden � au�er Baul�rm, Dreck und noch mehr Autos, die da oben herumfahren � einmal abgesehen von einem neuen Alpin-Kitsch-Klotz in einer bisher l�ndlich erhaltenen Kulturlandschaft. Einer Idylle. Dazu kommt Wohnbedarf f�r die Hotelmitarbeiter und deren Familien, die sicher nicht alle aus St. Andr� kommen werden sondern wie gew�hnlich heute aus Slowenien, Tschechien usw. und die als Neub�rger dort oben nicht sehr willkommen sein werden (als Nachbarn, als Kindergarten- u. Schulkinder) � also soziale Probleme obendrein!

Wir wollen einmal anders herum fragen: Warum fahren denn die Brixner nicht mehr auf die Plose?

Ganz einfach: Weil der Lift nicht mehr von Milland aus geht und man erst mal nach St. Andr� kurven muss, weil sowohl die Talstation als auch die Bergstation ein un-m�gliches Chaos darstellen, sowohl �sthetisch, gastronomisch als auch funktionell, weil f�r Winterwanderungen keine bequemen Wegeverbindungen an der Bergstation bestehen, weil die 7 Hotelanlagen an der Skih�tte wegen Trostlosigkeit, mangelndem Service und G�sten, die dieses Ambiente auch nicht so toll finden l�ngst in �Residences�umgewandelt wurden, weil das Restaurant �Schlemmer� dort den Charme einer Autobahnrast�tte verstr�mt, weil der Schnee immer weniger wird und die Preise immer h�her � alles Dinge die es anderswo (in Ratschings oder am Kronplatz etwa) besser, billiger und wirklich professionell f�r den Massenbetrieb (so man ihn will!) organisiert gibt.

Das alles hat nichts mit Betten zu tun, die angeblich gef�llt werden m�ssten um den Lift wirtschaftlich zu betreiben. Das hat vielmehr etwas mit dem teuren und energiefressenden Kunstschnee zu tun, den wir uns bald in unserer niederschlagsarmen Gegend um Brixen nicht mehr leisten k�nnen � Energiepreis pro Kubikmeter derzeit 3 Euro! Selbst die vorhandenen Hotels sind nicht hinreichend ausgenutzt - fragen Sie mal im Gasserhof, im Tyrol, in Valazza usw. nach! � was sollen da noch mehr leere Betten?

K�nnten Sie, der Sie die Verbauung unserer Landschaft so bef�rworten das einmal einleuchtend erkl�ren?

Und � was w�re so schlimm daran, wenn die Lifte eingestellt und abgebaut w�rden (wie am Brenner H�hnerspiel und Zirog) damit die Plose wieder ein unverdrahteter, nat�rlicher und �unber�hrter� Berg wird, der er schon jahrhundertelang war? Davon geht die Welt nicht unter und auch daf�r werden G�ste kommen, bessere G�ste als die heutigen Prollmassen und zwar diejenigen, die sich nichts aus dem Massenbe-trieb mit Musikberieselung und Jagertee-Saufgebr�ll machen und ihren Gastgebern etwas von der verlorenen Identit�t und Selbstachtung zur�ckg�ben.

In somma: Ihren Beitrag empfand ich als widerw�rtige Stimmungsmache zugunsten der Gesch�ftemacher, Ihren Inserenten.



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Andreas Gottlieb Hempel
Prof. Dipl.-Ing. Architekt & Publizist
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