Paolo Tezzele hat im vergangenen Winterhalbjahr eine Reihe besonderer Themenverkostungen awechselnd in der Vinothek Gandolfi, Bozen und der Weingalerie Brixen organisiert. Neben Bordeauxweinen und Cabernetkreszenzen blieb vor allem die eindrucksvolle � weil besonders schwierige! - Gegen�berstellung von Schokolade und Wein in der geschmacklichen Erinnerung. Und zuletzt nun die Verbindung von Wein und Pecorino aus Umbrien, die wieder in der imposanten Vinothek Gandolfi vorgestellt wurde. Durch seine vielf�ltigen Beziehungen gelang es Paolo Sig. Andrea Domenicini aus Norcia zu gewinnen.
Andrea ist Spezialist f�r Pecorino, den er in halb Europa vertreibt. In seiner hochinteressante Einf�hrung erl�uterte er die Produktion dieses K�ses und seine Reifung in H�hlen (grotte) bzw. Gruben (fosse). Dabei entsteht durch Zugabe entsprechender Hefen entweder eine wei�e oder eine schwarze Edelschimmelschicht als Kruste auf den K�selaiben, die mitverzehrt werden kann. Diese Edelpilz-schimmel tragen entscheidend zur Geschmackscharakteristik des K�ses bei. Sie wird nat�rlich auch durch die L�nge der Lagerzeit bestimmt, die in extremen F�llen in den fosse bis zu zehn Jahren betragen kann. Jungem Pecorino werden auch Tr�ffelst�cke aus Norcia beigegeben � das ist jedoch Geschmackssache. Ebenso ist es Geschmackssache ob man den Pecorino mit den heute so modischen Chutneys verzehrt. Der Verfasser ist sich mit anderen einig, dass damit die eigentlichen Ge-schmacksnoten des K�se untergehen � ebenso wie �brigens auch die Feinheiten des dazu gereichten Weines.
Sieben Weine wurden zum K�se und Wurstsortiment aus Umbrien gereicht:
ein Orvieto classico amabile, Vallesanta DOC, und ein Orvieto secco, beide 2006 vom Weingut Barberani, Orvieto (55ha/350.000 Fl.); ein Rosso die Montefalco 2005 DOC und ein Sagrantino (100%) di Montefalco 2003 DOCG von Perticaia (14ha/50.000 Fl.); ein Sagrantino (100%) Montefalco 2003 DOCG, von Arnaldo Caprai (156ha/750.000Fl.); ein Lago di CorbaraTurl� 2004 von Salviano (70ha/400.000 Fl.) und als H�hepunkt ein Torgiano Rosso Rubesco Riserva 1987 DOCG von Lungarotti (310ha/2.900.000 Fl.)
Die Verkostung ergab, dass der Orvieto amabile besonders gut zum gereiften Pecorino passte, der Orvieto secco dagegen eine schwache Figur machte. Wunderbar harmonisch war der �ber 20 Jahre alte Rubesco von Lungarotti gereift, die bei den �brigen roten Weinen noch sehr dominierenden Tan-nine waren mild abgebaut und in die W�rze und reife Frucht dieses gro�en DOCG Weines gut eingebunden. W�hrend die trockenen Orvieto Classico aus Grecchetto- Trebbiano- Verdello- und Sauvig-nontrauben eine elegante Frische auch als Aperitif entwickeln k�nnen, so kommen die dunkelfarbigen und tanninreichen Roten aus Sagrantino und Sangiovesetrauben erst ab einer gewissen Reife und bei kr�ftigen Gerichten zur wirklichen Entfaltung ihrer Qualit�ten. Kurzum � der Abend ergab einmal mehr, dass Rotwein nicht immer unabdingbar zum K�se geh�rt.
Andreas Gottlieb Hempel
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