Brixner 4/2008/1 Mit Kies kann man bekanntlich ordentlich Kies machen. Da treten dann Umweltge-sichtspunkte in den Hintergrund. Villn�ss will gegen den Widerstand von Brixen und Feldthurns im Eisacktal eine Abbaukonzession vergeben.
Eine neue Kiesgrube zwischen Albeins und Teis? Das Thema ist hei� umstritten und schon eine Weile am dampfen. Ausgerechnet an einer der reizvollsten und landschaftlich fast noch unber�hrten Stelle des wahrlich schon genug geschundenen Eisacktales besteht die Absicht, eine Kiesabbaukonzession f�r 1 Million cbm zu erteilen. Aber der Reihe nach.
Die zur�ckweichenden Gletscher der letzten Eiszeit haben gerade im Eisacktal �ber den darunter liegenden unterschiedlichen geologischen Schichten von Dolomit, Porphyr, Granit usw. der Auffaltung der Alpen reichlich Kies zur�ckgelassen. Oft sind diese Stellen an den weich geformten, muren�hnlichen Hanglagen mit ihren runden Kuppen zu erkennen. Einige Kiesgruben wurde bereits in diesen Lagen ausgebeutet, meist sind sie noch als offene Wunden im Landschaftsbild zu erkennen, z.B. n�rdlich von Klausen (Beton Eisack) oder hinter Albeins, wo wegen der instabilen Hanglage st�ndig weiter Kies abrutscht und die Grube nicht renaturiert wurde obwohl der Abbau seit langem beendet ist.
Die ehemalige Kiesgrube bei Albeins � ebenfalls in einem besonders sch�nen und urspr�nglichen Landschaftsteil ist ein abschreckendes Beispiel daf�r, was geschieht wenn der Abbau sich nicht mehr lohnt bzw. die Konzession erlischt und die Bagger wieder abziehen: der Konzession�r hat im wahrsten Sinne des Wortes viel Kies gemacht und verschwindet mit vollen Taschen unter Hinterlassung einer riesigen, h��lichen und auch noch gef�hrlichen Grube mitten in der Landschaft. Die Allgemeinheit mag sehen, wie sie damit zurecht kommt, die gesch�ndete Natur wird schon im Laufe der Zeit wieder alles irgenwie �berwuchern.
Dies vor Augen und in schlechter Erinnerung, gingen die Bewohner der Brixner Fraktion Albeins auf die Barrikaden als sie h�rten, dass unmittelbar im S�den an ihr Gemeindegebiet angrenzend aber schon auf Villn�sser Gebiet eine weitere Kiesgrube er�ffent werden soll. Zwischen Albeins und Teis verl�uft ein besonders sch�ner und beliebter Wanderweg, der an dem alten Kasserolerhof vorbei f�hrt. Direkt dort unterhalb solle die Kiesgrube er�ffnet und der Kies auf Lastwagen auch noch �ber Albeins abtransportiert werden. Zu alledem solle anschlie�end auf diesem Gel�nde noch Aushub des Brennerbasistunnels abgeladen werden. Wieder �ber Lastwagenkolonnen durch Albeins.
Das war zuviel. Einstimmig bef�rwortete der Brixner Gemeinderat in seiner letzten Februarsitzung die Stellungnahme der Gemeindeverwaltung die sich strikt gegen den Kiesabbau in der direkten Nachbarschaft von Albeins, in Teis, Gemeinde Villn�ss wendet. Als Begr�ndung der Ablehnung wird angef�hrt, dass die B�rger von Albeins bereits durch die stillgelegte Kiesgrube mit ihren immer wieder kehrenden Muren und Schlammlawinen gef�hrdet wird. Da der gesamte Hangzug zwischen Albeins und Nafen vom Zivilschutz als geologisch instabiles Gebiet eingestuft wird, handelt es sich bei einem Kiesabbau in diesem Bereich nicht nur um einen h��lichen sondern auch um einen gef�hrlichen Eingriff in eine bisher so sch�ne Landschaft, die auch Grundlage f�r den Tourismus �Urlaub auf dem Bauernhof�� in Albeins ist - weshalb sich auch die Bauern der Fraktion vehement gegen eine neue Kiesgrube ausgesprochen haben. Der Gemeinderat von Brixen fordert deshalb die Landesverwaltung und die Gemeindeverwaltung von Villn�� auf, die Anfrage nach der Konzession entg�ltig abzulehnen.
Inzwischen war aber auch die Gemeinde Villn�� bereits um Ausgleich und einen Kompromiss bem�ht. Nicht mehr 1 Million Kubikmeter sondern �nur� noch der Abbau von 300 00 Kubikmetern solle genehmigt werden. Zudem solle der Kiestransport nicht mehr n�rdlich �ber Albeins sondern nach S�den teilweise �ber Villn�sser Gemeindegebiet erfolgen. Teilweise aber auch �ber das Gemeindegebiet von Felthurns, was nun den dortigen Gemeinderat auf den Plan rief. Die Kiesgrube w�rde in ihrer ganzen H��lichkeit genau in Sichtweite gegen�ber dem beliebten Ferienort Feldthurns liegen und der Abtransport �ber Feldthurnser Gemeindegebiet die B�rger von Feldthurns nach denen von Albeins am meisten betreffen, meinte Herbert Dorfmann, der B�rgermeister von Feldthurns. Auch im Feldthurnser Gemeinderat zeichnet sich deshalb ein ablehnender Beschluss gegen die Kiesgrube ab.
Um die Gemeinde Villn�ss von ihrem Vorhaben der Genehmigung abzubringen hat k�rzlich eine Abordnung des Brixner Gemeinderates mit B�rgermeister P�rgstaller den B�rgermeister von Villn�ss, Dr. Robert Messner, aufgesucht um das Problem m�glichst einvernehmlich zu l�sen. Die Gemeinde Villn�ss ist ja eigentlich bekannt f�r den sorgsamen Umgang mit ihrem sch�nen Tal, in dem erfolgreich auf sanften Tourismus gesetzt wurde. H��liche Bauten und st�rende Eingriffe in der herrlichen Natur des Tales konnten bisher weitgehend vermieden werden � um so erstaunlicher die Absicht der Kiesgrubenkonzession. Das erkl�rt sich neben der Beteiligung an den Einnahmen wohl� dadurch, dass die Ma�nahme au�erhalb des Tales, sozusagen nach dem Floriansprinzip jenseits der eigenen Sichtweite stattfinden soll.
Der �Brixner� befragte auch den Villn�sser B�rgermeister nach dem Stand der Dinge. Noch nichts sei entschieden � eine in S�dtirol bei solchen Gelegenheiten oft zu h�rende Antwort! - es w�rden zun�chst noch abw�gende Gespr�che im Gemeinderat gef�hrt, denn f�r die am Kiesabbau finanziell beteiligte Gemeinde sei eine Ablehnung der Ma�nahme� eine fogenschwere Einbu�e. Wann die Entscheidung nun entg�ltig fallen kann, sei noch nicht abzusehen. Immerhin m�ssten auch die Gegner der Ma�nahme bedenken, dass dem Antrag der Gemeinde zur Konzession eine eingehende Umwelt-Vertr�glichkeits-Pr�fung (UVP) der Landesbeh�rden im Rahmen der Schotterabbaugenehmigungen vorangehen w�rde. Sollte die UVP positiv ausfallen, dann w�rde die Konzession nur unter strengsten Auflagen mit hoher Kaution zur sp�teren Renaturierung vergeben.
Anmerkung: Ob mit einer solchen Kaution auch die zwischenzeitliche jahrelange L�rm- und Staubbel�stigung der Anwohner, der Entfall des beliebten Wanderweges zu den Teiser Kugeln, die Zerst�rung eines sch�nen Landschaftsteils im Eisacktal und das Ausbleiben von G�sten in Albeins abgedeckt wird ist wohl zu bezweifeln. Alle B�rger m�ssten das ertragen damit ein Unternehmer und die Gemeinde Villn�ss ordentlich Kies machen k�nnen. Auch eine Art des Ausverkaufs der Heimat.
Andreas Gottlieb Hempel
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