�Dresden war eine wunderbare Stadt� schreibt Erich K�stner,1899 in Dresden geboren, in seinem Buch �Als ich ein kleiner Junge war�, und f�hrt fort: �voller Kunst und Geschichte und trotzdem kein von sechshundertf�nfzigtausend Dresdnern zuf�llig bewohntes Museum. Die Vergangenheit und die Gegenwart lebten miteinander im Einklang. Eigentlich m�sste es hei�en im Zweiklang. Und mit der Landschaft zusammen, mit der Elbe, den Br�cken, den H�gelh�ngen, den W�ldern und mit den Gebirgen am Horizont, ergab sich sogar ein Dreiklang. Geschichte, Kunst und Natur schwebten �ber Stadt und Tal, vom Mei�ner Dom bis zum Gro�sedlitzer Schlosspark, wie ein von seiner eigenen Harmonie bezauberter Akkord�. Und: �Wenn es zutreffen sollte, dass ich nicht nur wei�, was schlimm und h�sslich, sondern auch, was sch�n ist, so verdanke ich diese Gabe dem Gl�ck, in Dresden aufgewachsen zu sein. Ich musste, was sch�n sei, nicht erst aus B�chern lernen. Nicht in der Schule, nicht auf der Universit�t. Ich durfte die Sch�nheit einatmen wie F�rsterkinder die Waldluft.�
Ich liebe diesen Vergleich. Es war zwar Krieg aber der schien weit weg, wenn ich in den Birkenw�ldern vor dem gro�elterlichen Haus in Hellerau beim Spiel diese Waldluft einatmete. Diese Luft war zudem durchdrungen vom sommerlichen Geruch der Buschreihen von schwarzen Johannisbeeren im Garten. Omi, die aus L�beck stammte, machte daraus herrliche rote Gr�tze. Oder vom Duft der Cox-Orange-�pfel � heute eine Rarit�t zwischen der S�dtiroler Apfelschwemme! � die Opi z�chtete. Und in der Mitte des Garten stand ein gro�er Walnussbaum. Aus den gr�nen N�ssen wurde im Juni Nusslik�r angesetzt an dem wir Kinder zu Weihnachten nur mal so riechen durften. Daf�r knackten die reifen N�sse unter unseren kleinen Schuhen, wenn wir an die k�stlichen Kerne heran wollten. Hinter dem Nussbaum stand das sch�ne Haus, reiner Bauhausstil, 1928 gebaut. Es ist das einzige private Wohnhaus dieser Art in Dresden, das vor der Blut- und Boden-Architektur der Nazis gegen den heftigen Widerstand der spie�b�rgerlichen Nachbarschaft und der Baubeh�rden entstehen konnte. Vielleicht bin ich �berhaupt nur wegen dieses Hauses Architekt geworden. Seine kubische Klarheit, die Beschr�nkung auf das Wesentliche faszinieren mich noch heute � less is more.
Heute aber � haben wir es nicht erreicht, dieses Haus. Es bl�st ein scharfer Nordwestwind, der den Schirm umknickt. Julia und ich, wir fl�chten vor dem Regen in das Kaffee am Markt in Hellerau. Hier hat sich allerhand getan in den letzten f�nf Jahren. Die h�bschen H�user der Gartenstadt Hellerau � von Heinrich Tessenow und anderen noch vor dem ersten Weltkrieg als Werkssiedlung der Deutschen Werkst�tten errichtet � wurden fein herausgeputzt. In den bisher ruhigen Wohnwegen steht fast vor jedem Haus ein neues Auto. Auch der Marktplatz ist zugeparkt � Parkstadt Hellerau? Auch das bislang versiffte und bisher ungastliche Kaffee wurde unter neuen P�chtern aufgem�belt. Ein Gewinn. Trotzdem sind wir die einzigen Mittagsg�ste. Es gibt Holundersuppe mit in Calvados marinierten Apfelscheiben. K�stliche und in dieser Umgebung ein wenig befremdliche haute cuisine
Wir beschlie�en, die Besichtigung des Hauses meiner Kindheit auf einen Sommertag in der Zukunft zu verlegen und nehmen die Stra�enbahn zur�ck in die Stadt. L�ngst sind die schlanken Hechtwagen � so benannt nach ihrem Konstrukteur � die Omi wegen ihrer modernen Form so liebte, durch Gro�raumz�ge modernster Bauart ersetzt worden. Sie n�hern sich High-Tech fast lautlos und erm�glichen sogar Rollstuhlfahrern einen stufenlosen Zugang. Wir haben eine City-Card. Das Wort �Fahrschein� w�rde den Fortschritt nur ungen�gend bezeichnen. Damit k�nnen wir 48 Stunden im Dresdner Verkehrsverbund (auch so ein neues Unwort!) unterwegs sein. Aber niemand kontrolliert. Wir sind etwas entt�uscht und beschlie�en, die �brigen zw�lf Stunden nach Ablauf der �Cards� schwarz zu fahren. Die Fahrpreise sind �ppig und den neuen Verdienern angepasst. Ein alter Rentner mit Baskenm�tze und bescheidener Kleidung erz�hlt uns, dass man vor der Wende f�r nur zwanzig �Fenniche� �berall hin fahren konnte und dass seine Rente auf seinem Vorwende-Gehalt basiere. Es ist also nicht alles Gold was gl�nzt.
Aber nun vom Anfang dieser Reise: Mein Julchen kannte Dresden noch nicht. Ich als international traveller war dagegen l�ngst in ihrem Geburtsort Eslohe gewesen Wo liegt Eslohe? Bei Meschede � und wo liegt Meschede? Richtig! Im Sauerland. Wir erinnern uns an Bundespr�sident Heinrich L�bke, alter Nazi und ehemaliger Chef im B�ro von Hitlers Architekt Albert Speer, der seine bekannte Rede in Namibia mit den Worten begann: �Geehrte Damen und Herren, liebe Neger!� Er war wohl eher ein Stiefkind des Sauerlandes. Julia dagegen ist ganz anders, ein Sonnenkind � aber das wei� ja nicht nur ich, auch Euch brauche ich das nicht zu erkl�ren. Das Sauerland mit seinen tausend Bergen steht l�ngst als Fr�hlingsreise mit Anemonen und l�wenzahn�bers�hten Wiesen auf unserem Programm, aber das geh�rt nicht hierher.
Nun erst mal nach Dresden, weil ich ja der �ltere bin. Und weil es von DERTour ein spottbilliges Angebot gab. Schlappe 235 Euro pro Person mit ICE von Stuttgart, City-Card und vier �bernachtungen incl. Fr�hst�ck im Viersterne-artotel am Kongresszentrum hinter der Semperoper. Am 17. Dezember hatte ich meine Abschlussvorlesung an der Hochschule f�r Technik in Stuttgart. Noch eine Nacht im l�rmigen Intercity-Bahnhofshotel und dann vom 18. bis 22. Dezember nach Dresden.
Wir �bergehen die DB-�blichen Versp�tungen und Umleitungen, mit mangelnder Auskunft und ausgefallenem ICE wg. Radreifenproblemen, die uns unvorhergesehener Weise einen Zwischenaufenthalt in Leipzig bescherten. Die Stunde Wartezeit auf den n�chsten Anschluss nach Dresden nutzten wir zu einem Spaziergang durch den Bahnhof. Dessen gewaltige historische Hallen waren im Zuge der versprochenen bl�henden Landschaften in ein riesiges Kaufhaus mit Gleisanschluss verwandelt worden. Gl�serne Aufz�ge verbinden nun eine dreigeschossige Shoppingmall unter der Verteilerhalle vor den Gleisen. Alles war sehr geschmackvoll vorweihnachtlich beleuchtet. Staunend wie die Provinzler schlenderten wir durch die L�den in denen alle Marken und Labels vertreten waren. Schlie�lich landeten wir in einer mond�nen Bierbar, von der man aus angemessener H�he die riesige Eingangshalle mit ihren Gesch�ften und den sich dr�ngenden Menschenmassen �berblicken und sich dabei Maisels Dampfbier einf�llen kann. Allein wegen des umgebauten Bahnhofes, dessen Verkehrskathedrale vor dem Ersten Weltkrieg einmal der gr��te Deutschlands war, lohnt sich ein Abstecher nach Leipzig. Schlie�lich kommen wir doch noch im Bahnhof Dresdner Neustadt an. Es ist stockfinster.
In der regentriefender Dunkelheit erkannten wir bald, dass keine Taxis zur Verf�gung standen. Wir patschten mit den Rollenkoffern und eingezogenen K�pfen �ber den neu gestalteten Bahnhofsplatz zu sch�n designten Warteh�uschen. Dort stand schon die Tram Nr. 11 und nahm uns zwei Stationen mit. Eine ausnehmend freundliche Dresdnerin sorgte sich um uns Fremde, stieg mit uns aus, erkl�rte uns, wie man bei gr�ner Ampel die Zebrastreifen �berquert und dass unter der gegen�berliegenden gigantischen Leuchtschrift �Hotel� sich unser gesuchtes �artotel� bef�nde. Wir �berquerten folgsam und trafen in der Hotelhalle auf ein riesiges aufgeschnittenes gelbes Ei in dem uns ein ebenfalls designtes M�del entgegennahm und f�r alles weitere eine Magnetkarte �berreichte.
Designhotel � �berall Bilder von a.r.penck. Sie bestehen in der Hauptsache aus schwarzen Strichm�nchen mit gewaltigen Schw�nzen vor grellen Farbflecken. Sie treten inflation�r auf. Am n�chsten Morgen sehen wir, dass auf der Geb�udespitze des auf dreieckigem Grundst�ck zwischen Maxstra�e und Ostraallee errichteten Hotelbaus ein �berdimensionales Penck-Strichm�nnchen mit baumelndem Riesenpenis steht, der den weniger designbewussten Dresdnern ein Dorn im Auge ist � ein Sittenstrolch, weithin sichtbar von der Semperoper, dem Kongresszentrum und dem Erlweinspeicher. Na sowas!
Zur�ck ins Zimmer. Zun�chst sind wir total begeistert von dem gro�en Raum. Der l�uft vorne spitz zu, denn wir sind im vierten Stock �ber dem Stra�endreieck. Eine raumhohe Fensterwand trennt uns fast schalldicht von der Umwelt. Daf�r rauscht die Klimaanlage. Vor der Fensterwand, die in der Raumspitze endet, ein Tisch, der �ber ein Edelstahlrad auf einer in den Boden eingelassenen Schiene sich so verschieben l�sst, dass � oh Designwunder! � tats�chlich sich zwei Menschen nacheinander auf scharfkantige Designerst�hle in der Enge des Dreiecks setzen k�nnen. Wir verzichten w�hrend der vier Tage darauf. Auf der Edelholzplatte des Tisches eine aufgestellte Gru�karte des Hotels. Dahinter drei Mineralwasserflaschen mit Preisschildern: die gr��ere 5.70 �, die mittlere 3.00 � und die Miniflasche gro�z�gigerweise umsonst. Ein Designergestell erinnert an das Knochenger�st einer ausgestorbenen Dinosaurierspezies und tr�gt einen Fernseher in der Gr��e einer Kleinwagengarage. Davor zwei knallrote, gigantische Sessel, die sich sofort als hinterh�ltige Falle entpuppen: beim Probesitzen klappen sie fernseheinschlafgerecht nach hinten. Aufstehen ist nur mit externer Hilfe m�glich. Wir haben w�hrend der vier Tage nicht ferngesehen. �brigens gibt es noch einen weiteren kleineren Fernseher, eingelassen zusammen mit der Minibar in der Schrankwand gegen�ber dem Bett � f�r diejenigen, die im Bett Pornos sehen wollen.
Die Schrankwand quillt vom Flur schwungvoll ins Zimmer. So riesig sie aussieht, so wenig geht hinein. Dort, wo gerade ein paar Kleider an B�gel geh�ngt werden k�nnten ist es stockfinster. Der Gast fummelt verzweifelt herum bis er einen der diebstahlsicheren B�gel aus der Plastikh�ngevorrichtung herausgepopelt hat. Dann f�llt die Chose mehrfach runter bis man den Einh�ngeschlitz schlie�lich wiedergefunden hat. Design oder nicht design ist hier die Frage.
�berhaupt die Beleuchtung! Sie l�sst sich nur anschalten wenn man im Dunkeln einen Schlitz (schon wieder!) ertastet hat, in den man die Karte zum T�r�ffnen hineinstecken muss. Nach dem dritten Versuch, einmal die Vorderseite, dann die Hinterseite und schlie�lich umgekehrt, strahlt Licht auf. �ber jedem Bett eine Autolampe mit eingeschaltetem Fernlicht. Das sind die Nachttischlampen, die jede kuschelige Romantik schon im Ansatz unterbinden und jeden noch so kleinen Pickel erbarmungslos hervortreten lassen. Vor der Fensterwand h�ngt eine umgekehrte silberne Glocke, aus der ein Tempotaschentuch dem Gast mittels rauschendem Luftgebl�se entgegenwedelt � zu Begr��ung, wie uns Design-Ignoranten sp�ter von der Rezeption geduldig erl�utert wird. Es dauert etwas bis wir den Schalter gefunden haben um diesen ger�uschvollen Unfug abzustellen. Daf�r ist inzwischen der Sonnenschutz heruntergegangen. Wir werden ihn vier Tage nicht brauchen und vier Tage bleibt es d�mmrig im Zimmer weil wir ihn nicht wieder hochbekommen. Immerhin ein Vorteil, dass uns niemand beobachten kann wenn wir splitternackt hinter unserem raumhohen Schaufenster herumlaufen, z.B. ins Bad.
Das Bad ist sonnig gelb mit blauen Punkten gefliest. Durch ein Fenster k�nnte man vom Flur hineinschauen wenn es nicht mit Mattglas verschlossen w�re. Dar�ber steckt eine Plastikorchidee in einem Edelstahlreagenzglas. Am dritten Tag gelingt es uns sie per Zufall �ber einen der zahllosen Schalter zu beleuchten als wir wieder einmal versuchten den Sonnenschutz hochzufahren. Bidet gibt es keins, die deutschen G�ste waschen sich offenbar nur das n�tigste im freistehenden Waschtrog vor einem wandhohen Spiegel, den man nach jedem H�ndewaschen komplett abtrocknen muss. Das Gelbe vom Ei im gelben Bad ist jedoch die eierf�rmige Badewanne, die � schr�ggestellt � viel Platz wegnimmt ohne das zwei Personen so richtig bequem drin sitzen k�nnen. Daf�r verf�gt sie �ber zwei Handbrausen, deren eine defekt ist und die andere so h�ngt, dass im Fliesendreieck zwischen Wanne und Raumecke noch ein zus�tzlicher Ablauf angebracht werden musste. Dennoch steht dort mangels Gef�lle immer das Wasser und bildet zusammen mit dem dauerelastischen Kitt der Verfugung eine h�bsche Schimmelkolonie. Design lebt! Auch wenn es ein wenig unpraktisch ist.
Wir sind zu m�de um noch in ein weniger designtes daf�r aber gem�tliches Restaurant auszugehen. Also Abendessen unten im Restaurant, das den Charme einer Betriebskantine verstr�mt � nat�rlich h�ngen auch dort reichlich schwarze Strichm�nnchen mit teilweise tropfendem Gem�cht. Kein Wunder, dass wir die einzigen G�ste sind. Die anderen sind wohl in den dunklen Regen hinaus gefl�chtet oder haben sich anregen lassen und vergn�gen sich schon im Designerbett. Wir sitzen vor roten bodenlangen Vorh�ngen hinter denen Stapelst�hle verstaut sind und f�hlen uns wie in der Statistenkabine einer Volksb�hne. Da wir allein sind werden wir von einer etwas hilflosen Blondine �berm��ig wenn auch nicht sehr professionell bedient.
Fr�hst�ck gibt es vom ewig reichhaltigen Buffet wahlweise in diesem optischen Gefrierschrank mit den �berdimensionierten Badehandt�chern, die zur akustischen D�mmung an Stangen von der Decke baumeln oder im �hnlich ungem�tlichen plastikgepolsterten Caf� neben dem Foyer, wo ein mit bl�ulichen Elektrokerzen designter Weihnachtsbaum eine frostige Stimmung verbreitet. Wer Bistroatmosph�re einatmen will begibt sich in ein dazugeh�riges Schnellrestaurant direkt neben dem von au�en gut einsehbaren Fitness-Studio, in dem sich verschwitzte JungmanagerInnen in schlabbrigen Trainingsanz�gen an den �blichen Marterinstrumenten abqu�len. Das f�rdert den Appetit im roten Designbistro, wo zwei s�chselnde Jungblondinen eine schon l�ngst vergessen geglaubte DDR-Grenzer-Unfreundlichkeit verbreiten. Vielleicht ist es hier deshalb st�ndig g�hnend leer trotz aller westlichen Designbem�hungen.
Die Vier-Sterne-apartotel-Designerwelt treibt uns rasch hinaus. �ber mehrere verkehrsbr�llende Stra�enkreuzungen und unter den S-Bahngeleisen hindurch erreichen wir im str�menden Regen das Krankenhaus in der Friedrichstadt. Es liegt gegen�ber dem Geburtshaus von Ludwig Adrian Richter, an den eine Bronzeplakette erinnert. Eigentlich wollte ich in das benachbarte Caf� Friedrichstadt, das zum gleichnamigen Hotel geh�rt, in dem ich beim letzten Dresdenaufenthalt wohnte. Aber es ist alles geschlossen obwohl innen Licht brennt. Ein offensichtlich arbeitsunlustiger Mitarbeiter winkt l�ssig ab. So gehe ich mit Julia in die HNO-Abteilung des Krankenhauses wo ihre beginnende Mittelohrentz�ndung freundlich, kompetent und Gottseidank erfolgreich behandelt wird. Gerade hatte sie eine Mittelohrentz�ndung auf dem rechten Ohr mit viel Antibiotika �berstanden. Hier gelang es, den Anf�ngen auf dem linken Ohr mit einem Inlay erfolgreich zu begegnen. Dann aber rasch los mit der Stra�enbahn zum Altmarkt. Wir essen ein leckeres S�ppchen im Tr�delcaf�, das mit originellen Gegenst�nden auf sympathische Weise randvoll gestopft ist w�hrend drau�en der Regen rauscht.
Die Stadtrundfahrt auf dem Oberdeck des roten Busses entwickelt sich zu einer interessanten Unterwasserfahrt. Der Fremdenf�hrer entpuppt sich als eine Art literarischer Kabarettist, dessen Texte einem Erich K�stner alle Ehre gemacht h�tten. Sp�ter unterhalten wir uns im Caf� der Molkerei Pfunds und es stellt sich heraus, das dieser Hobbyliterat nur gelegentlich aus Freude an der Sache den Fremdenf�hrer spielt. Er ist so alt wie ich und erinnert sich ebenfalls an die Schrecken der Zerst�rung Dresdens am Aschermittwoch 1945. Es ist eine sehr sympathische Begegnung mit einem humorvollen und kritischen Dresdner des alten Schlags. Die Rundfahrt �berrascht uns mit vielen blitzblank renovierten Altbauten � vor allem bei den Villen in Blasewitz � und zahlreichen Neubauten. Vieles erscheint fast schon zu perfekt, bisweilen auch aufgedonnert. Manchmal w�re auch Weniger Mehr. H�ufig bl�ht sich westdeutsche Investorenmentalit�t zwischen �berresten vergammelter DDR-Zeiten � eine merkw�rdige gesamtdeutsche Mischung aus Design, Schein und armseligem Sein. Der Bus h�lt wieder am Altmarkt und wir geraten in den Striezelmarkt.
Hier kaut jedermann auf Th�ringer Bratw�rsten herum und schluckt Gl�hwein aus Pappbechern. Die feuchte Luft ist fettqualmumwabert und Stille-Nacht-Heilige-Nacht durchklimpert. Die weihnachtskitschbeh�ngten Holzh�tten der Anbieter von Stollen, Erzgebirgsengel und asiatischen Plastikweihnachtsm�nnern aus den Billigproduktionsl�ndern haben sich vom Altmarkt aus krebsartig durch die neue Altstadt gefressen und vermitteln eine Art Oktoberfeststimmung. Im derzeit mit Planen verh�ngten Georgenhof des Wettinerschlosses stehen die Gl�hweinvernichter bis zu den Kn�cheln im Schlamm. Hier sei der Original-Striezelmarkt, wird behauptet. Tats�chlich sind die Verk�ufer in mittelalterlicher Tracht verkleidet w�hrend amerikanischer Gospel aus den schrankgro�en Lautsprechern so laut dr�hnt, dass sich die echten Trachtentr�ger auf dem F�rstenzug hinter der Mauer die Ohren zu halten m�ssen damit keine Mosaiksteinchen aus der Wand fallen. Julchen kauft noch schnell einen Herrenhuter Zusammensteck-Stern mit Innenbeleuchtung, dessen Kunststoffteile wir sp�ter in Brixen unter Aufopferung aller Fingern�gel zusammensetzen werden. Dann fliehen wir in die Frauenkirche.
Die Dresdner Frauenkirche mit ihrer f�r die Silhouette Dresdens so charakteristischen Kuppel wurde 1722 begonnen und 1743 � sechs Jahre nach dem geheimnisvollen Tod ihres Erbauers George B�hr � die Legenden reichen vom Selbstmord bis zur Ermordung durch den Konkurrenten Chiaveri - fertiggestellt. August der Starke, der Auftraggeber, war bereits 1733 gestorben. Auch er hat die Kuppel nicht mehr erlebt. Diese Kuppel war eine statische Rarit�t und immer einsturzgef�hrdet. Sie erhielt 1934 einen Ringanker aus Beton zur Stabilisierung. Dem 14-st�ndigen Luftangriff am 13. Februar 1945 von 800 Bombern der Amerikaner und Engl�nder hielt sie zun�chst stand. Sie war am 14. Februar von der Terrasse unseres Hellerauer Hauses noch sichtbar. Ich erinnere mich an Omis Ausruf: �Gottseidank steht die Frauenkirche noch!� Aber schon am 15. Februar sackte sie in sich zusammen, ausgeh�hlt vom Feuersturm, der nicht nur das Mobiliar entz�ndet hatte sonder auch das in der Krypta eingelagerte Filmarchiv der Nazis explodieren lie�. �Auferstanden aus Ruinen� lautete die Nationalhymne f�r die sog. DDR von Johannes R. Becher. Durch den Wiederaufbau, dessen Kosten von rund 200 Mio. Euro auch durch Spenden von zahllosen Menschen aus vielen L�ndern mitgetragen wurden bekommt dieser d�mliche Kommunistensong endlich einen Sinn. Hatten doch Ulbrich & Co. 1959 einen gro�en Teil der Ruine abtransportieren lassen um einen Parkplatz f�r Regierungsfahrzeuge zu schaffen. Immerhin blieben noch so viele von den Tr�mmersteinen �brig, dass rund die H�lfte des Wiederaufbaus damit errichtet werden konnte. Eine Meisterleistung!
Die vorweihnachtlich gestimmten Menschen dr�ngten sich im Kirchenraum und in der Krypta, die 2004 durch das Hochwasser der Elbe �berschwemmt wurde. Die Spuren sind noch an den W�nden zu erahnen. Sonst ist alles so neu und sch�n, wie es wohl niemals war. Geschichtstr�chtige Patina l�sst sich eben nicht kaufen. Nur die B�nke sind von so protestantischer Kargheit, dass man es nicht l�nger als zehn Minuten darin aush�lt. Dann wird man sowieso von der Menschenmenge wieder ins Freie gesp�lt. Dort erwartet uns der merkw�rdige Architekturmix der neuen Altstadt. Abgerissen wurden zun�chst die grauenhaften Betonkisten mit den goldgl�nzenden Sonnenschutzfenstern des ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaates. Leider blieb der scheu�liche Kulturpalast von dieser Architekturs�uberung bisher verschont.
Neu gebaut wurde auf der Struktur der ehemaligen Barockstadt. In den alten Grundst�cksgrenzen entstanden B�ro- und Gesch�ftsh�user teilweise mit sogenannten �Toupetwohnungen� (Wohnungen in den Dachgeschossen f�r exklusive Mieter oder steinreiche K�ufer). Die alten Bauvolumina wurden ma�st�blich gewahrt, die Details aber bem�ht modern gestrickt bisweilen aber auch mit Barockschn�rkeln nach alten Fotos garniert. Eine seltsame Mischung, die irgendwie artotelm��ig wirkt. Oder wie eine �berschminkte Dame aus nicht ganz so gutem Hause. Die Funktionen sind von Kopf bis Fu� auf shopping eingestellt. In den Bl�cken dr�ngen sich die �ber Durchg�nge erreichbaren Labell�den die heute in jeder Shopping-Mall von Flugh�fen oder Touristikdestinationen zu finden sind. Mitbringsel einzukaufen � das lohnt sich nicht mehr. Das Zeug von Aigner �ber Gucci bis Zanetti ist inzwischen �berall erh�ltlich. Globalisierte Langeweile zu H�chstpreisen. Dresdens neue Altstadt ist also eine touristische Einkaufsmeile im artotel-Design geworden.
Eine der ehemals elegantesten Einkaufstra�en Europas war wohl die Pragerstra�e. Sie wurde vor dem Krieg in einem Zuge mit den Champs-Elys�e und der Via Veneto genannt. Auch hier brachten es die Arbeiter und Bauern unter der F�hrung des ersten kommunistischen Oberb�rgermeisters zu bemerkenswerter und weitl�ufiger Ein�de beim Wiederaufbau. Alle Spuren der ehemaligen Altstadtstruktur wurden radikal gel�scht und im Sinne des sozialistischen Zukunftsmenschen neu erdacht. Die l�ngste Plattenwohnbauanlage entstand - sozialistischer Rekord im Wohnknastbau! � ein Kaufhaus mit einer Alufassade im Waffeleisendesign und ein �der Hochhaustyp, der wie ein schlechter Witz gleich mehrfach, in diesem Fall viermal, erz�hlt werden musste weil niemand lacht. Dazwischen weitl�ufige und zugige Platzr�ume mit flachen Wasserbecken und Plastiken im Stil des sozialen Realismus der kleinb�rgerlichen Spie�er. Einfach nur grauenhaft �de aber genau passend zur Ossi-Freizeit. Die sa�en dann dort auf den B�nken und beobachteten ihre Nachbarn � IM Stasi l��t gr��en!
Immerhin hatte die Auferstehung aus Ruinen soviel Platz zwischen den Plattenbauten gelassen, dass die Wessi-Investoren noch ordentlich was dazwischen bauen konnten. Und das taten sie in den letzten Jahren mit den Bauherren Deutsche Bank, Karstadt, Hertie, W�rth und allen, die im Sch�ner-Kaufen-Land Rang und Namen haben. Dazu noch einen Betonbunker mit Fu�abtreterverkleidung: Ein Multiplex-Kino mit 4.500 Sitzpl�tzen der Architekten Co-op Himmelblau aus Wien. Ein richtiger Architektur-Schm�h, der die gleiche Tristesse ausstrahlt wie fr�her die nun meist w�rmeged�mmt verkleideten Hochhausplattenbauten, in denen jetzt Hotels mit tausenden von Betten und einigen teuren Bars f�r die happy-hour untergebracht sind. Irgendwas mit Plaza, Best-Western und King-Size. Man kann sagen, dass die Wiener Architekten durchaus den Stil der Fr�hlichkeit der Massen getroffen haben, die heute mit meist h�ngenden Lefzen unzufrieden durch die sch�ne neue Einkaufswelt des mittleren Preissegments schieben und nach Schn�ppchen suchen. Dazwischen gibt es wieder Th�ringer Bratwurst (�folgen Sie dem Geruch!�) und nasse Fischsemmeln bei Nordsee (besonders lecker bei nasser K�lte).
Mit vom Wind gebeuteltem Familienschirm, 10 � bei Kaufhof, erreichen wir den Wiener Platz. Dort ist gegen�ber dem Hauptbahnhof ein Gesch�ftshaus entstanden mit einer mittigen Glaskugel, die �ber alle Geschosse geht. Mit einem gl�sernen Aufzug erreichen wir den obersten Stock dessen gerundete Glashaut gerade vom Regen gewaschen wird. Darunter befindet sich eine �Sky-Bar�. Ledersessel vom Feinsten. Aber kein Service. Daf�r feine Klos zum l�ngeren Verweilen mit Blick auf den Hauptbahnhof. Den hat der britische Stararchitekt (man g�nnt sich ja sonst nichts!) Sir Norman Foster mit wei�en Trevirafolien �berspannt � nicht schlecht! Darunter kommen gerade gr�lende Fu�ballfans in Sonderz�gen an. Irgendein Lokalderby. �berall Polizei mit gez�ckten Schlagst�cken und z�hnefletschenden Sch�ferhunden. Wir fl�chten hinaus in den Regen und quetschen uns � misstrauisch be�ugt � durch die Mannschaftswagen der Staatspolizei.
Dann stehen wir vor der Villa Liebigstra�e 7. Ich zeige Julia das Fenster, das bis 1928 das Kinderzimmer meiner Mutter war. Dann wurde das Haus an den Gyn�kologen Prof. R�bsamen verkauft und Mami bekam ein neues Zimmer im Haus Hoher Weg 11 in Hellerau. �brigens ist die 11 nach numerologischen Gesetzen meine Lebenszahl � und auch die von Julia. Die 7 war schon immer meine Gl�ckszahl. Ich wurde nicht nur in der Liebigstra�e Nr. 7 im ehemaligen Kinderzimmer meiner Mutter mit Beistand von Prof. R�bsamen auf diese Welt bef�rdert. Julia ist auch noch am 7.7. geboren. Wir staunten also die 7 in der Liebigstra�e an, fotografierten uns trotz Sturm und Regen auf der kleinen Br�cke �ber dem T�mpel im Park des Hauses und z�hlten noch die neuen Bewohner an den Klingelschildern. Es sind jetzt 7. What else.
Am Hauseingang der Prachtvilla wurde eine Bronzetafel angebracht auf der nicht etwa der Name des Erbauers der repr�sentativen Villa, des k�niglich-s�chsischen Hofjuweliers Konsul Chrambach � meines Urgro�vaters steht. Er gab im Ersten Weltkrieg dem kriegf�hrenden Kaiserreich Gold f�r Eisen und verlor sein gesamtes Verm�gen durch die Inflation. Auf der Tafel steht vielmehr zu lesen: �Villa R�bsamen. Hier befand sich von 1959 bis 1987 die Frauenklinik der bekannten Dresdner Frauen�rztin Frau Sanit�tsrat Dr. med. Ursula R�bsamen�. Sicher eine stramme Kommunistin mit Karrierelaufbahn. Der Dank des Vaterlandes f�r das geliehene und nie zur�ckgezahlte Gold bestand 1944 im Zwangsaufenthalt meines Gro�vaters im KZ Buchenwald, den er nicht lange �berlebte.
Alles das ging uns durch den Kopf und schlie�lich weinten wir ein bisschen. Es fiel den vorbeihastenden Passanten im Regen nicht weiter auf. Wir spazierten weiter zur Endstation der Linie 8. Mit breitem Grinsen fuhr der Fahrer ab als wir noch an die sich gerade schlie�enden automatischen T�ren klopften. Ordnung muss sein und wer zu sp�t kommt, den bestraft das Leben in der Hausmeister und Schaffnerrepublik. Das war nun schon der zweite kundenfreundliche Akt dieser Art � da hilft auch keine hochvornehme City-Card sondern vielleicht nur der Austausch der ordentlichen Deutschen gegen freundliche ausl�ndische Kr�fte. Immerhin konnten wir eine Viertelstunde sp�ter quer durch die ganze Stadt nach Hellerau gondeln. Zur Holundersuppe mit Calvados im Kaffee am Marktplatz.
Das graud�ster blasende Regenwetter trieb uns zur�ck in die Tram Nr. 8. Wir stiegen am Albertplatz aus und qu�lten uns durch Bratwurstwolken und Gl�hweinstr�me des �ber die Elbe bis in die Neustadt �bergeschwappten Striezelmarktes bis zum frisch vergoldeten starken August der hoch zu Ro� am Eingang der Neustadt dieses Vorweihnachtselend k�hn �berblickte. Rechts und links von ihm hatte man den Plattenbaufassaden die Haut abgezogen und verpasste ihnen nun Kaisers neue Kleider. Edle Glasfassaden werden den bislang trostlosen Loggien vorgeblendet. Dahinter wird ein wenig Platz geschaffen f�r teures Residieren in innerst�dtischen Kleinstwohnungen. Die Neumieter oder K�ufer werden aber � soweit Ihnen dann noch Geld �brig bleibt � nicht wissen, wo sie ihre schweren Gel�ndewagen parken sollen. Tiefgaragen und Parkpl�tze gibt es ja keine. Aber vielleicht r�umt ja bereits die n�chste Flutwelle mit den Cayennes und Jeeps auf.
Die Neustadt ist jetzt mit einem ziemlich d�steren, dunkelrot gefliesten Tunnel unter der autobahn�hnlichen Uferstra�e zu den Regierungsgeb�uden mit der Augustusbr�cke verbunden. In Zonen-Zeiten hie� sie: Dimitroffbr�cke. A.d.Starke soll beim Anblick h�bscher M�del auf der Br�cke seinen Kutscher angewiesen haben: Die mit druff! � auf die Kutsche und ab in die k�niglichen Gem�cher. August muss wohl �ber die ausgepr�gteren Teile der schwarzen Strichm�nnchen von a.r.penck im artotel verf�gt haben und sich h�chstpers�nlich um die Vermehrung seiner Untertanen gek�mmert haben!
Wir dagegen haben Karten f�r das Gr�ne Gew�lbe auf dem stark �berteuerten Schwarzmarkt ergattert und m�ssen uns p�nktlich einfinden. Es d�rfen nur hundert Besucher gleichzeitig in die grandios wieder hergestellten acht R�ume mit dem bedeutendsten Kronjuwelenschatz Europas. So ist es nicht �berf�llt und �ber ein telefonartiges H�rger�t, das jeder mit auf den Weg bekommt, werden die beeindruckenden Sammlerst�cke ausf�hrlich erkl�rt. Wir sind begeistert und tief beeindruckt, dass diese Sch�tze zu gro�en Teil den Feuersturm der Bombennacht, die Gier der pl�ndernden Roten Armee und den Kr�mergeist der Zonie-Politiker �berstanden hat. Die eisernen Fensterl�den haben das Feuer abgehalten aber die gr��ten Sch�den sind durch das durchtropfende Wasser in der Ruine des Schlosses entstanden. Die Russen haben nat�rlich die verbliebenen Preziosen eingepackt und mitgenommen. 1958 wurden sie mit schmatzendem sozialistischen Bruderkuss zur�ckgegeben und fanden zun�chst im Albertinum ihren Platz. Dort habe ich sie auch zum letzten Mal gesehen. Aber jetzt in den original wieder hergestellten R�umen!
Dann gibt�s nach altem s�chsischen Brauch �Gaffe un Guchen� im Coselpalais. Gut hatte es die Gr�fin Cosel dort als sie - noch jung und sch�n - die Geliebte des K�nigs war. Immer Gl�hwein und Stollen � so wie wir heute. Und Eierschecke! Aber als sie dann einschrumpelte, zu intrigieren begann und eine adlige Zicke wurde, da verbannte sie der wohl alterslose und starke August auf die Festung K�nigstein wo sie verbittert starb.
Immerhin das Palais gibt es wieder, ein Schlaraffenland f�r Kakao, Baumkuchen und �g�stlische� Kleinigkeiten. Auch der �berteuerte s�chsische Wein ist glasweise zu haben. Gut ist er ja geworden. Wir verschnaufen zwischen nassen M�nteln und sehr viel ostdeutschem Blondhaar in Begleitung erfolgreicher M�nner vom Consultingtyp, nippen am trocknen M�ller-Thurgau und sinnen dem Reichtum des Gr�nen Gew�lbes nach. Welche Handwerkskunst, welche Kultur, welche Feinheit der Bearbeitung, welch Geschmack! Und was bringen wir heute vergleichbares hervor? Gel�ndewagen mit 550 PS, unaufh�rlich klingelnde handys und Laptops, deren st�ndige Softwarewechsel uns allm�hlich rasend machen. Was m�ssen die Menschen vor 250 Jahren f�r Zeit gehabt haben - ohne SMS, e-mails und websites. Kriege gab es genauso wie heute und die Herrschenden haben die Strau�eneier aus dem Schwei� der Leibeigenen mit Diamanten besetzen lassen.
Gro�e, fein ziselierte Gold- und Silberschalen mussten wieder eingeschmolzen werden um daraus M�nzen f�r die S�ldner im Krieg gegen den Preu�enk�nig zu schlagen, der deshalb nur der �Gro�e� hie�, weil er wie alle �Gro�en� Staatslenker nur Krieg, Elend und gro�e Verw�stungen �ber seine armen Untertanen brachte. Wegen seines dilettantischen Quergefl�tes hat der kleine schwule Friedrich sicher nicht diesen Beinamen erhalten. Nur weil er schlie�lich durch den Tod Katharinas (der durch ihre Grausamkeiten ebenfalls �Gro�en� deutscher Herkunft) mit Gl�ck seinen siebenj�hrigen Krieg gewonnen hat. Damals wurde Dresden schon einmal heftig zerst�rt und die preu�ischen Geschichtsoberlehrer haben ihren Milit�rdiktator so benannt. Nicht auszudenken, zu welcher Gr��e der ebenfalls schwule Adolf Hitler aufgeblasen worden w�re, wenn Preu�en seinen letzten Krieg gewonnen h�tte. Daf�r ist es aber dann von der Landkarte verschwunden � wenn auch mit ihm nicht alle unbelehrbaren Neonazis � aber Sachsen gibt es noch immer. Auch wenn die s�chsichen Vopos in der DDR die besten Mauersch�tzen abgegeben haben. Aber das ist wieder eine andere Geschichte aus dem Reich der falschen Fuffziger.
Mein Vater hat diesen Ausdruck gepr�gt, als ich mich um eine Professur in Dresden bewerben wollte: �Du willst doch nicht etwa zu den falschen Fuffzigern ziehen?� Meine Pl�ne zerschlugen sich sehr schnell, als ich zur Geburtstagsfeier des damaligen Architekturdekans der Technischen Universit�t Dresden eingeladen wurde. Der Dekan suchte um Unterst�tzung beim BDA nach, dessen Pr�sident ich damals gerade war. Seine Absicht war es, die alte Professorengarde aus DDR-Zeiten � inzwischen alles �vigilante� (frz. sprich: fischelante = wachsame, schlaue, sich durchman�vrierende) Wendeh�lse � bei der westlichen Neuorientierung der TU weiter in Amt und W�rden zu best�tigen. Daf�r sollte mir eine Stelle als Prof. angeboten werden. Die Geburtstagsfeier fand in den R�umen der Architekturabteilung statt. Es gab Schnittchen, von den Sekret�rinnen geschmiert und herumgereicht. Wie im Westen. Dazu Rotk�ppchen-Sekt, damals im Westen noch was Neues, inzwischen der meistverkaufte Deutsche Sekt. Wird in Freiberg hergestellt und hei�t nicht wegen des M�rchens so, sondern wegen seiner roten Aluh�lse. Der Unterschied zum Westen war nur die Gesangseinlage zu vorger�ckter Stunde. Von den Sekret�rinnen wurden Bl�tter mit den Texten sozialistischen Liedguts verteilt und alle gr�lten los. Ich fuhr zur�ck ins Hotel und wusste genau, dass ich nicht dazugeh�ren w�rde. Der Dekan wurde sp�ter der erste Pr�sident der s�chsischen Architektenkammer � immer auf der richtigen Seite. Er erhielt auch sein zwischenzeitlich konfisziertes Wohnhaus im Weinberg unter dem Wei�en Hirsch zur�ck, musste aber der westlichen Erbengemeinschaft einen angemessenen Kaufpreis zahlen. Seine Lebensgef�hrtin brachte ihre Erfahrungen und Beziehungen in eine westliche Architektengemeinschaft ein, die damit nicht schlecht fuhr. Gott habe ihn seelig � deutsche Lebensl�ufe.
Wieder auf den Schwarzmarkt: Die Semperoper ist wie immer ausverkauft. Offenbar geht ein gr��eres Kontingent an fischelante Zwischenh�ndler. Jedenfalls wurde ich vom Tourismusb�ro in der Schinkelschen Hauptwache am Opernplatz auf einen Herren im gelben Ostfriesen-Nerz verwiesen, der im Haupteingang des Opernhauses weithin sichtbar stand. Tats�chlich bot er uns mehrere Sitzplatzm�glichkeiten an. Angesichts der um das dreifache erh�hten Preise entschieden wir uns f�r zwei �H�rpl�tze�, dritter Rang rechts. H�rpl�tze sind, wie der Name schon sagt, Sitzpl�tze auf denen man nichts sieht � dank der genialen Konstruktion der R�nge von Architekt Gottfried Semper. Von diesen Pl�tzen kann man zwar in die K�nigsloge sehen aber nicht auf die B�hne, es sei denn man stellt sich � was die dahinter Sitzenden nicht sonderlich sch�tzen. In den Zeiten der s�chsischen K�nige war diese Betrachtungsweise des Operngeschehens sicher wichtig. Wir dagegen fanden die geldigen Proleten, die sich in der ehemaligen K�nigsloge mit ihren aufgedonnerten Begleiterinnen produzierten nicht sonderlich sehenswert. Da w�ren die silberbeschlipsten Funktion�re der SED noch komischer gewesen. Beide aber haben oder hatten etwas gemeinsam: sie kommen zu sp�t, werden trotzdem eingelassen, alle werden so auf sie aufmerksam.
Dieser Jahrmarkt der Eitelkeiten � auch jener in der ersten Reihe Parkett, wo sich die Besucher erst dann setzen, wenn alle sie gesehen haben und der Dirigent eintrifft � drehte sich diesmal um Humperdincks �H�nsel und Gretel�. Wir waren auf die romantische Musik gespannt aber unsere musikalischen Erwartungen wurden weit �bertroffen � das Orchester war einfach fabelhaft und musizierte wie ein Mann/Frau ohne Tadel. Der Clou war aber eine m�rchenhafte Inszenierung im wahrsten Sinne des St�ckes! Soviel Charme, Fantasie und �berraschende Einf�lle hatten wir nicht erwartet! Auch wenn wir weit �ber die Br�stung gelehnt nur die halbe B�hne sehen konnten waren wir restlos fasziniert.
Dar�ber konnte man alles andere an Unbequemlichkeit dieses architektonisch weit �bersch�tzten kitschigen Opernhauses vergessen. Wer einmal etwa in der Oper von Sydney war � dem Meisterwerk des d�nischen Architekten J�rn Utzon � in der man von allen Pl�tzen die B�hne ganz �bersieht und deren Akustik ebenfalls makellos ist, wird verstehen, was gemeint ist. Auch wenn er mal in der Pause aufs Klo muss und/oder sich ein Gl�schen g�nnen m�chte. In der Semperoper geht nur das eine oder das andere. Keine der blasierten platzanweisenden M�dels wei� etwa wo die versteckt angeordneten und sich dann als total �berf�llt erweisenden Toiletten befinden. Sie helfen andererseits auch nicht der Bardame, die im Einfraubetrieb es nicht schaffte, allen geduldig Anstehenden noch vor dem Pausenl�uten ein klitzekleines Glas Sekt-Orange zu Schwarzmarktpreisen einzuschenken. Diese wohl nur zu dekorativen Zwecken eingestellten und kost�mierten arroganten Dummchen haben wohl am besten von ihren noch DDR-Eltern die Inkompetenz der Arbeitsunwilligen gelernt. Basta!
Danach � husch, husch � durch den Regen hin�ber ins Italienische D�rfchen. Im Erdgeschoss tote Hose um diese Zeit. Aber im Obergeschoss, in das wir uns schlie�lich hinauf verirrten, waren im Restaurant �Bellotto� fast alle Tische besetzt. Dennoch fand die wirklich sehr professionelle Bedienung noch ein sch�nes Zweiertischchen unter Palmen f�r uns. Und es gab italienische K�stlichkeiten vom Allerfeinsten, begleitet von einem perfekten Service, hervorragendem M�ller-Thurgau vom Schloss Wackerbarth und unserer allerbesten Laune von der sch�nen Opernauff�hrung. Verliebt schauten wir uns in die Augen und ich erz�hlte Julia, dass meine Eltern 1940 ihre Hochzeit im Italienischen D�rfchen gefeiert haben. Gl�cklich, unter den Schirm zusammengekuschelt, erreichten wir unser nahes artotel durch den dunklen Park hinter der Semperoper, wieder lustig begr��t durch das wedelnde Tempotaschentuch aus der umgekehrten Hotelsilberglocke vor dem Zimmerfenster. Die Fernlichter der Autoscheinwerfer �ber dem Bett gaben dem Abend den strahlenden Rest.
Nach drei Flaschen M�ller-Thurgau zu den diversen Mahlzeiten der letzten Tage wollte ich es als Weinfreund und Sommelier genau wissen: Wie wird in der traditionellen Sekt � und Weinkellerei Wackerbarth nach all den Wendereformen heute vinifiziert? Wie rechtfertigen sich die hohen Preise? Stimmt das Verh�ltnis Preis zu Produkt oder schlagen die Dresdner Gastwirte nur unversch�mte Quoten auf den Einkauf? Vorweggenommen: diese letztere Annahme stimmt � nirgendwo f�hlt man sich derzeit mehr geneppt als in der Dresdener Gastronomie. Ausnahmen best�tigen die Regel: dazu geh�rt z.B. das Aussichtsrestaurant in der ehemaligen Tabakfabrik �Yenidse�. Doch davon sp�ter.
Zun�chst tranken wir uns am Sonntagmorgen, dem vierten Advent, mit Bier Mut an. Und zwar in der stadtbekannten Brauerei Watzke. Das sch�ne Geb�ude aus der Gr�nderzeit liegt direkt an der Elbe, etwa auf dem halben Stra�enbahnweg nach Radebeul und dem Weingut Wackerbarth. Dort wird das eigene Bier vor den Augen der G�ste gebraut. Im Erdgeschoss sind sch�ne Gastr�ume mit dunklem, gem�tlichen Mobiliar und einem Prachtblick auf die legend�re und nun wieder hergestellte Silhouette des �Elbflorenz�. Im Obergeschoss gibt es einen der wenigen noch erhaltenen Balls�le Dresdens. Da werden Hochzeiten und andere Feste mit Musik, Tanz und viel Bier gefeiert � eine alte, fast ausgestorbene Tradition. Am Sonntag wird vormittags im �Watzke� normalerweise Jazz gespielt � deshalb waren wir hier. Zugunsten der vorweihnachtlichen Adventsstimmung bem�hten sich heute aber drei Musiker mit Bass, Trompete und Ziehharmonika um die bekannten Weihnachtslieder. Wir tranken das Weihnachtsbier mit Honig und waren entz�ckt. Die ersten Familien trafen ein und belegten die vorbestellten Pl�tze. Fettbemmchen, W�rste und G�nsekeulen wurden zur Begleitung des s�ffigen Bieres aufgefahren. Am liebsten w�ren wir geblieben � aber Wackerbarth war nun einmal auf dem Programm.
In Radebeul angekommen, im Nieselregen zwischen ehemals edlen Villen und neuen Baumarkth�tten im Gut Wackerbarth angelangt, staunten wir nicht schlecht. Zwar wies eine f�r die Ewigkeit gegossene Bronzetafel am Eingang auf ein Treffen ostdeutscher Kommunisten mit den russischen Machthabern im Jahre 1945 hin - Typhus und anderen Krankheiten sollte vorgebeugt und unter dem Schutz der glorreichen roten Armee der Weg in eine br�derliche sozialistische Zukunft beschritten werden � aber sonst hatte modernste Architektur f�r die Weinkellerei und den Verkauf Platz neben dem sch�nen alten Herrenhaus gefunden. Im ehemaligen Reitstall wurde ein luxuri�ses Restaurant eingerichtet, in dem wir unterk�hlt wirkende Damen mit ihren vornehmen Begleitern im grauen Flanell und arroganten Bankergesichtern antrafen. F�r zwei espressi zum doppelten Preis einer fashionablen Mail�nder Bar reichte es noch. Auch hier � laut Karte - der f�nffache Aufschlag f�r den hauseigenen Wein. Wenn die Wessis Besserwessis sind, dann wurden die Ossis zu unversch�mten Besserabzockies!
Die F�hrung durch das hochmoderne Weingut machte eine Sprachstudentin sehr professionell und sympathisch. Ein Event-Keller - so k�nnte man heute auf denglisch sagen. Bildschirme neben den Rebelmaschinen, pneumatischen Pressen, den temperierbaren Edelstahltanks und im Barriquekeller lassen auch den Laien die Vorg�nge der Kellertechnik bei der Vinifizierung gut verstehen. Zum Abschluss kamen drei Weine zur Verkostung. Ein Grauburgunder � trocken ausgebaut mit sch�ner Frucht, ganz ohne den manchmal etwas �ligen Charakter dieser Traubensorte in der Pfalz oder im Veneto, - dem k�hlen Klima an der Elbe sei gedankt! � dann ein �berraschend feinfruchtiger, dezent aromatischer Gew�rztraminer, der als Sp�tlese nur in halben Flaschen erh�ltlich ist, erst im Stahltank ausgebaut und dann nur kurz im Holzfass gelagert � zarte Vanillet�ne wiesen darauf hin � und schlie�lich ein Dornfelder Riserva, bei dem die Holzt�ne des Ausbaus im Barrique eine feine Abrundung der weichen Gerbstoffe ergaben sowie reiche Fruchtnoten von Kirschen und Johannisbeeren gro�e Trinkfreude bereiten. Wir erg�nzten die Weinprobe noch durch eine Sektverkostung im Laden und waren begeistert von einem aromatischen Sekt aus der Scheurebe. Der Duft schwarzer Johannisbeeren, eine feine und anhaltende Perlage machten diesen Sekt, hergestellt nach der m�thode traditionelle champenoise, handger�ttelt, zu einer h�chst eleganten Spezialit�t � f�r schlappe 30 Euro! Eine Flasche musste aber f�r Heiligabend drin sein!
Zur�ck in der Stadt: Abendessen auf dem �Kahnaletto� einem ausrangierten Elbdampfer, der zu einem noblen Restaurant mit angeschlossener Kleinkunstb�hne umgebaut worden ist. Die unbedingt erforderliche Reservierung hatten wir schon am Vortag gemacht. Jetzt genossen wir den Blick auf die hell erleuchtete Hofkirche von Antonio Chiaveri, der das katholische Gotteshaus f�r August den Starken erbaut hatte. Der s�chsischen Monarch war zum K�nig von Polen gew�hlt worden und musste aus diesem Grunde im protestantischen Sachsen zum Katholizismus konvertieren. Nat�rlich ben�tigte er ein Hofkirche, die er aus dem Wettiner Schloss �ber einen Schwibbogen aus Stahl erreichte. Wahre �kumene aus politischen Gr�nden! Also: links die Hofkirche, rechts die in der Dunkelheit geheimnisvoll unter der Augustusbr�cke str�mende Elbe. Neun Meter �ber dem heutigen Stand staute sich das Hochwasser 2004 � was war wohl damals mit dem Restaurant geschehen, in dem wir nun gem�tlich sa�en und � wie k�nnte es anderes sein im neureichen Dresden � mediterrane K�che geboten bekamen. Statt roher Kl��e oder Quarkkeulchen gab es ein feines Risotto mit Scampis und danach cr�me brul�e � globalisierte Genie�erwelt! Und nochmal M�ller-Thurgau aus Sachsen. Danach Kabarett im Schiffsbauch und wieder ein st�rmischer Heimweg durch den dunklen Park.
Diesmal aber mit einem Abstecher ins �Hotel Maritim� das in den vom Verfall bedrohten Erlweinspeicher eingezogen ist. Eine imponierende Halle, von oben beleuchtet zieht sich �ber alle Geschosse. Wieder gl�serne Aufz�ge � wohl inzwischen ein Dresdner must � lifteten uns nach oben. Ausstieg jedoch nur mit Zimmerkarte m�glich, Foto und wieder runter. Ein Blick in die Bar: eine lederschwarze H�hle ohne G�ste, trostlos. Also raus und hin�ber ins gleicherma�en trostlose artotel. Noch ein Bier in der Bar? G�hnende Leere! Wo waren denn die Bustouristen, die morgens um 5:30 Uhr mit Get�se bei laufendem Motor ausgeladen wurden? Die schw�bischen Laute der Senioren auf Pauschaltour waren auch durch die schallged�mmten Fenster zu vernehmen. An Schlafen war nicht mehr zu denken. Sp�ter erlebten wir die Prolls beim Fr�hst�ck wo sie sich trotz betr�chtlicher Leibesf�lle vor allem der mitreisenden nahezu quadratischen Muttis herzhaft R�hrei mit gebratenem d�nischen Speck und N�rnberger W�rstchen auf die Teller luden und anschlie�end mit Ketchup verklebten. Mahlzeit! Dazu Kaffee nach deutscher Art aus einem Edelstahlfass und anschlie�end was gesundes aus der K�rnerecke nach H�hnerart. Alles sch�n �eingemanscht� mit rosa Yoghurtbrei. �bert�nt wurde das gemeinschaftliche Geschmatze und Geschl�rfe mit vorweihnachtlicher Countrymusic von der Gastro-CD mit Jonny Cash. Akustisches Design!
Unser Abschlussabend war vers�hnlich, da ohne Design � weder in der Architektur noch in der Speisenfolge. Aus dem artotel kommend f�llt der Blick nicht nur auf das sch�ne neue Kongresszentrum, das die Stahl-Glas Architektur des s�chsischen Landtages vom Architekten Peter Kluska fast in gleicher Qualit�t fortsetzt, sondern auch auf den Erlweinspeicher, der �u�erlich sorgf�ltig nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten renoviert wurde. Au�en hat er nichts von der aufgebl�hten Angeberarchitektur im Inneren, wo mit Spiegeln, Messing, Chrom und schwarzem Leder die �Maritim� Hotels den Geschmack von Handlungsreisenden und Kongressfreaks mit ihren jeweiligen Begleiterinnen trifft. Am auff�lligsten ist jedoch eine riesige Moschee jenseits des Bahndamms der vom Bahnhof Dresden Neustadt zum Hauptbahnhof f�hrt: der Bau der ehemaligen Zigarettenfabrik �Yenidse�. Er schwebt wie ein M�rchenbau aus tausend und einer Nacht �ber seiner eher etwas ungastlichen Umgebung
Wir hatten geh�rt, dass sich unter seiner bunten Glaskuppel ein Restaurant bef�nde. M�hsam war die Suche nach einer Telefonnummer zum Reservieren � in keinem F�hrer wurde darauf hingewiesen. Immerhin fanden wir den Eingang zum orientalischen M�rchenschloss. Unter der Kuppel wurden M�rchen erz�hlt, wie in den Souks von Marrakesch. Wir landeten eine Etage tiefer in einem Restaurant, das ringf�rmig entlang der spitzb�gigen Fenster unter der Kuppel angelegt ist. Dar�ber m�gen M�rchen erz�hlt werden � ab und zu kamen gl�cklich blickende M�tter mit ihren Kleinen herab � darunter geht es deftig zu: Nach einer kr�ftigen Wildsuppe gab es einen makellosen Entenbraten mit gr�nen Kl��en und zu deren Aufl�sung in den Ged�rmen noch zwei Schn�pse. Die Wirtin war freundlich, die Bedienung flink und die Preise reell � auf den Orient scheint mehr Verlass zu sein als auf den Osten! Es war auf s�chsische Weise gem�tlich, auch die G�ste waren normal. Das artotel, obgleich in Sichtweite, schien mit seiner affigen Anbiederei an eine falsch verstandene Moderne meilenweit entfernt.
Frage: muss das neue Dresden so abgehoben von der Normalit�t sein? Eine aufgedonnerte �ltere Dame umschw�rmt von Nostalgikern? Preise, f�r die man in Capri die Sonne im Meer versinken lassen kann? Oder Striezelmarkt bis zum Umfallen?
Wir werden versuchen, diesen Fragen im kommenden Sommer noch einmal nachzugehen. Wahrscheinlich gibt�s es in Umgebung der Stadt noch ein paar normale Fleckchen, die es zu entdecken gilt, von denen man auf die wiederhergestellte Silhouhette blicken kann � vielleicht sogar ohne die dann im Bau befindliche neue Elbbr�cke von Blasewitz hin�ber zum Feldschl�sschen zu sehen, wegen der Dresden � hoffentlich! - der Welterbestatus der UNESCO wieder aberkannt wird. Armes neureiches Dresden, als artotel diesmal in Beschlag genommen von wohlhabenden Gesch�ftemachern, die sich � wie sie wohl meinen - zu globalem Format aufgebrezelt haben aber genauso ignorant sind wie ihre sozialistischen Vorg�nger.
Brixen, Neujahr 2009 Andreas Gottlieb Hempel
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