MEINUNG
Planerisches Sumpfgebiet?
Tatsache ist, dass in der �ltesten Stadt Tirols, Brixen, die Entwicklung des Tourismus verschlafen worden ist. Seit 15 Jahren stagnieren die �bernachtungen, was ja nicht so tragisch w�re, wenn die Qualit�t und die Funktion der Angebote sich gewandelt h�tten. Aber immer noch gibt es z.B. kein Hotel, dass die Teilnehmer eines gr��eren Kongresses gesamt aufnehmen k�nnte. Der Lift auf die Plose wurde vom Stadtrand nach St. Andr� verlegt � wohl mit ein Grund f�r die mangelnde Benutzerzahl. Trotz Leitbilddiskussion hat Brixen immer noch nicht das eindeutige Profil etwa als Innovations- Musik- Kunst- oder Kongressstadt, das besondere Besucher anziehen k�nnte. Es fehlt ein touristisches Gesamtkonzept, das auch den Hausberg Plose mit seinen Potenzialen einbezieht. Welche Stadt kann dass schon bieten: Eine historische Altstadt im Tal und einen der sch�nsten Dolomitenblicke vom Berg � ja, wenn es eben die Liftverbindung g�be, die man so kurzsichtig vor Jahren schon demontiert hat. Christkindlmarkt, Altstadt und sch�ne Umgebung allein gen�gen heute eben nicht mehr f�r eine �Destination�. Vor allem, wenn man gerade dabei ist, einen Teil der sch�nen Kulturlandschaft des Mittelgebirges mit einem 250 Bettenhotel zuzupflastern. Dieses Hotel soll ohne jede planerischen und marketingm��igen Voruntersuchungen und ohne ein touristisches Gesamtkonzept abseits der benachbarten D�rfer Klerant, Mellaun und St. Andr� und etwa f�nf Kilometer vom �notleidenden� Ploselift entfernt von den Br�dern Sanoner, Hoteliers aus dem Gr�dner Tal, gebaut werden. Klaus Sanoner sagte selbst, dass er zun�chst keine Bauabsichten auf der Kojawiese gehabt habe aber ihm sei die Stelle von der Gemeinde geradezu aufgedr�ngt worden � nun stehe er allerdings voll dahinter und das Hotel w�rde gebaut. Inzwischen sind in Brixen 2.200 Unterschriften vom Verein heimatbrixen gegen das Hotel in der freien und unverbauten Kulturlandschaft gesammelt worden, die am Monatsende dem Landesrat f�r Raumordnung �bergeben werden sollen. Der Verein ist n�mlich der Meinung, dass dieser gro�e Bau ohne ein raumordnerisches Konzept entsteht. In der Gemeinde Brixen herrscht nun Hektik und man versucht Vers�umtes nachzuholen. Bis zum 15. Februar soll nun das Innsbrucker Projektbegleitungsb�ro Haimayer ein Konzept zu den F�rderfaktoren und Leitlinien f�r Investitionen im Brixner Tourismus vorlegen. Sicherlich sollen dabei auch Argumente f�r die Verbauung der bisher unber�hrten Kojawiesen gefunden werden. �Es sei ein M�rchen�, sagt B�rgermeister P�rgstaller, �dass die Kojawiesen unber�hrte Landschaft seien. Es handle sich um ein Sumpfgebiet, das entw�ssert wurde und somit dadurch bereits zerst�rt.� �hnlich merkw�rdiger Argumentation bedient sich der Tourismusverein Brixen: Arbeitspl�tze w�rden geschaffen. Sicherlich. Nur � alle wissen, dass die meisten dieser Arbeitspl�tze im Hotelgewerbe nicht mehr mit S�dtirolern besetzt werden k�nnen. Kurzum: Normalerweise werden solch gro�en Bauma�nahmen mit der notwendigen Infrastruktur erst dann in Angriff genommen, wenn alle erforderlichen Planungsschritte von einem Gesamtkonzept �ber die Bedarfsermittlung, die Raumordnung und den Landschaftsschutz bis zur Masterplanung ordnungsgem�� erfolgt sind. In Brixen ist es umgekehrt, erst das Hotel und dann �schaugn mer mal und dann segn mer schon� � ein Planungssumpf, leider noch nicht entw�ssert.
Prof. Andreas Gottlieb Hempel
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