Sonntag, 18.10.2009 | Raum-Zeit-Fenster

RAUM � ZEIT � FENSTER

W�hrend in der k�nstlerischen Nach-Frosch-Zeit S�dtirols sich viele Galerien um allgemein Bek�mmliches bem�hen und dabei auf vielfach Bew�hrtes und Bekanntes zur�ckgreifen, geht die kleine aber feine Galerie Schloss Velthurns ganz andere We-ge: die Kunst des Innewerdens und Innehaltens.

Leider ist das internationale Kunstfestival Manifesta durch unz�hlige Leserbriefe zum �Frosch� von Kippenberger, einem Hungerstreik vor dem Museum, den Papstbesuch und den Begr�bnisfeierlichkeiten f�r Bischof Egger bisher kaum wahrgenommen worden. Das ist bedauerlich, weil die Manifesta sich vielfach auf die leisen T�ne in der Kunst besinnt und damit den �Events� entgegenwirkt, welche die Spa�gesell-schaft st�ndig �berflutet. So wurde darauf verzichtet, etwa die Franzensfeste mit� Kunstobjekten vollzustopfen sondern eine sensible Planung l�sst das geschichts-tr�chtige Baukunstwerk f�r sich sprechen, vernehmbar nur f�r denjenigen der seine Sinnen sch�rft und genauer hinh�rt.
Genau das wird vom Besucher der am 22. September 2008 in der Galerie Schloss Velthurns er�ffneten Ausstellung �Raum � Zeit �Fenster� des Bozner K�nstlers Albert Mayr aber erwartet denn sonst h�rt und sieht er fast nichts. W�hrend der Galeriebe-sucher sonst gewohnt ist, die dort ausgestellten Kunstwerke zu betrachten, wird er hier aufgefordert nach Innen oder nach Au�en zu schauen. Der Beitrag dazu von Albert Mayr besteht darin, dass er auf den quadratischen wei�en Bl�ttern, die er auf schwarzen Tafeln rhythmisch verteilt hat, kurze Hinweise zu geben - zum genaueren Hinsehen oder Hinh�ren ins Unsichtbare und in die Stille.
Und siehe da: tats�chlich tauchen im Besucher Bilder und T�ne auf, sei es dass er nur aus dem Fenster des Schreiberhauses zum ehemaligen Sommersitz der Brixner Bisch�fe hin�ber schaut oder in der Stille des Raumes Schwingungen vernehmbar werden, die aus dem herr�hren k�nnten, was im allgemeinen als �Sph�renkl�nge� bezeichnet wird.
Entscheidend ist, dass durch diesen Ansatz der Hinweis von Beuys in Erinnerung gerufen wird, in jedem Menschen stecke ein K�nstler. Ein K�nstler kann aber nur sein, wer genauer hinsieht und hinh�rt um in sich dann Bilder und T�ne aufsteigen zu lassen, die nach drau�en zur Verwirklichung dr�ngen oder eben auch von Au�en nach Innen Einlass finden um Teil des Lebens zu werden, Lebenskunst.

Albert Mayr ist eigentlich Komponist, Musiker, der auf den experimentellen Gebieten von Musik und Kunst, den Klanglandschaften und des Zeit-Designs, der Beobach-tung von Zeit, Rhythmus und Klang in der Natur und in den Siedlungsr�umen t�tig ist. F�r den Sender Bozen realisierte er den experimentellen Dokumentarfilm �Von Zeiten und Leuten: am Beispiel Sarntal�. Mit der Ausstellung �Raum � Zeit � Fenster� hat er einen Raum geschaffen, in dem der Betrachter Zeit finden kann Fenster zu sich selbst und nach drau�en zu �ffnen. Das ist Kunst, die bewegt und nicht nur kon-sumiert werden will.

Den Veranstaltern, der Gemeinde Feldthurns mit Marisa Torggler, dem Tourismus-verein und dem S�dtiroler K�nstlerbund ein gro�es Kompliment daf�r aber auch Dank� an B�rgermeister Herbert Dorfmann, Andreas Hapkemeyer vom Museion Bo-zen, Silvia Bordini von der Universit�t Rom und Architekt Raimund Gross vom S�dti-roler K�nstlerbund f�r ihre sensiblen und nachdenklichen Einf�hrungsworte.

Andreas Gottlieb Hempel�� 3.338 Zeichen mit Zwischenr�umen




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Andreas Gottlieb Hempel
Prof. Dipl.-Ing. Architekt & Publizist
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