Montag, 02.11.2009 | H�llischer Horrortrip

H�llischer Horrortrip

Eine der �ltesten Kulturlandschaften S�dtirols ist in Gefahr verw�stet zu werden. Habgier, Gesch�ftemacherei, Ignoranz und R�cksichtslosigkeit gegen�ber einer bisher ruhigen und idyllischen Natur manisfestierten sich am vergangenen Wochenende als h�llischer Horrortrip auf den Feldern von Karnol, einer Fraktion Brixens am Fu� der Plose.
Aber der Reihe nach: Die Mittelgebirge, etwa auf halber H�he der umliegenden Berge �stlich und westlich des Eisacktales, sind mit ihren Mor�nenh�geln am Ende der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren entstanden. Etwa auf 5.000 Jahre v.Chr. sch�tzt man die pr�historischen Funde der Melauner Kultur auf der �stlichen Mittelgebirgsseite. Durch den Flei� der Menschen entstand mit der bajuwarischen Besiedlung ab dem 6. Jh. n. Chr. eine einzigartige Kulturlandschaft. Lockere Streusiedlungen, Obstwiesen, Weidefl�chen, Trockenmauern und Mischgeh�lze mit wilden Kirschen, Nussb�umen und Keschtn, die gerade jetzt im Herbst mit ihren leuchtend bunten Bl�ttern unter strahlend blauem Himmel empfindsame Menschen entz�cken. Dazu sind in romanischer und gotischer Zeit Kirchen und Kapellen gebaut worden, die immer wieder Kunstbegeisterte auf ihren Wanderungen durch diese Landschaft anziehen.
Wer aber am vergangenen Sonnabend - etwa nach dem Betrachten der Fresken im Karnoler Johanneskirchlein - dem Baumaschinenl�rm nachging, traf in ein paar hundert Meter Entfernung auf der gro�en Hangterrasse neben dem Gasthof �Mair am Bach� auf Bulldozer, die den flachen Hang zu Gr�ben und H�geln aufwarfen. Einige Dutzend Wohnwagen waren am Hangabbruch geparkt, eine Bierbar wurde gerade aufgebaut, junge Kerle montierten an ihren KTM-Maschinen.
Am Sonntag war dann Motocross-Rennen. Die jungen Kerle hatten sich in ihre bunten Monturen geworfen und rasten mit br�llenden Motoren �ber das aufgew�hlte Maisfeld, flogen meterweit durch die Luft, krachten dreckspritzend auf die Erde zur�ck und zerfurchten mit ihren Blockreifen die angrenzende Wiese � ein H�llenl�rm!
Aber damit nicht genug, hunderte von Schaulustigen hatten ihre Autos auf jedem freien Fleck zwischen, Hecken, Obstb�umen und Wiesen geparkt, den weichen Boden mit den Reifen aufgew�hlt, die sch�ne Landschaft in ein Schlachtfeld dekadenten Freizeitrummels verwandelt und alle guten Geister der Natur vertrieben.
Polizei und Sanit�ter waren aufgefahren um sich um Unf�lle zu k�mmern. Wer aber k�mmert sich um die Landschaft? Wer r�umt den M�ll weg und sorgt sich um das ausgelaufene �l und die F�kalien hinter jedem Busch?
Im benachbarten St. Andr� sollen vier Hotels mit insgesamt �ber 1.000 Betten gebaut werden. Wird das die neue Event-Unkultur sein, welche G�ste anlocken soll? Dann gute Nacht Kulturlandschaft! Aber irgendwer muss ja solchen Unfug gerade dort genehmigen � wer kann das sein? Die Gemeindeverwaltung Brixen? Das Referat f�r Umwelt mit seiner Abteilung f�r Naturschutz? Wir w�ssten es gerne.

Andreas Gottlieb Hempel

(2.912 Zeichen m. ZwR)




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Andreas Gottlieb Hempel
Prof. Dipl.-Ing. Architekt & Publizist
Otto von Guggenberg Str. 46   I-39042 Brixen (BZ)   Italien
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