Sehen � Hinsehen � Wegsehen
Wir wollen Baukultur sehen. Etwas zum Hinsehen. Das Wegsehen aber haben wir uns angew�hnt im unkultivierten Alltag des Bauens. F�r H�sslichkeiten sind wir wohl nicht sensibilisiert � sonst w�rden wir uns mehr dagegen wehren.
Die Diskussion um Baukultur dreht sich nur um einen kleinen Ausschnitt des Baugeschehens unserer Tage. Architekturzeitschriften ver�ffentlichen auf Hochglanzpapier nur Feinstes aus dem Olymp der Stararchitekten. Weltweit sind die Gro�en an ihrem Stil erkennbar - wer etwa Frank Gehry bestellt, bekommt auch Frank Gehry, ganz gleich wo immer.
Es gibt wenig gute regionale Architektur
Regionales hat schon weniger Konjunktur. Meist wird hier bereits auf Trinkst�rke verd�nnt nachgeahmt, was die Meister auf globaler Ebene abgeliefert haben. Wahre Originalit�t, die aus den Strukturen des Umfeldes oder gar der Atmosph�re des Ortes entwickelt wurde, besitzt Seltenheitswert. Jedes anspruchsvollere Einfamilienhaus m�chte heute Weltarchitektur sein und bl�ht sich gern in vermeintlicher Unverwechselbarkeit auf Kosten einer vielleicht noch traditionellen Alltagsarchitektur der Nachbarschaft. Zur�ckhaltung, Bescheidenheit bei aller Qualit�t des Details, ma�st�bliche Einf�gung und Authentizit�t des Ortes sucht man oft vergeblich. Aber es gibt sie, man muss nur genauer hinsehen. Dennoch: Wahre Architektur ist in der Minderzahl, das meiste, was entsteht ist nur Gebautes oder nur noch Bauschaden � auch im weiteren Sinne des Schadens f�r die Landschaft, die Umgebung, den Kontext. In diesem Sinne haben sich leider in den letzten Jahren in S�dtirol die T�ler gef�llt, wurden die H�nge zersiedelt und die alten Dorfkerne zerst�rt. Immerhin, es gibt gute und sehr gute Ausnahmen.
Vom baulichen Unrat ist die Rede
Dazwischen aber wuselt es von baulichem Unrat, keine eigentlichen Geb�ude, eher Zutaten, M�blierung. Da geht es von abgelagertem Baumaterial �ber h�ssliche Papierk�rbe zu Schildern, die so angebracht wurden, dass sie ganze Fassaden verschandeln. Allt�gliche Dinge, deren H�sslichkeit wir nicht einmal mehr sehen, wo wir nicht zweimal mehr hinsehen, so gleichg�ltig sind sie uns geworden, �ber die wir � wenn es ganz schlimm wird � hinwegsehen. Da kann man nix machen, das ist eben so. Unvermeidlich eben.
Fehlt es hier an Sensibili�t?
Da gibt es eine Kapelle im Ahrntal (Abb.1) romantisch in der Wiese neben einem Bauernhof, ein kleines Juwel. Aber wer sind denn die unsensiblen Barbaren, die irgendwelche Hinweisschilder davor nageln und einen gr�nen M�llcontainer dazu gesellen?
Auf dem Tsch�gglberg tritt der Wanderer aus dem Wald und trifft auf das Gerippe eines gelben Baukrans (Abb.2), der dort, mitten auf dem Feld bis zum n�chsten Einsatz zwischengelagert wird � geht das so ohne weiteres?
Ein Dorf im Pustertal empf�ngt seine G�ste am Ortseingang mit Baustofflagern und Schienengewirr (Abb.3) � eine Baumreihe l�ngs der Stra�e w�rde mildernd wirken. Aber da kommt wohl keiner drauf.
Der m�de Wanderer im Mittelgebirge des Eisacktales trifft auf eine Ruhebank (Abb. 4), die vor Zyklopenmauerwerk zwischen Briefkasten und Stra�eneinm�ndung geradezu halsbrecherisch balanciert.
Auf der anderen Talseite wurde ein Kapellchen rundum asphaltiert (Abb.5), eine Insel der Gl�ubigen in der Buswendeschleife.
Wie so eine gem�tliche Baushaltestelle garniert wird zeigt Abbildung 6. Und ganz gro� raus kommen die M�llcontainer vor dem Rosengarten (gro�es Bild).
Alles nicht so schlimm?
Sie werden sagen, dass dies doch gar nicht so schlimm sei, man sieht es doch kaum. Eben. Wir sehen dar�ber weg. Wir sehen da nicht mehr hin. Wir verlernen �berhaupt mehr und mehr zu sehen, weil wir st�ndig �berschwemmt werden mit solch optischer Umweltverschmutzung, gegen die nur noch Wegsehen sch�tzt. Dabei sind diese wenigen Beispiele weder die Schlimmsten noch die Einzigen. Jeder findet sie vor seiner Haust�r. Geht denn die Sensibilit�t f�r solche einfach zu �ndernden Zust�nde ganz verloren? Wir wollen es nicht hoffen, schlie�lich ist S�dtirol ein Tourismusziel, da lohnt es sich doch schon mal aufzur�umen.
Im neuen Jahr dann wieder Positives von der Baukultur. Versprochen!
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