Gastkommentar
Gemahte Wiesn?
Still ist es geworden um die Hotelprojekte auf der Kojawiese in Mellaun und in St. Andr�. Verd�chtig still. Bei dem Hotelprojekt, dass in St. Andr� auf dem Grundst�ck der Familie des wegen vermutlichem Amtsmissbrauch geschassten Stadtrats Stocker errichtet werden soll � der Staatsanwalt hat inzwischen gegen ihn und den beteiligten Baron Unterrichter Anklage erhoben � kann man verstehen, dass der Gemeinderat von Brixen z�gert, einer Baugenehmigung n�her zu treten: nochmals m�chte man nicht �ber den beiden vorgeschobenen Damen der beiden Angeklagten das Euro-F�llhorn der Grundst�cksspekulation ausgie�en und sich dabei �ffentlich die Finger verbrennen.
Anders liegen die Dinge beim 250-Betten Hotelprojekt der Br�der Klaus und Andreas Sanoner. Gegen die Entscheidung zur Ausweisung einer Hotelzone im landwirtschaftlichen Gebiet abseits jeglicher geschlossener Bebauung an einer der sch�nsten noch unber�hrten Stellen des Brixner Mittelgebirges laufen derzeit f�nf Rekurse, von Anwohnern in Mellaun und von Brixner B�rgern, die bereits tausende von Stimmen gegen das Projekt an dieser Stelle gesammelt hatten. Vor Ende Februar ist dabei nicht mit einer Entscheidung zu rechnen. Dennoch schreibt das Ortsbl�ttchen von St. Andr� bereits begeistert dar�ber, dass diesem 5-Sterne-Hotel - eine Art Luxus-KZ auf der Kojawiese - nun nichts mehr im Wege st�nde, Baubeginn k�nnte bereits 2011 sein und um St�rungen zu vermeiden w�rde eine ca. 1 km lange Stra�e durch den Wald gebaut. Tats�chlich ist bereits ein eine als �Forstweg� bezeichnete Stra�e im Bau.
�ber eine Zufahrtsstra�e sei noch nichts entschieden, h�rte man von B�rgermeister P�rgstaller, der auch � dankenswerterweise - einen Architektenwettbewerb f�r den Hotelentwurf forderte. Der Wettbewerb wurde mit sechs eingeladenen Architekten abgehalten, in der Jury waren renommierte Kollegen wie Walter Angonese und Wolfgang Ritsch. Letzterer gab als Juryvorsitzender ein vernichtendes Urteil �ber das �grottenschlechte� Ergebnis ab, das auch von den Hoteliers ganz offensichtlich nicht respektiert wird. Sie planen derzeit mit ihrem willf�hrigen Hausarchitekt weiter, der 1. Preis wurde �bergangen. Erstaunlich ist nur, dass das Wettbewerbsergebnis �ber die gestalterische Zukunft dieser herrlichen Landschaft unter Verschluss gehalten wird. Offenbar entspricht es in keiner Weise den Vorstellungen von erstklassiger Architektur an dieser empfindlichen Stelle und w�rde f�r helle Aufregung in der Vorwahlzeit sorgen. Auch die Sanoners lassen die Katze nicht aus dem Sack � wahrscheinlich wird hier gerade wieder einmal ein St�ck S�dtirol verwurschtet und verbaut oder besser: versaut. Hinter den Kulissen, wie so oft, damit nichts mehr zu �ndern ist wenn die Pl�ne mal vorliegen. Daf�r sorgt dann schon das Beziehungsgeflecht jenes unterirdischen Myzels aus dem diese Schwammerl der Landschaftsvermarktung wachsen.
Prof. Andreas Gottlieb Hempel, Architekt
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