Stellungnahme der Brixner Architektenschaft
Zur �ffnung und Umgestaltung des Hofburggartens in Brixen
Als betroffene B�rger aber auch als Fachleute nehmen die Brixner Architekten zur geplanten �ffnung des Hofburggartens wie folgt Stellung:
Der bauhistorische und kunstgeschichtliche Wert
Der Hofburggarten kann nur in der Gesamtheit der Hofburg mit dem Herrengarten und ehemaligen Marstall, dem Hofburggarten mit seiner Umfassungsmauer und dem chinesischen und japanischen Pavillon als geschlossenes Ensemble betrachtet werden. In dieser Einheit stellt das Ensemble eine der wenigen Hofburganlagen in Europa und die Einzige in S�dtirol dar, die auf die italienischen Anlagen der Renaissance zur�ckgehen. Baukunst und Gartenbaukunst jener h�fischen Stilepoche bildeten immer eine Einheit, die leider durch Umnutzung vielerorts verloren gegangen ist. Der Hofburggarten in Brixen ist seit 1243 � also fast 770 Jahre! � als historischer Obstgarten der Hofburg fast unver�ndert erhalten. Brixen besitzt damit einen bauhistorischen und kunstgeschichtlichen Wert von europ�ischem Rang, der f�r interessierte und gebildete Besucher eine einmalige Attraktion bildet. Die Hofburganlage steht in ihrem historischen Wert gleichberechtigt neben dem Dombereich. Beide zusammen bilden das ruhige �geistliche� Viertel Brixens, das dem lebhaften �b�rgerlichen� Viertel in urbanistisch reizvollem Kontrast gegen�ber steht. Die Brixner Altstadt hat durch diese Synergie insofern eine st�dtebaulich einmalige Stellung inne.
Die k�nftige Nutzung des Hofburggartens
Aus den genannten Gr�nden steht das Ensemble Hofburg einschlie�lich seiner G�rten und deren Nutzung unter Denkmalschutz. Auch die Denkmalpflege hat neben dem Schutz der jahrhundertelangen Kontinuit�t des Hofgartens als pomarium
den Wert dieser Ruhezone im �geistigen� Viertel Brixens als Ausgleich f�r die st�dtische Betriebsamkeit der �b�rgerlichen� Stadt erkannt und pl�diert eindeutig f�r eine Fortf�hrung des Hofburggartens als pomarium. Wie alle Nutzg�rten der h�fischen Renaissance diente ein pomarium nicht nur der Versorgung des Hofes mit Fr�chten. Vielmehr legten die F�rstbisch�fe gro�en Wert auf die Anpflanzung seltener Baum- und Obstsorten auch aus Gr�nden der Repr�sentation gegen�ber Besuchern. Hier kann der Ansatz f�r die k�nftige Nutzung und eingeschr�nkte �ffnung des Hofgartens liegen: Die Anpflanzung fast als verschwunden geltender Obstsorten S�dtirols in der Form einer Streuobstwiese als Lehrgarten. Dazu die Wiedereinrichtung einer Schatten spendenden Pergola entsprechend dem Plan von 1831. Dieser �g�rtnerische Kreuzgang� entlang der S�dfassade der Hofburg und der Umfassungsmauern bis zum japanischen bzw. chinesischen Pavillon kann als meditative Ruhe- und Wandelzone mit Sitzb�nken dienen, in den Pavillons k�nnten Erfrischungen verkauft werden. Nat�rlich erfordert diese in der Investition wenig aufw�ndige L�sung tags�ber eine bestimmte �berwachung und die n�chtliche Schlie�ung � entsprechend dem Herrengarten. Der Zugang sollte f�r Brixner und deren G�ste kostenfrei sein und damit eine echte und w�rdige Attraktion der Ruhe und Besinnung gegen�ber der betriebsamen �Shoppingmeile� der Altstadtlauben und dem lebhaften Domplatz bilden � auch als Erholungsangebot f�r die G�ste Brixens.
Das Planungsverfahren
Zu einem ernst gemeinten Verfahren der B�rgerbeteilung geh�ren folgende Schritte:
��Die Phase der Ideenfindung ohne einschr�nkende Vorgaben (z.B. Ideenwettbewerb) mit �ffentlicher Diskussion der Ergebnisse.
��Die Ausarbeitung von mindestens drei alternativen Vorschl�gen mit Kostenrahmen und deren Diskussion in der B�rgerschaft und mit der Denkmalpflege
��Entscheidung mit dem Votum der B�rgerschaft f�r eine der Varianten
��Ausarbeitung des Planes in der Form eines Workshops, d.h. Diskussion mit den B�rgern und den zust�ndigen Genehmigungsbeh�rden �ber wichtige Planungsstufen.
Ein solches Verfahren erfordert eine fachliche Begleitung und Organisation ohne politische Einflussnahme. Dies sollte durch ein unabh�ngiges B�ro vorgenommen werden.
Im vorliegenden Fall des Hofgartens haben die Brixner B�rger eindeutig die Bevorzugung einer �sanften� Gestaltung und �ffnung des Hofgartens als Ruhe- und Erholungszone gegen�ber einer lauten �Eventl�sung� ausgedr�ckt. Auf der Basis der von der Landschaftsarchitektin Dr. Eva Schgaguler vorgelegten und sorgf�ltig ausgearbeiteten Diplomarbeit k�nnte durchaus weitergearbeitet werden um die weitere Planungszeit abzuk�rzen. Bei dieser Planung sollten die o.g. Phasen der B�rgerbeteiligung ebenso ber�cksichtigt werden wie die Beratung durch die Denkmalpflege und andere Gremien der B�rgerschaft.
Die Brixner Architekten stimmen den �berlegungen zu, dass die Stadt im Wettbewerb mit anderen Destinationen steht und sich entsprechend positionieren muss. Eine gro�e Attraktion wird dabei auch der Hofburggarten als Ruhezone auch f�r die G�ste im Ensemble der Altstadt spielen. Andere Attraktionen m�ssen noch geschaffen werden. Dazu wird die Seilbahn aus der Altstadt auf die Plose ebenso geh�ren wie ein Stadthotel f�r Kongresse oder die landschaftsg�rtnerische Gestaltung der n�rdlichen und s�dlichen Gewerbezonen, der Ortseinfahrten und des Bahnhofes sowie eine weitergehende Verkehrsberuhigung um die Altstadt im Zusammenhang mit der Westumfahrung
Die Architektenschaft Brixens im November 2010
Andreas Gottlieb Hempel