Von au�en betrachtet
Weinritt �ber den Kalterersee
Studentenzeit um 1960 in M�nchen: wer schon etwas Lebensart zeigte, der griff statt zum Bier zum Wein. Die n�chstgelegenen Weinberge befanden sich in S�dtirol. Die meisten von uns waren zwar noch nie dort, aber der Rote, der Kalterersee, kam ja zu uns. In Massen. Im Supermarkt die Zweiliterflasche mit Drehverschluss � unter 2.- DM. So ein Mega-Gebinde langte schon pro n�chtlich Studierenden bis in die Morgenstunden. Dann gab�s Aspirin zum Fr�hst�ck.
�Georgstrunk� stand auf den heraldisch bedruckten Etiketten und �Hundert-Zinnen-Wein� in Entsprechung zum schweren Kopf des n�chsten Tages. Oder �Saffano�, weil einer der Importeure am M�nchner Ende der vermuteten Pipeline vom Kalterersee Anton Saffer hie�. �Suffano� w�re bildhafter gewesen. Aber wir haben ja damals alles geschluckt.
Es folgte die frankophile Periode bis der Burgunder zu teuer wurde. Immerhin war damit die Bastflasche � fiasco (welch Doppelsinn!) � umgangen und die ersten Wanderungen in S�dtirol angesagt. Noch wurde bei der Ernte unter den Pergeln jede heruntergefallene Traube aufgelesen und mit ausgepresst. Der Weinsee war noch voll und qualitativ nicht erw�hnenswert. Wir tranken also Weine aus dem collio bis Mitte der 1980er Jahre eine junge Winzergeneration sich auch des Massentr�gers Vernatsch annahm.
Zuletzt verkostet am 17. M�rz in Kaltern. Die Kalterer Winzer bieten um diese Zeit den neuen Kalterersee an. 2009 ist ein hervorragender Jahrgang. Nicht nur des Wetters wegen � gutes Wetter gab es fr�her auch f�r m��igen Wein. Sorgf�ltige Arbeit im Weinberg, Reben im besten Alter, strikte Mengenbeschr�nkung unterhalb der DOC-Vorschriften und sensible Behandlung in Keller und Flasche machen den �Kalterersee� jetzt zu einem Spitzenwein f�r alle Tage. In einer Charta verpflichten sich die Winzer besondere Qualit�tsanforderungen einzuhalten und �berpr�fen zu lassen. S�dtirol von seiner besten Seite!
Das Besondere und Regionale � ein gutes Beispiel auch f�r anderes in S�dtirol, etwa den Tourismus oder das Bauen. Die Hoffnung nicht aufgeben!
Andreas Gottlieb Hempel