Dolomiten Baukultur August 2010
Die Weinarche
Franz Graf Pfeil ist ein unruhiger, suchender Geist und sein Labyrinthgarten entspricht seinem Wesen. Aber er ist auch Winzer. Seine St�rke ist es hervorragende, sehr individualistische Weine herzustellen, darunter den ersten passito S�dtirols aus Vernatschtrauben. Also auch hier die gleiche Originalit�t wie bei der Landschaftsarchitektur seines Labyrinthgartens, mit dem er das Besondere reflektiert. Auch der Wein hat eine paradiesische Charakteristik zwischen Materialit�t und Spiritualit�t, nicht umsonst steht er in der kirchlichen Wandlung f�r den Wechsel zur Transzendenz. Selten, dass Winzer, die sich mit diesem Wesen des Weines derart auseinandersetzen, auch knallharte Marketingmeister sind. Deshalb ist f�r das Weingut vom Ansitz Kr�nzel das Tor zum Labyrinthgarten auch eine T�r zum Verkaufsraum der dort vinifizierten Weine. Diesen Bau als Tor und T�r kann man als �Weinarche� bezeichnen, ein Ausdruck, der dem Betrachter einfallen k�nnte, wenn er diesen einfachen aber raffinierten Bau betritt. Es ist eine Holzkonstruktion �ber einem steinernen Sockel, in dem sich das Flaschenlager befindet. Der Besucher erlebt nur den Holzbau, die Arche, weil sich die roh gebeilten Holztr�ger der Satteldachkonstruktion �ber die St�tzen der Fassaden w�lben. Die Fassaden sind von unterschiedlicher Charakteristik: die Eingangsfassade ist eine verglaste Sprossenkonstruktion, sie wirkt transparent aber nicht offen und die r�ckw�rtige Fassade ist bis auf ein ebenfalls versprosstes Oberlichtband geschlossen um davor die Weinflaschen zu pr�sentieren. Am gewaltigen Holztisch wird aufgeschenkt, verkostet und gezahlt. Alles in einer sehr famili�ren, fast gem�tlich zu nennenden Atmosph�re, wenn dieses Wort nicht schon so abget�rggelt w�re. Die durchgehende Verwendung nur von Holz und Glas tr�gt zu dem sympathischen Raumeindruck bei, der sich durchaus auf die Weine �bertragen darf. Hier kommen. Weinbau, Architektur und Gartenbaukunst zu einem baukulturellen Erlebnis der besonderen Art zusammen.
Andreas Gottlieb Hempel