Dolomiten Baukultur November 2010
Bauten im Lichtgewand
Seit Jahren ist nachhaltiges Bauen, die Verwendung alternativer Ressourcen wie Solarenergie in aller Munde. Runter vom Gas und �l, hin zum Sonnenlicht! Aber was geschieht nun wirklich? Das allj�hrliche ENERGY-FORUM in Brixen informiert dar�ber - diesmal vom 1.-3. Dezember 2010.
Ignoranz
Kluge K�pfe und fortschrittliche Industrien haben sich l�ngst der Solartechnik zugewandt. Schon lange ist diese einstige Zukunftstechnologie Gegenwart � hunderttausende von neuen Arbeitspl�tzen sind daf�r in den Industriel�ndern entstanden und entstehen rasant weiter. Aber auch China produziert mit westlicher Technik bereits hochwertige Solar- und Photovoltaikelemente. Die Preise daf�r wurden im vergangenen Jahr fast um die H�lfte geringer. Hausbesitzer, die ihren eigenen Solarstrom produzieren, k�nnen den �berschuss ins �ffentliche Netz einspeisen und werden daf�r �berdurchschnittlich gut mit staatlicher F�rderung bezahlt. Dennoch � erst k�rzlich hat ein fr�herer Pr�sident des Bundes Deutscher Architekten gro�spurig get�nt, dass ihn all der Nachhaltigkeitskram nicht interessiere und er weiter so bauen werde wie eh und je. Er hat als Meinungsf�hrer der Architekten ebenso wie viele seiner Kollegen nichts verstanden. Etwa dass der Europ�ische Rat vor einem Jahr die Geb�uderichtlinien ge�ndert hat: bis 2020 m�ssen alle neuen Bauten in der EU Null-Energieh�user (�nearly-zero�) sein. Bis Mitte 2011 sollen die Regierungen daf�r F�rderprogramme ausarbeiten und ab 2018 m�ssen alle �ffentlichen Bauten �nearly-zero� sein. Kann man das ignorieren?
Machtk�mpfe
In Deutschland hat sich die Zahl der Solaranlagen in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Zwar wachsen die Gewinne der Strom-Multis immer noch und sie sitzen auf dicken Finanzpolstern, die nicht an die Verbraucher weitergegeben werden. Aber die B�rsennotierungen fallen weil die Einkaufspreise f�r Strom durch das steigende Angebot der Solarkonkurrenz sinken. �ber �gekaufte� Gutachten von Wirtschaftsinstituten verbreiten die konventionellen Stromerzeuger jetzt nach Berichten der TV-Sendung Monitor Horrormeldungen �ber kommende Strompreiserh�hungen, die angeblich durch F�rderma�nahmen f�r die Solartechnik entst�nden und stellen die neue technische Entwicklung als Sackgasse hin. Dahinter stehen massive Interessen der Kohle- �l- und Atomindustrie, die ihrerseits jahrzehntelang mit Steuergeldern gef�rdert wurde. Pikant ist zudem, dass diese �Gutachten� von der amerikanischen �llobby mitfinanziert wurden, die sich vehement gegen die F�rderung alternativer Energien durch Pr�sident Obama stellt.
Eine neue Baukultur entsteht
Es ist absehbar, dass die fossilen Energiequellen in kurzer Zeit ersch�pft sein werden. Immer mehr m�ssen wir uns auf Regelkreisl�ufe besinnen, bei denen nicht mehr verbraucht wird als erzeugt werden kann. Nur regenerative Energien werden in Zukunft den Bedarf decken k�nnen. Das bedeutet neben Sparma�nahmen intensive Forschung und Entwicklung alternativer Ressourcen vor allem bei Geb�uden und deren Unterhalt � dort wird �ber die H�lfte aller ben�tigten Energien verbraucht. Bauen ist aber nur zum Teil ein Wirtschaftsfaktor. Bauen bedeutet auch Identit�t und Kultur. Mit neuer Technologie, neuen Materialien, neuer Energieverwendung wird sich auch das Erscheinungsbild von H�usern, Siedlungen, D�rfern und St�dten ver�ndern. Von dem notwendigen Umbau des Bestandes werden auch die historischen Bauten betroffen sein um kommenden Anspr�chen im Nutzungskomfort zu entsprechen. Unsere Wahrnehmung und Beurteilung von Architektur wird sich ver�ndern.
Information �ber neue Entwicklungen
Zahlreiche Architekten und Ingenieure haben in den letzten Jahrzehnten Geb�ude f�r die neuen Anforderungen entworfen. Viele dieser Bauten mit Doppelverglasung, computergesteuertem Sonnenschutz, Bel�ftung usw. waren kompliziert und teuer in Investition und Unterhalt. Erst die Entwicklung neuer Geb�udeh�llen, von Fassaden, die Strom erzeugen, als integraler Teil der Konstruktion das Geb�ude auf k�rzestem Weg mit Energie versorgen und dabei noch �bersch�sse in das allgemeine Stromnetz einleiten ist ein entscheidender weiterer Schritt nach vorn � sowohl �konomisch als auch �sthetisch. Inzwischen wurden mit Photovoltaikfassaden zahlreiche Erfahrungen gemacht �ber die sich jeder Planer informieren sollte.
Das ENERGY-FORUM 2010
Nach vier Konferenzen zu alternativen Energien beim Bauen bietet das Energy-Forum heuer den informativen Einstieg in die Entwicklung von Photovoltaikfassaden. Ein Komitee von acht Wissenschaftlern, die auf diesem Gebiet forschen, hat ein umfangreiches Programm mit namhaften internationalen Referenten vorbereitet, das �ber zwei Tage im Forum Brixen am 2. und 3. Dezember 2010 angeboten wird. Es wird am Tag zuvor erg�nzt durch einen ganzt�gigen Workshop, in dem Erfahrungen zur gestalterischen, konstruktiven und kostenm��igen Einf�gung von Photovoltaikfassaden in die Konstruktion eines Geb�udes ausgetauscht werden k�nnen. Anmeldung und alles weitere dazu unter www.energy-forum.com
Andreas Gottlieb Hempel