Mittwoch, 17.12.2014 | Shopping allein macht noch keine Stadt

BAHNHOFSVIERTEL BOZEN � Monofunktion oder urbane Mischung?

Was macht eine Stadt, ein Stadtviertel aus? Die urbane Vielfalt aus den unterschiedlichsten Nutzungen, Funktionen, Lebensbereichen und Menschen. Fr�her hie� es: Stadtluft macht frei. Das k�nnte man heute �bersetzen in: Stadtluft bietet Vielfalt. Das Bahnhofsviertel, das hier zur Debatte steht, also der Bereich am Bahnhof Bozen zwischen Garibaldistra�e, Bahnhofsallee, Perathoner- und S�dtirolerstra�e, f�r das der Investor Benko ein Kaufhaus vorschl�gt, ist von seiner zentralen Lage her eigentlich als urbanes Stadtviertel f�r st�dtische Vielfalt pr�destiniert. Eine Monofunktion, die ein Kaufhaus trotz unterschiedlichem Angebot ausschlie�lich f�r das Shopping darstellt, schr�nkt die gew�nschte Lebendigkeit an dieser f�r die innere Stadt so wichtigen Stelle ein. Deutlich gesagt: wenn man ein Einkaufszentrum haben will � und dar�ber kann man streiten! � so geh�rt das auf die gr�ne Wiese am Stadtrand mit m�glichst viel oberirdischer Parkplatzfl�che drum herum. An dieser Stelle der Stadt zieht ein Kaufhaus ungeb�hrlich viel st�ndig wechselnden Verkehr an, den man ja gerade von der Innenstadt fernhalten m�chte. Das ist ein ganz anderer, viel mehr st�render Verkehr als er in einem gut durchmischtem Stadtviertel wie hier am Bahnhof normalerweise entstehen w�rde.

Das Bahnhofsviertel sollte st�dtischen Charakter erhalten, der durch eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Handel und Kultur entsteht. Diese Mischung sollte m�glichst kleinteilig und unterschiedlich sein: also Wohnen auch f�r alte und junge Menschen, B�ros, Ateliers, Werkst�tten und Praxisr�ume, Bars, Gastst�tten und L�den der unterschiedlichsten Art und in m�glichst kleiner Form und ein sozial gepr�gtes Kulturangebot. Alles das sollte in unterschiedlichen Bauabschnitten, H�usern, die nicht unbedingt zusammenh�ngen m�ssen, von unterschiedlichen Bauherren mit verschiedenen Architekten realisiert werden. Auch die gestalterische Vielfalt der Fassaden in einem gemeinsamen Ma�stab macht den st�dtischen Raum aus und nicht die langweilige Wiederholung der st�ndig gleichen Fassadenteile, wie im Projekt von Benko und seinem Architekten Chipperfield, die bisher nicht vom architektonischen Geist Bozens gepr�gt sind. Nicht Allerweltsarchitektur ist hier vom sogenannten Stararchitekten gefordert, sondern st�dtebauliche Vielfalt, die dem Bahnhofsviertel Bozner Flair verleihen kann. Alles in Allem: die geplante reine Konsumnutzung steht der urbanen Vielfalt eint�nig gegen�ber und wird nicht die dauerhafte Nachhaltigkeit besitzen, die ein Stadtviertel durch den steten Wechsel der Nutzung und des Lebens nun einmal hat. Wer sich einmal die abgewetzten oder gar stillgelegten Kaufh�user in manchen St�dten betrachtet, der wird erkennen, dass reines Shopping kein dauerhaftes urbanes Leben erzeugt sondern �de ist.

(2.786 ZmZw)

Andreas Gottlieb Hempel



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Andreas Gottlieb Hempel
Prof. Dipl.-Ing. Architekt & Publizist
Otto von Guggenberg Str. 46   I-39042 Brixen (BZ)   Italien
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